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Seltene Brautente taucht in der Iller auf

Großes Ente(r)tainment

Seltene Brautente taucht in der Iller auf

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    Bunt wie ein Osterei: Die Brautente fällt optisch sofort auf.
    Bunt wie ein Osterei: Die Brautente fällt optisch sofort auf. Foto: Anne-Sophie Schuhwerk
    Fröhlich zieht die Brautente ihre Kreise im Allgäu. Zuhause ist ihre Art eigentlich in Nordamerika...
    Fröhlich zieht die Brautente ihre Kreise im Allgäu. Zuhause ist ihre Art eigentlich in Nordamerika... Foto: Tobias Schuhwerk

    ++++ Dieser Artikel stammt aus dem Archiv von allgaeu.life und wurde zuerst im März 2017 veröffentlicht +++

    Großes Entertainment mitten an einem der zentralsten Iller-Plätze in Kempten! Die Illertreppen nahe der Sankt-Mang-Brücke zieht auch bei nasskaltem April-Wetter Spaziergänger an. Gerade Familien mit Kindern erfreuen sich am Beobachten der zahlreichen Wasservögeln, wie Stockenten oder Reiherenten, Schwänen oder dem Gänsesäger, der hier als Urlaubsgast residiert.

    Doch ein Vogel stach am Ostersonntag besonders heraus: Mit seinem mehrfarbigen Prachtkleid fiel er sofort als Exot auf. Es schimmert in nahezu allen erdenklichen Farben: grün, violett, braun, schwarz, weiß, blau. Die orangeroten Augenringe vervollständigen das schön-schräge Outfit dieses "Paradiesvogels". "Der kommt doch nicht von hier! So was habe ich ja noch nie gesehen", staunten Passanten und der allgaeu.life-Reporter gleichermaßen.

    Doch was hat es dann mit dem Exoten auf sich? Woher stammt er? Und was macht er hier, wenn er nicht fressend das Wasser durchpflügt oder dschii-ii dschii-ii ruft?

    (Schau Dir die Ente im Video von Anne-Sophie Schuhwerk an)

    Ente gut alles gut: Die verschiedenen Arten auf der Iller kommen offenbar gut miteinander klar.
    Ente gut alles gut: Die verschiedenen Arten auf der Iller kommen offenbar gut miteinander klar. Foto: Anne-Sophie Schuhwerk

    Über diese Fragen rätseln selbst Experten. Schnell geklärt ist freilich die Enten-Art: Es handelt sich unzweifelhaft um eine männliche Brautente, sagt Diplom-Biologin Monika Schirutschke vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). Und das ist eine kleine Sensation in unseren Breitengraden! Deutschlandweit gibt es laut Experten nur 25 bis 40 Brutpaare. Der Wasservogel stammt urpsrünglich aus Amerika und ist auch heute in den USA und in Kanada am stärksten verbreitet.

    Im 17. Jahrhundert wurde er nach Europa importiert und wegen seiner prächtigen Optik an Adelshöfen gezüchtet. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Berlin Versuche, die Brautente in Deutschland anzuziedeln. Doch die letzten Tiere dieser freilebenden Gattung sollen in den 1930er Jahren ausgestorben sein. Doch woher stammt dann das Iller-Exemplar?

    Ist es etwa ein bislang unbekannter Nachkomme dieser "Familie"? Wohl kaum. Viel wahrscheinlicher ist, dass das Tier aus einem Zoo oder von einem Züchter flüchtete - und sich seither an der Iller heimisch fühlt. Denn auch wenn sich manch einer Kemptener Ostersparziergänger wunderte: Beim LBV hat man die Brautente bereits seit Längerem auf dem Schirm. Sie wurde beispielsweise auch schon in Hegge gesichtet. "Dem Erpel scheint es hier gut zu gehen", sagt Monika Schirutschke schmunzelnd.

    Auch das Wetter kann dem Exot offenbar nichts anhaben: Er gilt als winterhart und hat an der Iller mit ihren Bäumen und Sträuchern ein solides Zuhause gefunden. Mehr noch: Er scheint ganz und gar angekommen zu sein im Allgäu. Als ihm Passanten ein Stückchen Breze zuwerfen, verschlingt er sie gierig...

    Wenngleich Monika Schirutschke übrigens davon abrät, die Enten zu füttern: "Der Salzgehalt in Brot und speziell Brezen ist zu groß!" Lieber sollte man der Brautente zuschauen, wie sie sich natürliche Nahrung einverleibt: Teile von Wasserpflanzen, Samen oder Früchte beispielsweise. Davon gibt es rund um die Iller reichlich. Einzig nach dem passenden Weibchen sucht der Eremiten-Erpel noch vergeblich. Vielleicht müsste er dazu seine geliebten Allgäuer Gefilde verlassen. Zum Beispiel nach Osnabrück. Dort wurde vor zwei Jahren eine Brautenten-Weibchen gesichtet. Die gute Dame soll Single sein...

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