Missbrauch in Franken

Riesiger Missbrauchsfall nach Tod eines Jugendleiters aufgedeckt

Nach dem Tod eines des sexuellen Missbrauchs beschuldigten Jugendleiters eines fränkischen Wassersportvereins ist ein Missbrauchsfall von enormen Dimensionen aufgeflogen.

Nach dem Tod eines des sexuellen Missbrauchs beschuldigten Jugendleiters eines fränkischen Wassersportvereins ist ein Missbrauchsfall von enormen Dimensionen aufgeflogen.

Bild: Daniel Karmann, dpa (Symbolbild)

Nach dem Tod eines des sexuellen Missbrauchs beschuldigten Jugendleiters eines fränkischen Wassersportvereins ist ein Missbrauchsfall von enormen Dimensionen aufgeflogen.

Bild: Daniel Karmann, dpa (Symbolbild)

Innerhalb von 26 Jahren soll ein inzwischen verstorbener Mann in einem Wassersportverein in Franken mindestens 57 junge Menschen sexuell missbraucht haben.
Nach dem Tod eines des sexuellen Missbrauchs beschuldigten Jugendleiters eines fränkischen Wassersportvereins ist ein Missbrauchsfall von enormen Dimensionen aufgeflogen.
dpa
30.03.2021 | Stand: 19:35 Uhr

Nach dem Tod eines des sexuellen Missbrauchs beschuldigten Jugendleiters eines fränkischen Wassersportvereins ist ein Missbrauchsfall von enormen Dimensionen aufgeflogen. Der Mann habe innerhalb von 26 Jahren mindestens 57 männliche Kinder und Jugendliche in rund 1400 Fällen sexuell missbraucht. Dies zum Teil auch schwer, wie Oberstaatsanwalt Michael Schrotberger von der Staatsanwaltschaft Ansbach am Dienstag sagte. Zuvor hatten andere Medien über die gestiegenen Opferzahlen berichtet. Zunächst war von 30 Kinder und Jugendliche die Rede gewesen.

Mann arbeitete als Jugendleiter in Wassersportverein in Weißenburg-Gunzenhausen

Der 56-Jährige hatte seit 1991 als Jugendleiter eines Wassersportvereins im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen gearbeitet. Ein Mann mit zwei Gesichtern, wie Schrotberger schilderte. "Nach außen hin war er der Fürsorgliche, Überengagierte, auf Regeln Achtende, aber mit den Kindern hatte ein ganz anderes Regiment."

Zwar habe der Jugendleiter soweit bekannt nie Gewalt angewendet, stattdessen aber mit Belohnungen und Geschenken gearbeitet. "Wer ihm zu Willen war, durfte auf den tollen Segelturn nach Kroatien mit."

Michael Schrotberger. "Es gab immer wieder Gerüchte"

Die Opfer hätten aus Scham nie etwas gesagt. "Es gab immer wieder Gerüchte im Verein, dass der Beschuldigte nicht die notwendige Distanz zu den Kindern hält, aber es war nie die Rede von strafbaren Handlungen", erläuterte Schrotberger. Ein Täter-Netzwerk habe sich nicht gefunden. Auch ein Ermittlungsverfahren gegen ein Vorstandsmitglied sei letztlich wieder eingestellt worden.

Die Vorwürfe kamen erst ans Licht, als der Jugendleiter seine Arbeit für den Verein bereits aufgegeben hatte und drei Opfer Anzeige erstatteten. Daraufhin nahmen die Ermittlungen binnen weniger Tage an Fahrt auf, der Mann kam in Untersuchungshaft. Er schwieg zu den Vorwürfen und tötete sich im Juni 2020 nach etwas mehr als einer Woche in seiner Zelle.

Lesen Sie auch
Ein 42-Jähriger soll seine Stieftöchter sexuell missbraucht haben. Jetzt muss er sich vor dem Kemptener Landgericht verantworten.
Schwerer Missbrauch von Kindern

Landgericht Kempten: 42-Jähriger soll Stieftöchter im Ostallgäu sexuell missbraucht haben

Lesen Sie auch: Anklage gegen weiteren Mann im Missbrauchsfall Münster