Historische Schriften erhalten - und ein Stück Stadt- undDeutschlandgeschichte bewahren. Das war das Ziel des Berliner Buchstabenmuseums. Nach zwei Jahrzehnten schließt es am 6. Oktober seine Türen. «Wir haben keine institutionellen oder regelmäßigen Förderungen bekommen. Und jetzt sind wir an einem Punkt, wo es ohne finanzielle Unterstützung einfach nicht mehr geht», sagte Gründerin und Leiterin Barbara Dechant der Deutschen Presse-Agentur.
Ehrenamt am Limit
Trotz des Engagements eines Teams von Ehrenamtlichen, das sich um Öffnungszeiten, Transporte und handwerkliche Arbeiten kümmerte, sei die Hauptlast an ihr selbst hängen geblieben, so Dechant. Die Besucherzahlen haben sich demnach seit der Corona-Pandemie halbiert, steigende Energie- und Betriebskosten konnten nicht mehr gedeckt werden.
Im Internet sammelt das Museum jetzt Geld, unter anderem für die Zurückzahlung von Coronahilfen. Wie die Zukunft aussieht, ist allerdings noch nicht klar. «Wir überlegen, was wir mit der Sammlung machen können», so die Kommunikationsdesignerin Dechant. Die Öffentlichkeit werde jetzt auf das Thema aufmerksam. Aktuell befindet sich das Museum im S-Bahnbogen in der Nähe der Station Bellevue.
Typographie zum Anfassen
Die Sammlung umfasst rund 3.500 Buchstaben – von einzelnen Lettern bis zu kompletten Schriftzügen. Die Exponate stammen überwiegend aus Berlin, aber auch aus anderen Teilen Deutschlands, Österreich und der Schweiz. Oft sind es Schriftzüge aus dem öffentlichen Raum – von Geschäften, Bahnhöfen oder Institutionen – die hier ein neues Zuhause fanden. Zur Sammlung gehört etwa der Schriftzug «Zierfische» aus den frühen 1980er Jahren von einem Geschäft am Frankfurter Tor oder auch die Namen «Möbelhaus Kern» oder «Tagesspiegel».
Zu den ältesten Objekten zählt ein noch funktionstüchtiger Neon-Schriftzug aus dem Jahr 1947. Das Museum dokumentierte nicht nur die Buchstaben selbst, sondern auch deren Geschichte und Kontext – von Ladenschildern über Verpackungen bis hin zu Türschildern. Die größten Buchstaben messen bis zu drei Meter. Die Materialien reichen von Metall und Holz über Porzellan bis hin zu Glas und Acryl. «Wir sammeln nicht nur Neonbuchstaben oder Schriftzüge, die sind zwar schön, weil sie leuchten, aber der Fokus bei uns in der Sammlung liegt tatsächlich auf dem gebauten, 3D-anfassbaren Buchstaben», betont Dechant.




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