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Ostallgäuer Historiker: Das war die letzte Mahlzeit von König Ludwig II.

König Ludwig II.

Ostallgäuer Historiker enthüllt: Das hat der Märchenkönig kurz vor seinem Tod gegessen

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    Mit König Ludwig II wird Pracht und Reichtum verbunden - allem voran Schloss Neuschwanstein.
    Mit König Ludwig II wird Pracht und Reichtum verbunden - allem voran Schloss Neuschwanstein. Foto: Benedikt Siegert

    König Ludwig II. von Bayern gilt vielen als Märchenkönig. Mit ihm verbindet man Pracht und Reichtum - allem voran Schloss Neuschwanstein. Doch was kaum jemand weiß: Ludwig musste als Kind Hunger leiden. „Er durfte sich nie satt essen“, erzählte Magnus Peresson, Vorsitzender des Historischen Vereins Alt Füssen, in einem Vortrag. Als Erwachsener hingegen schätzte der später übergewichtige Monarch das Essen umso mehr – gerne auch unter freiem Himmel. Doch was landete auf dem Teller des Königs? Und was war seine letzte Speise vor seinem rätselhaften Tod am 13. Juni 1886? Antworten auf diese Fragen hatte Peresson bei einem ganz besonderen Vortrag im Gepäck.

    König Ludwig speiste im Freien - mit Blick auf sein Schloss

    Seit Jahrzehnten sammelt und erforscht Peresson alles rund um König Ludwig. Zum 180. Geburtstag des Monarchen entführte er sein Publikum nun in die kulinarische Welt des Königs - mit manchen Überraschungen. Denn es ging ans Eingemachte - beziehungsweise Eingekochte. Dafür hatte der König nämlich eine große Schwäche. Speis und Trank wurden bei ihm regelrecht zelebriert, erzählte Peresson. Überliefert ist etwa, dass Ludwig im November und Dezember 1872 mehrfach draußen „an der Hornburg“ speiste - mit Blick auf sein Schloss.

    Magnus Peresson hielt einen Vortrag über die Küche von König Ludwig II. 1872 speiste der König auf eben jenem Gelände im Freien - mit Blick auf sein Schloss.
    Magnus Peresson hielt einen Vortrag über die Küche von König Ludwig II. 1872 speiste der König auf eben jenem Gelände im Freien - mit Blick auf sein Schloss. Foto: Thomas Häring

    Von der Talstation der Tegelbergbahn aus führte Peresson zu eben jener Stelle, von der man damals wie heute einen atemberaubenden Blick auf Neuschwanstein hat - umgeben von massiven Bergen und sanften Wiesen. Vor über 150 Jahren sah das Gelände, das von den Einheimischen damals „an der Hornburg“ genannt wurde, jedoch noch ein bisschen anders aus, erzählte Peresson. Die Wintermonate 1872 waren außergewöhnlich warm. Wo heute eine freie Sicht aufs Schloss ist, stand damals eine Fichtenreihe, durch die man hindurchblicken konnte. Dazwischen die Wiesen, die vom Regen noch gedampft haben mochten. Und natürlich das Schloss Neuschwanstein, das 1872 noch in der Vollendungsphase und hinter Baugerüsten steckte.

    Das Speisen im Freien wurde vermutlich aus England überliefert, erzählt Peresson. So ließ auch Kronprinz Maximilian, der Vater von Ludwig, drei Teeplätze bauen. Ludwig war also nicht der einzige, der seine Speisen in freier Natur genoss. Der König, der als sehr empfindsam galt, fand seine Erfüllung in der Natur. Wie aus seinen unzähligen Briefen überliefert ist, verglich er sich selbst mit einer Alpenblume, die nur in den Bergen überleben könne. Dort unten, in der realen Welt, war er hingegen mit der Strenge des Vaters und der Distanziertheit seiner Mutter konfrontiert.

    Peresson erzählte von den Königskindern, die - als sie noch klein waren - zunächst im dritten Stock von Hohenschwangau schliefen. Später wohnten sie im Kronprinzenzimmer, das über der Küche positioniert war. Man müsse sich vorstellen, wie es damals für die Kinder war, die sich nie satt essen durften? Von unten stiegen die Gerüche auf. Oben musste gewartet werden, bis es an der Zeit war, zu dinieren, sagte Peresson. Durch die Erziehungsmethode erhoffte man sich, bescheidene Herrscher heranzuziehen. Stattdessen wirkte sich die Mangelernährung laut Peresson körperlich auf die Kinder aus.

    Dass so viel über die Essgewohnheiten Ludwigs bekannt ist, ist unter anderem dem ehemaligen Hofkoch Theodor Hierneis zu verdanken. Er fing als Küchenjunge am Hof an und schrieb später seine Memoiren nieder. So soll der König in Asche gebratene Kartoffeln mit Butter geliebt haben - so, wie sie die Mutter immer gemacht hatte. Überliefert sind auch handgeschriebene Speisekarten. Otto, der Bruder von Ludwig, missbrauchte die Rückseite oft, um darauf zu malen.

    Dieses Sieben-Gänge-Menü nahm der König kurz vor seinem Tod zu sich

    So ist auch das letzte Menü von König Ludwig überliefert, das er am 13. Juni 1886 am späten Nachmittag einnahm. Es hatte sieben Gänge, berichtete Peresson. Bestehend aus: „Bandnudeln mit Bratwurst, Fischmayonnaise, Rindfleisch mit Kartoffelpüree, Grüne Bohnen und Kalbsbries, Rehbraten, Spargel und zum Dessert Schokoladencreme und Zitroneneis.“ Dazu trank der König Überlieferungen zufolge: ein Becher Bier, zwei Glas Maiwein, drei Glas Rheinwein und zwei Gläschen Arac (Anisschnaps). Nach dem Kaffee gab der König den Auftrag, Bernhard von Gudden zu rufen, um den Spaziergang zu machen, der sein letzter werden sollte. Wenige Stunden später starb er im Starnberger See.

    Auch der Leichenschmaus König Ludwigs, acht Tage später, fiel nicht bescheidener aus. Elf Gänge standen damals auf der Speisekarte. Darunter: Ochsenschweifsuppe, Hühnerbrüstchen in Mayonnaise mit Trüffel, Königssorbet und Gefrorenes aus dem Backofen. Peresson ist überzeugt, dass der König keinen Selbstmord begangen hat. Ludwig hätte am selben Tag noch Bücher geordert. Das passe nicht zu jemandem, der plane, sich umzubringen. Denn Ludwig liebte nicht nur das Essen, sondern auch die Literatur. Doch das ist eine andere Geschichte.

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