Landestheater wagt Neues

Romeo und Julia im Ein-Euro-Laden

Unter der Regie von Robert Teufel spielt das Landestheater Schwaben Rome und Julia. Unsere Bild zeigt Regina Vogel und Rudy Orlovius bei der Annäherung.

Unter der Regie von Robert Teufel spielt das Landestheater Schwaben Rome und Julia. Unsere Bild zeigt Regina Vogel und Rudy Orlovius bei der Annäherung.

Bild: Landestheater Schwaben/Forster

Unter der Regie von Robert Teufel spielt das Landestheater Schwaben Rome und Julia. Unsere Bild zeigt Regina Vogel und Rudy Orlovius bei der Annäherung.

Bild: Landestheater Schwaben/Forster

Es ist nicht alles Gold, was glänzt: Das stellte William Shakespeare schon im „Kaufmann von Venedig“ fest. Bewahrheitet hat es sich jetzt wieder bei der Inszenierung eines anderen seiner Werke am Landestheater Schwaben in Memmingen. Mit „Romeo und Julia“ stellt Regisseur Robert Teufel eines der größten Liebespaare auf eine goldene Bühne. Die Geschichte aber schrumpft in Teufels aktualisierter Version zum matten Abglanz ihrer selbst zusammen, findet unsere Autorin Verena Kaulfersch.
14.02.2017 | Stand: 10:07 Uhr

Teufel, der seit 2014 als freier Regisseur tätig ist und unter anderem für das Nationaltheater Mannheim gearbeitet hat, liefert mit „Romeo und Julia“ seine erste Produktion für das Landestheater ab. Als aus heutiger Sicht elementaren Aspekt sieht er den übermächtigen Einfluss, den Hass und alte Konflikte auf die Figuren haben.

Weitere Aufführungen von "Romeo und Julia" am Landestheater in Memmingen am 16. Februar (20 Uhr), 12. März (19 Uhr), 4. April (20 Uhr), 13. Mai (20 Uhr) und 14. Juni (20 Uhr).
Karten unter 08331/94 59 16.

Erst der Tod der Liebenden beendet den Krieg zwischen den Familien – sie setzen den Kindern zuletzt ein Denkmal: Doch ein derart simples Zeichen als Rezept gegen Gewalt tut’s aus Teufels Sicht nicht – es hilft nur „gelebte Praxis“. So thront hier auch das Stück nicht als zeitloses Monument auf einem Sockel, sondern erhält einen Zuschliff für die Gegenwart.

Seitenhieb gegen Bild-Zeitung

Einerseits verwendet die Inszenierung eine reduzierte, moderne Übersetzung von 2004, andererseits holt sie das Stück in die Jetzt-Zeit. Die Figuren sehen aus wie aus der Alltagswelt gegriffen und teilen diese mit den Zuschauern – etwa, wenn sie sich für das Kostümfest bei den Capulets im Ein-Euro-Laden rüsten oder Seitenhiebe gegen die Bild-Zeitung verteilen.

Ein bisschen schräg muss sein: Sandro Sutalo und Rudy Orlovius.
Ein bisschen schräg muss sein: Sandro Sutalo und Rudy Orlovius.
Bild: Landestheater Schwaben/Forster

Für Witz und Dynamik sorgen Spiele mit der Zuschauerillusion: Da fallen Figuren aus der Rolle oder erteilen kurzerhand selbst Regieanweisungen. Teils erinnert das, was auf der Bühne passiert, an Schnitt- und Collagetechniken von Video-Clips: Als sich Romeo (Rudy Orlovius) und Julia (Regina Vogel) auf dem Kostümfest begegnen, dauern die Szenen nur Augenblicke, dazwischen gibt’s Elektro-Musik.

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Diese augenzwinkernde Aktualität hat eine Nebenwirkung: Sie sorgt für eine ironische Distanz, bei der die tragische Tiefe des Geschehens mitunter auf der Strecke bleibt. Das mag auch daran liegen, dass bei Orlovius und Vogel die allumfassende Leidenschaft ihrer Figuren füreinander nicht recht spürbar wird. Mehrfach scheinen beide diese vor allem durch Lautstärke ausdrücken zu wollen. Während Julia dabei seltsam ungerührt erscheint, wirkt Romeo in seiner Gefühlsekstase überzeichnet, sodass der Zuschauer sich unfreiwillig im Bunde mit den Figuren wiederfindet, die diese Liebe vor allem als jugendlich überspannte Schwärmerei empfinden.

Zu ihnen gehört auch Romeos Vertrauter Mercutio, den Sandro Sutalo an der Seite von Benvolio (Christian Bojidar Müller) als schräg-witzigen, aber keineswegs eindimensionalen Charakter darstellt. Die Auftritte dieses Gespanns oder von Anke Fonferek als Amme zählen zu den darstellerischen Glanzpunkten.

Dem Schluss drückt Teufels Kerngedanke einen Stempel auf: Auf der Bühne entsteht kein Denkmal, vielmehr dürfen Romeo und Julia auferstehen – für einen Appell gegen Gewalt ans Publikum. Der verheddert sich jedoch in einem Exkurs über gesellschaftlichen Medienkonsum. Jede Hoffnung konterkariert zuletzt der Auftritt Tybalts (Jens Schnarre): Wie schon zu Beginn des Stücks tritt er als Verkörperung des Hasses auf.