Neuer DESG-Präsident

Berliner Schnauze im Allgäu: Große verspricht Bundesstützpunkt für Oberstdorf

Daumen hoch für einen Bundesstützpunkt Shorttrack in Oberstdorf. Der designierte DESG-Präsident Matthias Große (rechts) war zu Gast in Oberstdorf bei seinem künftigen "Vize" Harald Löffler (Mitte) und Bürgermeister Klaus King.

Daumen hoch für einen Bundesstützpunkt Shorttrack in Oberstdorf. Der designierte DESG-Präsident Matthias Große (rechts) war zu Gast in Oberstdorf bei seinem künftigen "Vize" Harald Löffler (Mitte) und Bürgermeister Klaus King.

Bild: Thomas Weiß

Daumen hoch für einen Bundesstützpunkt Shorttrack in Oberstdorf. Der designierte DESG-Präsident Matthias Große (rechts) war zu Gast in Oberstdorf bei seinem künftigen "Vize" Harald Löffler (Mitte) und Bürgermeister Klaus King.

Bild: Thomas Weiß

Der umstrittene künftige DESG-Präsident Matthias Große ist für einen Blitzbesuch im Oberallgäu vorbeigekommen. Und er hat Großes versprochen.

16.09.2020 | Stand: 13:15 Uhr

Dieser Blitzbesuch hat Spuren hinterlassen. Nur wenige Stunden war Matthias Große, der kommissarische Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft DESG vor wenigen Tagen in Oberstdorf. Frühmorgens in Berlin mit dem Privatflieger gestartet, musste er gegen 13 Uhr schon wieder am Allgäu Airport sein, um weiter nach Dortmund zu jetten. An seiner Seite: eine Generalbevollmächtigte, eine persönliche Assistentin und ein Pressesprecher.

In Oberstdorf könne "was Großes" entstehen

Matthias Große kam nicht nach Oberstdorf. Er erschien. Und er säte Hoffnung: Wenn er, Große, am kommenden Samstag in Frankfurt zum neuen Präsidenten gewählt werde, dann könne in Oberstdorf in doppeldeutigem Sinne „was Großes“ entstehen. Der 52-Jährige versprach, ein Nachwuchsleistungszentrum für Shorttrack in der südlichsten Gemeinde Deutschland zu errichten.

Und gönnerhaft sagte der Multimillionär, der als Partner von Eisschnellläuferin Claudia Pechstein in den letzten Jahren immer wieder für Schlagzeilen sorgte: „Das Defizit, das ihr mit dem Stützpunkt schreiben werdet, gleich’ ich mit Sponsoren aus.“ Und schob – wie so oft in seinen Aussagen – das typisch berlinerische „Wa?“ hinterher.

Die Floskel für „Habe ich recht?“ ist bei Große aber nur selten eine Frage. Es ist meist eine Selbstbestätigung dafür, dass er doch ganz genau wisse, wohin der Weg gehe. Stützpunkt, wa? Geld, wa? Oder: „Wenn se mich nich als Präsi wollen, dann mach ich hier in Oberstdorf Platzwart. Wa?“

Oberstdorfer Harald Löffler soll Vize-Präsident werden

Von seinem Premieren-Besuch im Allgäu, der mit einem „Hammer-Frühstück“ beim ECO-Präsidenten Harald Löffler begann und mit einem Weißwurst-Essen in der Skisprung-Arena am Schattenberg endete, war Große restlos begeistert. Zumal ihm auch Bürgermeister Klaus King, Marktgemeinderäte und die Führung des Eissportclubs Oberstdorf seine Aufwartung machten. Große löste vieles mit seiner Berliner Schnauze und seinem durchaus ausgeprägten Hang zur Dauerbelustigung von sich selbst und seinem Umfeld. Doch er zieht seine Zuhörer mit der Kombination aus Geradlinigkeit und Witz stets in seinen Bann.

„Der ist alles, nur nicht langweilig“, fasste Alexa Schwendinger, Sportreferentin im Gemeinderat das 90-minütige Große-Schauspiel zusammen. Und King sagte: „Es ist eine Ehre, Sie hier zu haben mit Ihren Gedanken für die Zukunft.“ Große antwortete in die Runde: „Ihr habt eine Wahnsinns-Natur, einen King und eine sprechende Alexa, was wollt ihr mehr.“ Diesmal fehlte das „Wa?“.

Löffler soll zudem Kassenprüfer werden

Große richtete den Blick auf Harald Löffler, dem er künftig viel mehr abverlangen will als nur ein reichhaltiges Frühstücksbüffet. Löffler, der 74-Jährige, soll Vizepräsident werden im Führungsteam von Große. Und er soll als früherer Kassenprüfer noch mehr Einblick in die Finanzen des Verbandes bekommen. Löffler, das steht bereits fest, nimmt die Herausforderung an, kandidiert am Samstag in Frankfurt und geniert sich auch nicht, gemeinsame Sache zu machen mit einer der umstrittensten Persönlichkeiten, die der deutsche Sport in den letzten Jahren erlebt hat.

Oberstdorf soll mit Nachwuchsstützpunkt neue nationale Aufgabe bekommen

Löffler ist überzeugt, dass Große etwas bewegt und Oberstdorf mit dem Nachwuchsstützpunkt eine neue nationale Aufgabe bekommt. „Er hat die Gabe, etwas anzuschieben. Er kommt von ganz unten.“ Mit seinem riesigen Netzwerk, das er sich in der Wirtschaft aufgebaut habe, könne die DESG langfristig nicht nur überleben, sondern zu neuer Blüte erstrahlen.

Den Ist-Zustand des Verbands beschreibt Löffler mit dem Wort „katastrophal“, die Zukunft könne „rosig werden, weil Große weiß, wo das Geld ist“. An dessen Integrität zweifelt Löffler nicht, sondern sagt nur: „Klar, Matthias Große provoziert und polarisiert. Entweder man mag ihn, oder man mag ihn nicht.“

Vom Würstchenverkäufer zum Immobilien-Millionär

Große hat es in den letzten Jahren vor allem an der Seite von Claudia Pechstein zu Bekanntheit gebracht. Als „Bodyguard“, wie sie ihn selbst gern vorstellt, mit stattlicher Figur, Glatze und breitem Kreuz. Aufgewachsen in der DDR kam Große als Kraftsportler zur Nationalen Volksarmee, studierte vorher an der militärpolitischen Hochschule in Minsk und wollte General werden. Doch die Wende kam dazwischen.

Im wiedervereinten Berlin jobbte er als Türsteher und Würstchenverkäufer, später als Diskobetreiber. Heute ist Große millionenschwerer Immobilien-Projektentwickler und eben kommissarischer Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft, die er nach dem Aus des Sponsors DKB vor dem Ruin bewahrte. Er besorgte einen neuen Sponsor, das Immobilienunternehmen B&O, und löste damit das Ticket in die oberste Verbandsetage.

Trainer und Athleten stehen ihm äußerst skeptisch gegenüber, Bundestrainer Erik Bouwman wurde ebenso gefeuert wie Sportdirektor Matthias Kulik. Beide hatten sich in der Vergangenheit mit Große angelegt.

Alfons Hörmann als Fürsprecher?

Er habe aber auch viele Fürsprecher: Alfons Hörmann etwa, den DOSB-Präsidenten aus dem Allgäu, und Huub Stevens, der sich als Holländer nichts sehnlicher wünscht, als dass Oranje im Eisschnelllauf wieder eine ordentliche Konkurrenz aus Deutschland bekomme. Dass er großer Schalke-04-Fan sei, verschweigt Große nicht.

Und so endete der Blitzbesuch in Oberstdorf mit einem typischen Große-Satz. Als er erfährt, dass Schiedsrichter Markus Merk, der Erzfeind der Schalker, ein Haus in Oberstdorf besitzt, scherzte Große: „Bringt mich sofort dorthin. Ick koof älles uff drumrum. Wa?“

(Die Termine, News und Tickets zur Vierschanzentournee 2021 finden Sie hier. Wie die Wintersportbranche trotz Corona optimistisch in die nächste Saison geht, erfahren Sie hier.)