Gerichtsprozess Unterfranken

Zwei Männer wegen tödlichem Motorradunfall vor Gericht

Zwei Motorradfahrer haben einen tödlichen Unfall ausgelöst. Vor Gericht wird geklärt, ob sie ein illegales Motorradrennen gefahren sind.

Zwei Motorradfahrer haben einen tödlichen Unfall ausgelöst. Vor Gericht wird geklärt, ob sie ein illegales Motorradrennen gefahren sind.

Bild: Peter Steffen, dpa (Symbolbild)

Zwei Motorradfahrer haben einen tödlichen Unfall ausgelöst. Vor Gericht wird geklärt, ob sie ein illegales Motorradrennen gefahren sind.

Bild: Peter Steffen, dpa (Symbolbild)

Weil sie bei einem möglich Motorradrennen einen tödlichen Unfall ausgelöst haben, stehen zwei junge Männer in Unterfranken vor Gericht.
##alternative##
dpa
12.07.2021 | Stand: 11:04 Uhr

Nach einem tödlichen Unfall bei einem möglichen Rennen in Unterfranken müssen sich zwei Motorradfahrer am Dienstag vor dem Amtsgericht Obernburg am Main verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft den 20 Jahre alten Männern vor, am 29. Mai 2020 ein verbotenes Kraftfahrzeugrennen durchgeführt zu haben, bei dem ein 24-Jähriger starb.

Die damals 19-Jährigen sollen bei Kirchzell (Landkreis Miltenberg) mit mehr als 170 Stundenkilometern über eine Kreisstraße gerast sein. Ein Rennteilnehmer geriet den Ermittlungen zufolge nach einem Überholmanöver in den Gegenverkehr. Dort kollidierte er mit dem 24-Jährigen, der den Unfall nicht überlebte. Von dem mutmaßlichen Rennen soll es Bilder und Videos geben, die unter anderem mit einer Helmkamera angefertigt wurden.

Gruppe hat sich zu Rennen verabredet

Die Ermittlungen zu dem Unfall ergaben, dass die beiden Fahrer zu einer fünfköpfigen Gruppe gehörten, die sich zu einem Rennen verabredet haben soll. Solche Rennen sollen sie bereits mehrfach veranstaltet haben. Zwei weitere Männer sollen vom Straßenrand aus Aufnahmen von der Raserei gemacht haben. Der 24-Jährige, ebenfalls wohl Teil der Gruppe, fuhr demnach in dem Moment die Strecke in die andere Richtung, als sich die zwei Angeklagten gerade duellierten.

Für den Prozess ist laut Gericht nur ein Verhandlungstag angesetzt. Drei Zeugen und ein Sachverständiger sollen gehört werden. Das Urteil könnte bereits am Dienstag gesprochen werden. Die Angeklagten befinden sich nicht in Untersuchungshaft.

Illegale Auto- und Motorradrennen gelten als Straftat

Seit Oktober 2017 gelten illegale Auto- und Motorradrennen nicht mehr als Ordnungswidrigkeit, sondern als Straftat. Seitdem kann schon die Teilnahme an solchen Rennen mit bis zu zwei Jahren Haft geahndet werden.

Lesen Sie auch
##alternative##
Messerangriff in Ranstadt

Jugendliche nach tödlicher Messerattacke auf 18-Jährigen vor Gericht

Der neue Paragraf 315d im Strafgesetzbuch sieht zudem bis zu zehn Jahre Gefängnis vor, wenn der Tod eines anderen Menschen durch ein "verbotenes Kraftfahrzeugrennen" verursacht wird. Außerdem werden die Fahrzeuge an Ort und Stelle eingezogen. Den Führerschein darf ein Raser in vielen Fällen auch gleich neu machen.

Eine abschreckende Wirkung hat das aber selten. Denn allen angedrohten Strafen und Gerichtsurteilen zum Trotz geben Fahrer weiter Gas: Eine bundesweite Statistik zu illegalen Straßenrennen gibt es zwar nicht. Aber aus veröffentlichten Zahlen geht hervor, dass es auch in Bayern viele verbotene Kraftfahrzeugrennen gibt.

Zahl der illegalen Rennen in Bayern steigt

2018 und 2019 registrierte die Polizei im Freistaat insgesamt rund 480 Fälle. 2020 waren es nach Angaben des Innenministeriums etwa 560 - 7 Menschen starben dabei, 77 wurden verletzt.

In diesem Jahr wurden bis Ende Juni rund 260 verbotene Motorrad- und Autorennen erfasst. Die Teilnehmer sind fast ausschließlich männlich und in den meisten Fällen zwischen 18 und 30 Jahre alt.

Bundesweit hat sich die Justiz bereits mehrfach mit der Frage auseinandergesetzt, ob Raser in ihren meist aufgemotzten und hochmotorisierten Fahrzeugen als potenzielle Mörder unterwegs sind und den Tod anderer billigend in Kauf nehmen. Wegweisend war eine Entscheidung des Berliner Landgerichts vom Februar 2017, als zwei Fahrer als Mörder verurteilt wurden. Es war das erste Mordurteil gegen Autoraser in Deutschland.

Lesen Sie auch: Illegales Autorennen: Mit 120 durch Memminger Innenstadt