Würzburg

Sexueller Missbrauch? Priester der Diözese Würzburg muss vor Gericht

Ein Priester der Diözese Würzburg muss sich ab Donnerstag vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: sexueller Missbrauch einer zwölf Jahre alten Ministrantin.

Ein Priester der Diözese Würzburg muss sich ab Donnerstag vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: sexueller Missbrauch einer zwölf Jahre alten Ministrantin.

Bild: Friso Gentsch, dpa (Symbolbild)

Ein Priester der Diözese Würzburg muss sich ab Donnerstag vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: sexueller Missbrauch einer zwölf Jahre alten Ministrantin.

Bild: Friso Gentsch, dpa (Symbolbild)

Ein Priester der Diözese Würzburg muss sich ab Donnerstag vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: sexueller Missbrauch einer zwölf Jahre alten Ministrantin.
dpa
16.08.2020 | Stand: 08:23 Uhr

Von der Nachricht erfuhr die Gemeinde während der Abendmesse: Ihr Pfarrer erhält ein vorübergehendes Berufsverbot. Der Vorwurf: sexueller Missbrauch. In zwei Fällen soll es zu sexuellen Handlungen mit einer damals Zwölfjährigen gekommen sein. Die Taten liegen etwa zehn Jahre zurück und beruhen auf den Aussagen des mutmaßlichen Opfers - der Angeklagte hatte sich bislang nicht öffentlich geäußert.

Von 2008 bis 2010 war er Kaplan einer katholischen Pfarrgemeinschaft im Landkreis Bad Kissingen, das mutmaßliche Opfer eine Ministrantin. Das Mädchen soll laut Staatsanwaltschaft für den Angeklagten geschwärmt haben. Beide hätten sich häufiger getroffen und zahlreiche Chatnachrichten geschrieben. Später sei es zu mindestens einem Zungenkuss und zwischen November 2010 und Februar 2011 in einem Waldstück am Rande der Gemeinde zu sexuellen Handlungen gekommen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, gewusst zu haben, dass die Ministrantin das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet hatte. Die Anklage lautet daher auf sexuellen Missbrauch von Kindern in Tatmehrheit mit schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern.

Dem Deutschen wurde bis zur Klärung des Sachverhaltes die Ausübung des priesterlichen Dienstes durch den Würzburger Bischof Franz Jung verboten. Die Diözese Würzburg gab in einem Statement vom Februar 2020 an, bei den Ermittlungen "in enger Kooperation" mit der Staatsanwaltschaft Schweinfurt zu stehen und eine umfassende Aufklärung zu fördern. Der Prozess soll am 20. August 2020 vor dem Amtsgericht Bad Kissingen beginnen.

Erst im Januar dieses Jahres wurde ein Priester im Ruhestand, der mehrere Jahre in der Diözese Würzburg tätig war, wegen sexuellen Missbrauchs aus dem Klerikerstand entlassen - von Papst Franziskus. Der Mann war vor 20 Jahren ins Bistum Würzburg gekommen. Im Jahr 2002 wurde öffentlich, dass der Pfarradministrator in seiner Gemeinde einen elfjährigen Schüler missbraucht hat. Er erhielt eine Bewährungsstrafe und wurde suspendiert. Später stellte sich heraus, dass der Priester sich bereits 1993 in Österreich an einem 16-Jährigen vergriffen hatte. Dem Bistum Würzburg sei dies damals nicht bekannt gewesen, hieß es.

Immer wieder Missbrauch von Kindern durch Kleriker

Einer Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) zufolge, die 2018 vorgestellt wurde, wurden bundesweit mindestens 3677 Minderjährige von 1670 Klerikern missbraucht. Dunkelziffer ungewiss. Etwa ein Jahr nach der Veröffentlichung teilte das Bistum Würzburg mit, dass die beiden Missbrauchsbeauftragten der Diözese über "fünf relevante neue Vorwürfe" informiert worden seien. Der Arbeitsstab "Sexueller Missbrauch und körperliche Gewalt" ist im Bistum Würzburg seit 2002 beratend tätig und trifft sich zum regelmäßigem Austausch.

  • Im Bistum Würzburg sind bislang laut einer Mitteilung von Oktober vergangenen Jahres drei Opfer entschädigt worden - zwei mit 5000, eines mit 2000 Euro.
  • Das Bistum Augsburg hatte im Juni höhere Zahlungen an Missbrauchsopfer von bis zu 75 000 Euro öffentlich angekündigt.
  • Kurz darauf meldete das Bistum Regenburg, Zahlungen für die Opfer sexuellen Missbrauchs auf bis zu 50 000 Euro aufzustocken.
  • Die anderen katholischen Bistümer in Bayern, darunter das Bistum Würzburg, wollen eine Entscheidung der Deutschen Bischofskonferenz abwarten. Im Herbst sollen dort die Details geklärt werden, wie viel Geld Opfer sexuellen Missbrauchs von der Kirche bekommen.