Bundesliga

Der «kleine Pal» hat ausgedient: Hertha setzt auf Korkut als neuen Cheftrainer

Hertha BSC trennt sich von Pal Dardai: Mit seiner oft hölzern-spröden, mal ironischen oder auch schnell beleidigten Art hatte der Ungar zuletzt seine eigene Position immer wieder geschwächt.

Hertha BSC trennt sich von Pal Dardai: Mit seiner oft hölzern-spröden, mal ironischen oder auch schnell beleidigten Art hatte der Ungar zuletzt seine eigene Position immer wieder geschwächt.

Bild: Robert Michael, dpa (Archiv)

Hertha BSC trennt sich von Pal Dardai: Mit seiner oft hölzern-spröden, mal ironischen oder auch schnell beleidigten Art hatte der Ungar zuletzt seine eigene Position immer wieder geschwächt.

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Pal Dardai nutzt sein Kultstatus bei Hertha BSC nichts mehr: Der Chefcoach muss gehen. Tayfun Korkut übernimmt den schwierigen Posten und sucht prominenten Rat.
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dpa
29.11.2021 | Stand: 20:34 Uhr

Im schwarzen Anzug und weißen Hemd erschien Tayfun Korkut zu seiner Premiere auf dem Hertha-Podium. Allein die Kleiderwahl des neuen Trainers verdeutlichte: Das passt nun auch zum ebenso schicken Stil von Fredi Bobic neben ihm.

Vorbei sind beim schon so lange erfolglos nach Glanz und Gloria lechzenden Berliner Fußball-Bundesligisten die Zeiten, in denen Kultfigur Pal Dardai im Kapuzenpulli mit Vereinslogo auf dem Herzen neben dem Geschäftsführer saß und die weit über Modefragen hinausgehenden Dissonanzen zwischen Trainer und Boss auch mit größter Mühe nur schwer zu verbergen waren.

Trainerwechsel bei Hertha BSC: Pal Dardai verliert den Posten an Tayfun Korkut

Der "kleine Pal" hat ausgedient. Bei Hertha BSC geht mit der zweiten Trennung von Dardai die große Trainerfluktuation weiter. Der nächste Kandidat steht bislang aber auch noch nicht für ein Fußball-Leben in Big-City-Dimensionen. Korkut ist überraschend die erste Trainerwahl von Bobic. Aber: Man kennt sich. Beim VfB Stuttgart war er Jugendtrainer zu Bobic' Managertagen. "Der Kontakt ist nicht abgerissen", sagte Bobic. Er habe gesehen, "wie akribisch Tayfun arbeitet", wie er als "Teamworker junge Menschen begeistern kann."

Korkut wurde später, als Bobic weg war, Cheftrainer beim VfB für 22 Spiele. Davor war er auch nur für einige Monate Coach bei Bayer Leverkusen (12 Spiele) und dem 1. FC Kaiserslautern (18). Erstmals Cheftrainer war er bei Hannover 96 von 2014 bis 2015. Bei der Hertha stehen bis zum Saisonende, so lange läuft sein Vertrag erstmal, noch 21 Bundesliga-Spiele und mindestens ein Pokalspiel - das Derby gegen den 1. FC Union Berlin - an. Bobic und Korkut meinten, dass die Vertragslaufzeit aber egal sei. Man könne sich eine langfristige Zusammenarbeit vorstellen.

Korkut will das Gespräch mit Ex-Bundestrainer Joachim Löw suchen

Erstmal muss Korkut aber das gelingen, was Dardai partout nicht schaffte. Perspektiven nach oben aufzeigen. Wie das klappen soll? Dafür will er in den kommenden Tagen auch mal mit seinem einstigen Trainer und heutigen Freund, Ex-Bundestrainer Joachim Löw, plaudern.

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Hertha trennt sich von Trainer Dardai - Korkut übernimmt

Bobic konnte nur schwer verklausulieren, dass Dardai schon lange keinen Kredit mehr hatte. "Wir hatten insgesamt nicht das Gefühl, dass sich die Dinge verbessern", sagte Bobic. Man müsse "aus dem, was wir haben, das Optimum herausholen." Mit seiner oft hölzern-spröden, mal ironischen oder auch schnell beleidigten Art hatte der Ungar seine eigene Position immer wieder geschwächt.

Tayfun Korkut (l.), neuer Trainer bei Hertha BSC, und Fredi Bobic, Geschäftsführer von Hertha BSC, aufgenommen während der Pressekonferenz anlässlich Korkuts Präsentation.
Tayfun Korkut (l.), neuer Trainer bei Hertha BSC, und Fredi Bobic, Geschäftsführer von Hertha BSC, aufgenommen während der Pressekonferenz anlässlich Korkuts Präsentation.
Bild: Jan-Philipp Burmann, dpa

Hertha BSC hat hohen Trainerverschleiß - schlechter Saisonstart für die Berliner

Aktuell ist die Hertha Tabellen-14. mit nur einem Punkt Vorsprung auf den Relegationsrang. Ob Dardai wie nach seinem ersten Engagement nach einer Auszeit wieder einen Posten im Jugendbetrieb der Berliner übernimmt, soll erst im Frühjahr entschieden werden. Beide Seiten brauchen Abstand. Der Club verschliss in den vergangenen knapp zweieinhalb Jahren nach dem ersten wegen ständiger Mittelmäßigkeit beendeten Engagement von Dardai (2015-2019) in Ante Covic, Jürgen Klinsmann, Alexander Nouri, Bruno Labbadia vier weitere Trainer.

Nach dem gesicherten Ligaverbleib, der im Mai mit einem legendären Zigarren-Interview Dardais gefeiert wurde, waren die Berliner ganz schlecht in die neue Saison gestartet. Statements von Dardai nach dem 0:5 gegen den FC Bayern München im August wurden von Bobic öffentlich kritisiert. "Wahrscheinlich sucht Hertha BSC seit langem einen großen Trainer. Pal ist ein kleiner Trainer, ein netter Trainer, er hilft aus so lange, wie es sein soll. Wenn ein ganz großer Trainer hier ist, geht Pal sofort zurück zur U16 und macht seine Sache wie früher", hatte Dardai mit beleidigtem Unterton gesagt.

Abschied von Chefcoach Dardai war absehbar

Das kam bei Bobic überhaupt nicht gut an. Dennoch hatte er noch vor zehn Tagen beteuert, es gäbe keine Dissonanzen mit dem Trainer. Die Führung stand aber wohl schon länger nicht mehr hinter dem Coach, der sich nicht nur im Rausch des Klassenverbleibs gern mal abfällig über die Zielsetzungen und Philosophien von Millionen-Investor und Geldgeber Lars Windhorst äußerte. (Lesen Sie auch: Eintracht Frankfurt besiegt Union Berlin in letzter Minute)

Zuletzt wurden bei den 1:1-Unentschieden gegen Bayer Leverkusen und den FC Augsburg mögliche Siege kurz vor Schluss leichtfertig verspielt, dazwischen gab es das ernüchternde 0:2 im Derby beim sportlich enteilten Lokalrivalen 1. FC Union. Dardai sprach immer nur von Tagesform und guten Trainingsleistungen seiner Spieler. Nun hielt Bobic den Zeitpunkt für eine lange schon vermutete Trennung für gekommen.

Wird Anzugsträger Korkut die erhoffte Wende bringen?

Korkut ist ein Überraschungskandidat, für Berlin, wo man ja eigentlich größer und perspektivisch in Titelkategorien denken möchte. Für Korkut steht die erste Hertha-Bewährungsprobe im Abstiegskampf am Sonntag bei seinem Ex-Club VfB Stuttgart an, rein zufällig hatte er sich am vergangenen Freitag das Duell der Schwaben gegen den FSV Mainz 05 angeschaut - letztlich eine erste Gegnerbeobachtung für die Hertha. (Lesen Sie auch: Ralf Rangnick wird Interimstrainer bei Manchester United)