French-Open-Sieger im Allgäu

Doppel-Champion Kevin Krawietz gibt in Memmingen Tennis-Tipps

French-Open-Sieger Kevin Krawietz gab Tennisspielern in Memmingen wertvolle Tipps. 2019 schrieb der 28-Jährige in Paris ein Stück deutscher Tennis-Geschichte.

French-Open-Sieger Kevin Krawietz gab Tennisspielern in Memmingen wertvolle Tipps. 2019 schrieb der 28-Jährige in Paris ein Stück deutscher Tennis-Geschichte.

Bild: Siegfried Rebhan

French-Open-Sieger Kevin Krawietz gab Tennisspielern in Memmingen wertvolle Tipps. 2019 schrieb der 28-Jährige in Paris ein Stück deutscher Tennis-Geschichte.

Bild: Siegfried Rebhan

Im Sommer 2019 hat Kevin Krawietz das Grand-Slam-Turnier in Paris gewonnen. Jetzt schlägt der 28-Jährige im Allgäu auf.

French-Open-Sieger Kevin Krawietz gab Tennisspielern in Memmingen wertvolle Tipps. 2019 schrieb der 28-Jährige in Paris ein Stück deutscher Tennis-Geschichte.
Von Dominik Prähofer
18.06.2020 | Stand: 11:45 Uhr

Auf der von hohen Bäumen umsäumten, idyllisch anmutenden Tennisanlage des TV Memmingen (TVM) herrscht an diesem Vormittag wahres Bilderbuchwetter. Die wärmenden Sonnenstrahlen laden zum Sporttreiben unter weiß-blauem Himmel ein. Nachdem ein erster Trainingstag unter Kevin Krawietz (28) eine Woche zuvor wegen anhaltenden Regenwetters noch abgesagt werden musste, steht der prominente Gast nun gut gelaunt auf Platz Nummer sechs des Tennis-Areals. Jetzt sind alle Blicke auf den großgewachsenen Blondschopf gerichtet, der gekommen ist, um Tennisspielern aus der Region zu zeigen, wie sie ihr Spiel verbessern können.

Er schrieb ein Kapitel Tennis-Geschichte

Der Gast ist nicht irgendwer, seit zehn Jahren verdient er sein Geld als Tennis-Profi. Und: Er ist amtierender French-Open-Sieger. Am 8. Juni 2019 schrieb Krawietz zusammen mit seinem Doppel-Partner Andreas Mies Tennis-Geschichte: Als erstes deutsches Doppel seit 82 Jahren gewannen sie das prestigeträchtige Turnier von Paris, nachdem sie ihre französischen Kontrahenten Jérémy Chardy und Fabrice Martin mit 6:2 und 7:6 bezwungen hatten. Seitdem steht Kevin Krawietz in einer Reihe mit ruhmreichen Doppel-Gewinnern der Turnier-Geschichte wie Ion Tiriac, Henri Leconte, Yannick Noah oder Jewgeni Kafelnikow. Nicht schlecht. Doch Star-Gehabe und Allüren sind dem Franken völlig fremd. Im Gegenteil: Krawietz tritt sehr bescheiden und natürlich auf, er will nicht im Mittelpunkt stehen.

Immer noch beeindruckt

Während der Trainerstunde mit Dincer Beken (34) leitet er diesen souverän an. „Schau‘ den Ball an! … Sehr gut! … Und jetzt Longline!“, ruft er über den Platz. Beken saugt die Tipps des sechs Jahre jüngeren Profis wissbegierig auf. Der im Hauptberuf als Software-Entwickler tätige Tennis-Lehrling macht rasch Fortschritte. „Gut, perfekt, das wird immer besser!“ lobt der Meister. Für Beken ist es ein „echtes Erlebnis, in einer kleinen Stadt von einem der besten deutschen Tennisspieler lernen zu dürfen“, sagt er später – immer noch spürbar beeindruckt vom gerade Erlebten. „Heute habe ich überhaupt erst mal verstanden, was ein Topspin bei der Vorhand ist“, freut er sich. Über seinen prominenten Lehrmeister sagt Dincer Beken: „Der Kevin ist echt total auf dem Boden geblieben, das gefällt mir.“ Auch Ruben Weixler vom TC Kempten, Stefan Gutser (TC Kirchheim) und ein weiterer Akteur aus Füssen trainieren an diesem Tag unter Anleitung von Krawietz und dem mit ihm befreundeten TVM-Haupttrainer Marcel Zimmermann. „Marcel war es, der diese Aktion heute initiiert hat“, erzählt der French-Open-Sieger. Bescheiden ergänzt er: „Ich freue mich, dass ich Talenten ein bisschen was mitgeben kann.“

"Talent ist nur ein Bruchteil des Erfolgs"

Frage an den Profi: Welche Eigenschaften braucht ein Talent, um ein guter Tennisspieler zu werden? „Ich denke, Talent ist nur ein Bruchteil des Erfolgs. Man muss jeden Tag arbeiten, konsequent sein und Begeisterung zeigen.“ Dann, so Krawietz weiter, sei der Lerneffekt am größten. Denn: „Diejenigen, die hart arbeiten, werden am weitesten kommen – auch wenn sie mit weniger Talent ausgestattet sind.“ Auch Fernando Pons-Andurell ist bester Dinge. Der Abteilungsleiter des TVM sagt mit einem Augenzwinkern: „Wir haben sozusagen Glück gehabt, dass es Corona gibt, denn sonst wäre solch ein renommierter Gast jetzt nicht hier.“ Der Besuch von Krawietz verschaffe dem Klub „neue Impulse“. Dass der sympathische Doppel-Spezialist sein Können in Memmingen zeigt, sei auch deshalb schön, „weil das Doppel ja häufig vernachlässigt wird – regional wie international“.