Allgäu

Zehn mystische Allgäuer Orte, um die sich wilde Sagen ranken

Auch der Alpsee bei Immenstadt hat eine bewegte Geschichte.

Auch der Alpsee bei Immenstadt hat eine bewegte Geschichte.

Bild: Günter Jansen

Auch der Alpsee bei Immenstadt hat eine bewegte Geschichte.

Bild: Günter Jansen

Weite Wälder, zerklüftete Berge, nebelverhangene Täler: Viele Orte im Allgäu sind nicht nur sagenumwoben, sondern bieten sich auch als Ausflugsziele an.
24.04.2020 | Stand: 09:09 Uhr

Dieser Artikel stammt aus dem allgaeu.life-Archiv und erschien zuerst im Sommer 2018.

Walburga-Kapelle zwischen Immenshofen und Ruderatshofen, Ostallgäu
Walburga-Kapelle zwischen Immenshofen und Ruderatshofen, Ostallgäu
Bild: Tobias Giegerich

1. Kopflose Kirchgänger:

Zwischen Ruderatshofen und Immenhofen steht die Walburga-Kapelle. Früher soll dort eine Burg gestanden haben, deren Herr grausam war und seine Untertanen beim geringsten Anlass köpfen ließ. Geht man nun heute nachts an der Kapelle vorbei – so heißt es – sieht man hinter den Kirchenfenstern Licht leuchten. Dann nämlich sitzen die Geköpften in der Kirche und halten die heilige Messe ab, während ein kopfloser Pudel um die Kirche herum läuft. Nachforschungen des Autors Peter Würl haben ergeben, dass an dem Platz früher tatsächlich einmal ein Schloss stand. Der angrenzende Parkplatz eignet sich als Startpunkt für Spaziergänge Richtung Ruderatshofen oder Immenhofen mit Blick auf das schöne Alpenpanorama. (Foto: Tobias Giegerich)

AZ
Auch der Alatsee in Füssen diente als Schauplatz für den beliebten Allgäu Krimi rund um den Kommissar Kluftinger. 2013 wurde dort der Film "Seegrund" gedreht.
Bild: Ralf Lienert

2. Teufelsmetzger:

In Mindelheim soll ein Metzger gelebt haben, der mit dem Teufel im Bunde stand. Wenn er zum Viehkauf im Allgäu unterwegs war, bezahlte er mit verzauberten Münzen. Wurde er zur Rede gestellt, musste er nur Kuhmist zu sich nehmen oder sich auf einen Misthaufen stellen, um unsichtbar zu werden. Das Sterben schließlich soll für den Metzger eine schier unendliche Qual gewesen sein: Sobald man den Pfarrer an sein Sterbebett holte, lag dort nur noch ein Holzscheit. Als Ausflugsziel ist Mindelheim heute dagegen weniger wegen verteufelten Metzgern, sondern wegen seiner historischen Altstadt beliebt. (Foto: Ulrich Wagner)

Luftbild Mindelheim / Blickj auf den Marienplatz
Bild: Ulrich Wagner
Luftbild Mindelheim / Blickj auf den Marienplatz Bild: Ulrich Wagner

3. Der blutende See:

Auf den ersten Blick wirkt er recht idyllisch, der Alatsee bei Füssen. Doch schon die Bäume in der Nähe des Gewässers bieten einen unheimlichen Anblick: Sie winden sich in ungewöhnlichen Formen in die Höhe. Der See selbst birgt ein mysteriöses Geheimnis: In 15 Metern Tiefe ist das kristallklare Wasser plötzlich purpurrot – eine absolute Todeszone. Heute weiß man: Grund dafür ist eine starke Konzentration von Purpur-Schwefelbakterien. Doch diese wissenschaftliche Erklärung verhindert nicht, dass sich zahlreiche Erzählungen und Sagen um das Gewässer ranken. Durch einen Fluch soll der See beispielsweise unergründlich tief sein. So tief, dass man sich erzählt, während des Zweiten Weltkriegs hätten Nationalsozialisten einen Milliardenschatz in ihm versenkt. Kein Wunder also, dass auch die Allgäuer Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr einen ihrer Kluftinger-Krimis dort spielen lassen. Für eine Entdeckungstour bietet sich der Rundweg (ca. 1,5 Stunden) um den See an. (Foto: Ralf Lienert)

 

AZ
Memminger Wahrzeichen, Memmingen, Basilisk im Stadtmuseum

4. Das Untier im Keller:

Basilisken gelten als „Könige der Schlangen“. Die Mischwesen aus Hahn und Schlange sollen auch im Allgäu gehaust haben. Genauer gesagt, in einem Keller in Memmingen. Nicht umsonst ist das sagenumwobene Tier eines der sieben Memminger Wahrzeichen. In der Nähe der Frauenmühle soll der Basilisk sein Unwesen getrieben haben. Schon ein Blick des Untieres habe genügt – so die Sage – um jedes lebende Wesen zu töten. Ein zu Tode Verurteilter soll den Basilisken schließlich getötet haben. Mit Spiegeln behangen betrat er den Keller, sodass der Basilisk sich selbst erblickte und von seinem eigenen Blick getötet wurde. Ein steinernes Bildnis des Basilisken kann heute noch im Memminger Stadtmuseum (geöffnet von Mai bis Oktober, Dienstag bis Samstag 10 bis 12 und 14 bis 16 Uhr, Sonn- und Feiertag 10 bis 16 Uhr) besichtigt werden. (Foto: Roland Schraut)

5. Die letzte Hexe:

Eine Burgruine im Oberallgäu, deren Geschichte Gänsehaut verursacht: Die um das Jahr 1250 erbaute Burg Langenegg. Mehrere Jahrhunderte lang diente sie als Herrschaftssitz für Adelsfamilien, stand dann jahrelang leer und wurde im 18. Jahrhundert zu einem Zucht- und Armenhaus umgebaut. Als dieses erlangte die Burg mit einer Begebenheit aus dem Jahr 1775 traurige Berühmtheit: Anna Maria Schwägelin wurde dort der Hexerei beschuldigt und als „letzte Hexe“ in Deutschland zum Tod durch Verbrennen verurteilt. Wie der Autor Wolfgang Petz bei seinen Recherchen zum Buch „Das Schicksal der Anna Maria Schwägelin“ herausfand, soll das Urteil aber nie vollstreckt worden sein. Südöstlich von Martinszell in der Gemeinde Waltenhofen stehen heute einsam und abgelegen die verwitterten Überreste des Hauptturmes. Der Besuch der Ruine lässt sich optimal mit einer Radtour oder einem Spaziergang entlang der Iller verbinden. (Foto: Jörg Schollenbruch)

 

Sowohl die Fischhauskapelle als auch das Steinerne Kreuz sind eng mit der Ortsgeschichte Roßhauptens verknüpft- das sogenannte Römerkreuz (Foto) gilt sogar als Wahrzeichen der Auerbergland- Gemeinde. Beim Tag des offenen Denkmals werden zudem Skulpturen des Buchinger Künstlers Georg Lerchenmüller zu sehen sein.
Sowohl die Fischhauskapelle als auch das Steinerne Kreuz sind eng mit der Ortsgeschichte Roßhauptens verknüpft- das sogenannte Römerkreuz (Foto) gilt sogar als Wahrzeichen der Auerbergland- Gemeinde. Beim Tag des offenen Denkmals werden zudem Skulpturen des Buchinger Künstlers Georg Lerchenmüller zu sehen sein.
Bild: Peter Schäffer

6. Das steinerne Kreuz:

Im achten Jahrhundert soll der heilige Magnus im Tiefental bei Roßhaupten einen Drachen getötet haben. Eine Erzählung, die Drachen auch noch heutzutage zu einem großen Thema in Roßhaupten macht. Es gibt zum Beispiel den Erlebnispfad „Drachenweg“ (ca. 1 bis 1.5 Stunden), der am besten vom Parkplatz am Roßhauptener Kurpark erreicht werden kann. Wer die Tour macht, kommt auch an einem Steinkreuz vorbei, das auf einem Findling steht. Eine Sage erzählt, dass der Teufel verhindern wollte, dass die Pfarrkirche St. Andreas in Roßhaupten gebaut wird. Aus Wut riss er ein Stück aus dem Säuling und schleuderte es in Richtung der Kirche. Weil dann aber die Glocken zu läuten begannen, wurde die Macht des Teufels wirkungslos und so fiel das Stück Fels auf halbem Wege zu Boden. Als Erinnerung an diese Begebenheit soll der Sage nach das Kreuz auf genau diesem Stein errichtet worden sein. Heute weiß man, dass der Felsbrocken aus Nagelfluh besteht und damit gar nicht vom Säuling stammen kann. Schaurig bleibt die Erzählung trotzdem. (Foto: Peter Schäffler)

 

Burgruine Langenegg
Burgruine Langenegg, Gemeinde Waltenhofen
Bild: Jörg Schollenbruch

7. Geisterpudel:

In Hergatz im Westallgäu gibt es die Sage vom Geisterpudel im Lengatzer Tobel. Der schwarze Hund mit den feurigen Augen soll dort bei einer Brücke über den Dürrenbach immer wieder erschienen sein. Der Pudel sei der Sage nach der Geist eines ehemaligen Wirtes. Der soll seine Frau, sein Kind und schließlich sich selbst umgebracht haben. Wegen dieser gottlosen Tat konnte er nicht auf dem Friedhof begraben werden, sondern wurde im Lengatzer Tobel verscharrt. Dort trieb er fortan als schwarzer Geisterpudel sein Unwesen. Am besten lässt sich der Besuch des sagenumwobenen Tobels mit einem Abstecher nach Meckatz oder nach Wangen verknüpfen. (Foto: Bettina Buhl)

 

Angeblich hat ein Schumpen bei einem Bauernhof in Lengatz in der Nacht einen Regler umgelegt, sodass etwa 100 Kubik Gülle in die Dürrach geflossen sind. Die Feuerwehren Wohmbrechts und Maria-Thann haben zunächst in der Nähe der Straße von Meckatz nach Wohmbrechts ein Loch im Bachbett ausgebaggert und wollten dort das verschmutze Wasser abpumpen. Da der Bach aber so langsam fließt, haben sie die Einsatzstelle ins Lengatzer Tobel verlegt. Dort errrichteten sie eine Sperre. Dann warteten sie auf da
Angeblich hat ein Schumpen bei einem Bauernhof in Lengatz in der Nacht einen Regler umgelegt, sodass etwa 100 Kubik Gülle in die Dürrach geflossen sind. Die Feuerwehren Wohmbrechts und Maria-Thann haben zunächst in der Nähe der Straße von Meckatz nach Wohmbrechts ein Loch im Bachbett ausgebaggert und wollten dort das verschmutze Wasser abpumpen. Da der Bach aber so langsam fließt, haben sie die Einsatzstelle ins Lengatzer Tobel verlegt. Dort errrichteten sie eine Sperre. Dann warteten sie auf da
Bild: Bettina Buhl

8. Wilde Weiblein:

Die „Wilden Weiblein“ sollen im Wald gelebt haben, achteten Leben und Natur und konnten weissagen und mit Tieren sprechen. Zu den Menschen in den Dörfern waren die „Fräulein“ freundlich und hilfsbereit. Den Erzählungen nach trugen sie so eigentümliche Namen wie Hurlahutsch, Rezabell und Rakattl. In Hinterstein im Ostrachtal sind die Sagen um die „Wilden Weiblein“ noch besonders lebendig: Dort gibt es sogar Höhlen, in denen die Weiblein gewohnt haben sollen – im sogenannten „Wildfräuleinstein“. Spaziergängern und Wanderern bieten sich neben dem „Wildfräuleinstein“ weitere Möglichkeiten, von Hinterstein aus das Tal zu erkunden. Beliebte Ziele sind der Schrecksee, die Schwarzenberghütte oder die Willersalpe. (Foto: DAV)

 

Wandbild zur Sage des Märzenburgfräuleins an einem Haus an der Äußeren Buchleuthenstraße in Kaufbeuren, entstanden etwa 1936
Wandbild zur Sage des Märzenburgfräuleins an einem Haus an der Äußeren Buchleuthenstraße in Kaufbeuren, entstanden etwa 1936
Bild: Lina Schuttenberg

9. Drei verfluchte Schwestern:

Ein bewaldeter Hügel zwischen Kaufbeuren und Biessenhofen ist Schauplatz der Sage vom Märzenburgfräulein. Eine bewaldete Grube soll der Ort sein, an dem einst die Märzenburg stand. Die Sage erzählt von drei Schwestern. Als eine der Schwestern, die blind war, von den anderen um ihr Erbe betrogen wurde, soll sie einen Fluch ausgesprochen haben. Die Burg versank in der Erde und die drei Schwestern mit ihr. Zwei der Schwestern sollen mittlerweile erlöst sein, doch eine – so wird erzählt – hört man in dem Waldstück des Nachts noch singen. Wer sie erlösen will, muss sie bis zum Taufstein der Martinskirche in Kaufbeuren tragen. Doch dabei wird man mehrmals auf die Probe gestellt, sodass es bisher noch niemandem gelungen ist, die dritte Schwester zu befreien. Der exakte Standort der Märzenburg ist nicht bekannt. In dem Waldstück befinden sind jedoch zwei Gedenksteine, die zwei mögliche Orte kennzeichnen. Die Stelle ist zu Fuß in 30 bis 40 Minuten von Biessenhofen aus erreichbar. (Foto: Lina Schuttenberg)

 

- Fruehlingsgefuehle am Alpsee bei Immenstadt
- am Ostersamstag, 26.03.2016
- viele Menschen und Hunde unterwegs am Alpsee, sitzen in der warmen Sonne auf den Baenken oder im Café
- Foto: Guenter Jansen
- Fruehlingsgefuehle am Alpsee bei Immenstadt - am Ostersamstag, 26.03.2016 - viele Menschen und Hunde unterwegs am Alpsee, sitzen in der warmen Sonne auf den Baenken oder im Café - Foto: Guenter Jansen
Bild: gjansen@online.de

10. Die versunkene Stadt:

An der Stelle des Großen Alpsee bei Immenstadt soll einer Sage nach einst eine große Ebene mit einer prächtigen Stadt gelegen haben, deren Bewohner raue Gesellen waren. Die Fruchtbarkeit der Gegend soll so groß gewesen sein, dass sie bald nicht mehr wussten, was sie mit der Überfülle von Milch, Butter und Käse anfangen sollten. Als sie in ihrem Übermut sich ihre Kellerstiegen mit Käselaiben aufbauten, ereilte sie der Zorn Gottes. Stadt und Felder versanken in die Tiefe, an deren Stelle entstand der See. Noch jetzt findet man am östlichen Ufer bei Bühl Ziegelsteine und Ziegelplatten, die angeblich als Mahnung an die versunkene Stadt dienen. Bühl bietet sich auch als Startpunkt für einen Spaziergang um den Alpsee an oder lädt zum Verweilen an der Seepromenade ein. Nur fünf Autominuten entfernt ist die Alpsee-Bergwelt, wo Wanderungen oder eine Fahrt mit der Sommerrodelbahn für Abwechslung sorgen. (Foto: Günther Jansen)