Startseite
Icon Pfeil nach unten
Panorama
Icon Pfeil nach unten

Nachruf auf Laura Dahlmeier: Sie starb bei dem, was sie liebte

Nachruf

Laura Dahlmeier ist tot: Sie starb bei dem, was sie liebte

    • |
    • |
    • |
    Laura Dahlmeier ist tot: Die ehemalige Biathletin kann nach einem Steinschlag in den pakistanischen Bergen vorerst nicht geborgen werden.
    Laura Dahlmeier ist tot: Die ehemalige Biathletin kann nach einem Steinschlag in den pakistanischen Bergen vorerst nicht geborgen werden. Foto: Matthias Balk, dpa

    Über Biathlon mit Laura Dahlmeier zu reden – das passte schon. Es war schließlich ihre Aufgabe als TV-Expertin bei Fernseh-Übertragungen des vielleicht populärsten Wintersports der Deutschen. Leidenschaft jedoch war herauszuhören und zu sehen in ihren Augen, wenn das Gespräch auf das Bergsteigen und Klettern zulief. Dann kam Dahlmeier in ihrem oberbayerischen Dialekt ins Erzählen. Von den Herausforderungen und ihren Plänen in den Bergen. Von den Zielen, die sie in den Alpen noch sah, oder aber auch im Himalaya oder Pakistan, wo die höchsten und gefährlichsten Steinriesen der Welt stehen und die Extremsportler anziehen. Die Leidenschaft ist ihr nun tragisch zum Verhängnis geworden.

    Am Mittwochnachmittag lief die Eilmeldung auf dem Bildschirm ein. In drei nüchternen Sätzen wird der Tod der beliebten Sportlerin bestätigt: „Die ehemalige deutsche Biathletin Laura Dahlmeier ist beim Bergsteigen im pakistanischen Karakorum-Gebirge tödlich verunglückt. Das teilte ihr Management der Deutschen Presse-Agentur mit. Die 31-Jährige war am Montag am Laila Peak auf rund 5700 Metern Höhe von einem Steinschlag getroffen worden.“

    Nach den Schilderungen der Seilpartnerin zur Schwere der Verletzungen sei davon auszugehen, dass Dahlmeier sofort tot war. Die Bergung des Leichnams sei für die Rettungskräfte unter den aktuellen schwierigen Bedingungen mit Steinschlag und einem Wetterumschwung am Laila Peak mit einem zu hohen Risiko verbunden und nicht realisierbar. Auch eine Bergung per Hubschrauber sei nicht möglich gewesen.

    Laura Dahlmeiers Wille: Niemand darf für eine Bergung sein Leben riskieren

    „Es war Laura Dahlmeiers ausdrücklicher und niedergeschriebener Wille, dass in einem Fall wie diesem niemand sein Leben riskieren darf, um sie zu bergen“, teilte das Management mit. „Ihr Wunsch war es, ihren Leichnam in diesem Fall am Berg zurückzulassen. Dies ist auch im Sinne der Angehörigen, die außerdem ausdrücklich darum bitten, Lauras letzten Wunsch zu respektieren.“

    Ihr Wunsch war es, ihren Leichnam in diesem Fall am Berg zurückzulassen.

    Management von Laura Dahlmeier

    Die Gefahren waren der 31-Jährigen bewusst, wie sie im Interview mit unserer Redaktion vor knapp einem Jahr erzählte: „Klar fange ich an zu überlegen, was ist einem wirklich wichtig und wie schnell kann es vorbei sein. Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich wahnsinnig gerne da draußen unterwegs bin. Ich bin mir sicher, wenn ich meine drei toten Freunde Robert, Xaver und Beni fragen würde, dann würden sie mir raten: Geh raus und mache das, was du gerne machst. Wichtig ist, aus den Situationen zu lernen.“ Jetzt geriet sie selbst in eine tödliche Situation. Die genauen Umstände können wohl erst später aufgeklärt werden. Doch offensichtlich war auch viel Pech im Spiel. Die Nachrichten, die vom anderen Ende der Welt aus Pakistan in den vergangenen Tagen und Stunden kamen, ließen keinen guten Ausgang erwarten.

    Laura Dahlmeier tödlich verunglückt: Extreme Bedingungen im Hochgebirge

    Die Bergung der beim Bergsteigen schwer verunglückten Ex-Biathletin gestaltete sich auch am Dienstag äußerst schwierig, weil die Bedingungen im Hochgebirge extrem sind. Statt aus der Luft sollte sie über ein Rettungsteam am Berg geborgen werden. Die einfache Variante mittels eines Hubschraubers kam nicht in Betracht. „Es wurde festgestellt, dass eine Bergung per Hubschrauber nicht möglich ist“, sagte Areeb Ahmed Mukhtar, ein hochrangiger lokaler Beamter im Bezirk Ghanche, der Nachrichtenagentur AFP und fuhr fort: „Die Bedingungen in der Höhe, in der sie verletzt wurde, sind extrem schwierig.“

    Laura Dahlmeier wird für ihre unzähligen Erfolge in Erinnerung bleiben. Und noch viel mehr für ihre immer bescheidene und sympathische Art.
    Icon Galerie
    12 Bilder
    Immer ganz oben, immer ein Lächeln im Gesicht: Die tödlich verunglückte Biathlon-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier hinterlässt Momente für die Ewigkeit. Ihre Karriere in Bildern.

    Dahlmeier war nach Angaben ihres Managements am 6069 hohen Laila Peak im Karakorum-Gebirge in Pakistan verunglückt. Das Unglück ereignete sich demnach am Montag gegen Mittag (Ortszeit) auf etwa 5700 Metern Höhe. Dort sei sie von einem Steinschlag erfasst worden. Dahlmeiers Seilpartnerin Marina Krauss setzte sofort einen Notruf ab. Krauss konnte ihrer Seilpartnerin offenbar selbst nicht helfen. Sie befand sich unterhalb von Dahlmeier am Leila Peak. Anschließend stieg Krauss in das Basislager ab. Sie soll sich zumindest körperlich in guter Verfassung befinden. Dagegen war Dahlmeier nach Angaben ihres Managements mindestens schwerst verletzt. Beim Überflug durch einen Rettungshubschrauber am Dienstagmorgen seien keine Lebenszeichen zu erkennen gewesen. Einen Tag später kam die Nachricht vom Tod Dahlmeiers.

    Laura Dahlmeier in Pakistan verunglückt: Erste Rettungsaktion wurde abgebrochen

    Eine erste Rettungsaktion am Dienstag musste bei Einbruch der Nacht abgebrochen werden, auch wegen der widrigen Wetterverhältnisse und der anhaltenden Steinschlaggefahr. Nach einer nächtlichen Pause war am Mittwoch der nächste Rettungsversuch gestartet worden. Dahlmeier musste die zweite Nacht bei Temperaturen bis zu minus zehn Grad im Freien verbringen. Am Laila Peak herrschen auf einer Höhe von 5700 Metern hochalpine Wetterbedingungen. Laut Angaben pakistanischer Behörden machten sich vier erfahrene Kletterer und zwei Bergträger in zwei Teams auf den Weg zur Unglücksstelle. Wie Shipton Trek&Tours Pakistan als Organisator der Expedition gegenüber AFP bestätigte, gehörten drei Amerikaner und ein deutscher Bergsteiger dem Rettungsteam an. Ein Militärhubschruber konnte aufgrund starker Winde und schlechter Sichtverhältnisse vorerst nicht starten.

    Die Rettung wurde durch die politische Situation extrem erschwert. Aufgrund eines Konflikts mit Indien darf nur das pakistanische Militär mit einem Helikopter fliegen. Stefan Nestler, ein erfahrener Alpinist und Redakteur bei der Deutschen Welle, schildert die schwierige Situation in einem Interview mit tagesschau.de: „Eine schwerstverletzte Laura Dahlmeier auf 5700 Metern, sollte sie noch in der Wand sein, könnte theoretisch mit einem Hubschrauber an der langen Leine aus dieser Wand herausgeholt werden. Aber das ist in Pakistan schlichtweg nicht möglich“, sagte Nestler gegenüber tagesschau.de. „Wenn in den vergangenen Jahren Bergunfälle passierten, hat das pakistanische Militär immer gesagt, bringt den oder die Verunglückte erst einmal ins Basislager runter und von dort können wir sie oder ihn dann mit dem Hubschrauber ausfliegen.“

    Extrembergsteiger Thomas Huber wohl an Rettungsaktion für Laura Dahlmeier beteiligt

    Nach Bild-Informationen ist auch Thomas Huber vor Ort und half dabei, Seilpartnerin Marina Krauss in Sicherheit zu bringen. Der 58-Jährige und sein jüngerer Bruder Alexander zählen zu den Stars der internationalen Kletterszene und sind als „Huberbuam“ bekannt für außergewöhnliche Touren und spektakuläre Erstbesteigungen. „Wenn Thomas Huber vor Ort ist, wird er alles tun, um Hilfe und Rettung zu bringen. Aber Wunder kann er auch nicht vollbringen.“, sagte der ehemalige Extrembergsteiger Reinhold Messner. Seinen Informationen zufolge sei Huber mit dem Hubschrauber aus der ebenfalls in Pakistan befindlichen Latok-Gruppe, wo der Berchtesgadener Extremkletterer unterwegs war, zum Basislager des Leila Peaks geflogen worden, an dem Dahlmeier verunglückt ist. Alexander Huber bestätigte ebenfalls, dass sein Bruder Thomas an dem Rettungseinsatz beteiligt sei, hatte darüber hinaus allerdings keine weiteren Informationen.

    Thomas Huber schrieb das Vorwort zu Dahlmeiers 2023 erschienen Buch mit dem Titel: „Wenn ich was mach, dann mach ich‘s gscheid“. Der Untertitel gibt auch Einblick in die Motivation der Bergsportlerin aus Garmisch-Partenkirchen: „Über Herausforderungen, die Freiheit in den Bergen und warum es wichtig ist, sein Ding durchzuziehen.“

    In einem Interview mit unserer Redaktion über das Buch gab Dahlmeier Einblicke, was sie dazu antrieb, das Biathlon-Gewehr 2019 in die Ecke zu stellen und sich auf den Alpinsport zu konzentrieren: „Ich habe meine großen Erfolge bei Weltmeisterschaften und Olympia gefeiert. Der Jahresplan war mir irgendwann zu eng und zu dicht. Ich bin sehr freiheitsliebend und habe große Lust, mehr eigene Projekte durchzuziehen.“ In ihrem Sport hatte sie alles gewonnen. 2017, ein Jahr vor den Olympischen Winterspielen in Korea, lief sie bei den Weltmeisterschaften im österreichischen Hochfilzen zu großer Form auf und holte dort fünf ihrer insgesamt sieben Weltmeistertitel. In Pyeongchang 2018 kamen zwei olympische Goldmedaillen hinzu. In der Loipe und am Schießstand konnte sich die Garmisch-Partenkirchnerin das Rennen einteilen. Schnell laufen und dann auch noch schnell schießen beherrschte Dahlmeier.

    Sie hatte alles gewonnen und verspürte keine Motivation mehr im Biathlon. Ihr Bruder Pirmin beantwortete zu Hause in Garmisch-Partenkirchen die Fanpost. Der Rummel war der eher zurückhaltenden Sportlerin allerdings irgendwann zu viel geworden. Sie berichtete von Biathlon-Anhängern, die bei ihr zu Hause an der Haustür klingelten und von gebastelten Spielen bis zu selbst gekochten Marmelade-Gläsern allerlei Geschenke für sie abgaben. Im Mai 2019 trat sie vom Biathlonsport zurück und studierte Sport in München. Sie pendelte oft zwischen der Universität in der Landeshauptstadt und der Heimat, wo es sie zum Klettern zog und wo sie seit ihrem 18. Lebensjahr Mitglied der Bergwacht war.

    Sie wollte Menschen, die in den Bergen in Not geraten, zu Hilfe eilen. „Mein Vater Andreas, der Bereitschaftsleiter bei der Bergwacht in Garmisch-Partenkirchen ist, hat mir abgeraten. Ich soll es nicht machen, weil es viel Zeitaufwand bedeutet. Aber ich wollte es mir selbst anschauen und mich einbringen. Ich bereue es bis heute nicht“, erzählte die 1,62 Meter große Dahlmeier. Die staatlich geprüfte Berg- und Skiführerin berichtete von ihren Einsätzen vor ihrer Haustür rund um die Zugspitze. „Ich will den Menschen die Freude an den Bergen vermitteln, auch wenn sie noch nicht alle Skills besitzen.“

    „Wir nehmen Abschied von einem großartigen Menschen“, teilte nun die Familie mit, verbunden mit Dank an die Retter. „Laura hat mit ihrer herzlichen und geradlinigen Art unser Leben und das Leben vieler bereichert. Sie hat uns vorgelebt, dass es sich lohnt, für die eigenen Träume und Ziele einzustehen und sich dabei immer treu zu bleiben.“

    Diskutieren Sie mit
    0 Kommentare

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Registrieren sie sich

    Sie haben ein Konto? Hier anmelden