Mein Name ist Hase...

Mutter ignoriert Einbrüche ihres 14-jährigen Sohnes

Amtsgericht Kaufbeuren

Eine Mutter aus dem Ostallgäu hat offenkundig beide Augen zugedrückt, als ihr Sohn nachts auf Einbruchstour ging. Nun wurde sie vom Amtsgericht Kaufbeuren (Foto) verurteilt.

Bild: Mathias Wild

Eine Mutter aus dem Ostallgäu hat offenkundig beide Augen zugedrückt, als ihr Sohn nachts auf Einbruchstour ging. Nun wurde sie vom Amtsgericht Kaufbeuren (Foto) verurteilt.

Bild: Mathias Wild

Der Bub zog abends sogar mit dem Brecheisen los. Trotzdem will die Mama von nichts gewusst haben. Der Richter am Amtsgericht Kaufbeuren glaubte das nicht und verknackte die Frau zu einer Geldstrafe...
17.11.2016 | Stand: 17:37 Uhr

Eine Mutter aus dem Ostallgäu hat über Monate quasi achselzuckend zugeschaut, wie ihr 14-jähriger Sohn nächteweise das Haus verließ, um Einbrüche zu begehen. Zwar behauptete die Frau, sie habe von diesen nichts gewusst. Selbst als der Filius abends gar mit einer Brechstange loszog. Aber ihre angebliche Ahnungslosigkeit beeindruckte den Richter am Amtsgericht Kaufbeuren nicht. Die Frau wurde wegen „Beihilfe durch Unterlassen“ verurteilt. Und muss 1.500 Euro Strafe zahlen.

Die nächtlichen Streifzüge des Sohnes ereigneten sich zwischen dem Herbst 2014 und dem Sommer 2015. Wie sich herausstellte, war der 14-Jährige das jüngste Mitglied einer Einbrecherbande, die damals im südlichen Ostallgäu, im Raum Weilheim-Schongau sowie in Teilen des Westallgäus aktiv war. In wechselnder Besetzung wurden über 60 Taten begangen. Die Mitglieder der Bande sind zwischenzeitlich zu Jugendstrafen verurteilt worden – zumeist ohne Bewährung. Bevorzugte Ziele ihrer Diebestouren waren Vereinsheime, Hütten und Kioske.

Munter weitergemacht

Der bei den Einbrüchen angerichtete Sachschaden war mit 20.000 Euro fast dreimal so hoch wie die Bargeld-Ausbeute in Höhe von etwa 7.000 Euro. Obwohl der 14-jährige Sohn der Angeklagten und ein volljähriger Komplize der Polizei bereits im Dezember 2014 erstmals ins Netz gegangen waren, machte die Bande nach den Verhören munter weiter. Die Angeklagte wollte von all dem nichts gewusst haben und erklärte sinngemäß, sie sei aus allen Wolken gefallen, als ihr Sohn nach dem Auffliegen der ersten Einbruchsserie von der Polizei nach Hause gebracht wurde.

Dass sie ihn dann in der Folgezeit trotzdem wieder nachts mit seinen teils deutlich älteren Freunden losziehen ließ, konnte der Richter nicht nachvollziehen. Zumal der Jugendliche an den Tagen nach seinen nächtlichen Touren offenbar regelmäßig nicht zur Schule gegangen war. Allein dies, so der Richter, sei „eine eklatante Vernachlässigung der elterlichen Sorgepflicht“. Als Mutter hätte die Angeklagte aber auch eine so genannte strafrechtliche „Garantenpflicht“ gehabt und die illegalen Aktivitäten ihres Sohnes verhindern müssen.

Lesen Sie auch
##alternative##
Oberlandesgericht Frankfurt

Lebenslange Haft im Kriegsverbrecherprozess um Tod kleiner Jesidin

Sogar vom Tatort abgeholt

Die Ostallgäuerin war durch Aussagen von zwei Komplizen ihres Sohnes ins Visier der Ermittler geraten. Beide ruderten vor Gericht zwar jetzt zurück und beriefen sich auf Erkenntnisse vom reinen Hörensagen. Bei der Polizei hatten sie die Frau allerdings noch klar belastet: Sie habe schon circa nach dem vierten Einbruch Bescheid gewusst und ihren Sohn teilweise sogar nachts von Tatorten abgeholt. Letzteres gab die Mutter zwar zu, wollte aber nichts vom kriminellen Hintergrund geahnt haben. Auch dass der Jugendliche gelegentlich nachts mit einem Brecheisen aus dem Haus ging, gab ihr angeblich nicht zu denken. Ihr Sohn habe gesagt, das Werkzeug sei für den Bau eines Baumhauses.

Sie dürfen hier alles erzählen. Es ist aber nicht so, dass ich verpflichtet bin, alles zu glauben.
Der Richter

Der Richter reagierte auf diese und andere Erklärungen mit deutlicher Skepsis: „Sie dürfen hier alles erzählen. Es ist aber nicht so, dass ich verpflichtet bin, alles zu glauben.“ Auch der Staatsanwalt war im Plädoyer davon überzeugt, dass die Mutter damals „bewusst die Augen verschlossen“ hatte. Spätestens nach der ersten Festnahme ihres Sohnes habe sie Bescheid gewusst und eine Pflicht zum Einschreiten gehabt. Die Angaben der Angeklagten legten den Schluss nahe, dass sich ihre Intervention dann offenbar primär in den Worten „Stellt halt nichts mehr an!“ erschöpft hatte.