Eishockey-Bayernliga

Livestream im Internet: Das sind die Kult-Kommentatoren des ESC Kempten

Stefan Schneider (links) und Joseph "Joe" Hayse standen früher selbst als Spieler in Kempten auf dem Eis. Jetzt kommentieren die beiden den Livestream der Bayenliga-Heimspiele bei Sprade-TV.

Stefan Schneider (links) und Joseph "Joe" Hayse standen früher selbst als Spieler in Kempten auf dem Eis. Jetzt kommentieren die beiden den Livestream der Bayenliga-Heimspiele bei Sprade-TV.

Bild: Ralf Lienert

Stefan Schneider (links) und Joseph "Joe" Hayse standen früher selbst als Spieler in Kempten auf dem Eis. Jetzt kommentieren die beiden den Livestream der Bayenliga-Heimspiele bei Sprade-TV.

Bild: Ralf Lienert

Die Bayernliga-Heimspiele des ESC Kempten werden live im Internet übertragen. Stefan Schneider und Joe Hayse glänzen mit Witz und Sachverstand.
11.10.2020 | Stand: 06:03 Uhr

Nein, mit einem solchen Andrang haben selbst die Vereinsverantwortlichen des ESC Kempten nicht gerechnet. Als sie am vergangenen Wochenende Dauerkarten für die Heimspiele in der Eishockey-Bayernliga im Vorverkauf angeboten hatten, standen die ersten Fans schon frühmorgens Schlange. Nach nicht einmal einer Stunde waren alle verfügbaren Tickets weg. Weil aufgrund eines Beschlusses der Bayerischen Staatsregierung in Sporthallen derzeit nur 200 Zuschauer zugelassen sind, ist damit bereits das gesamte Kartenkontingent der Sharks aufgebraucht. Tickets an den Tageskassen wird es zunächst nicht geben. Und ausgerechnet jetzt steht mit dem Derby gegen Mitaufsteiger VfE Ulm/Neu-Ulm am Sonntag (ab 18 Uhr) auch noch der erste Saison-Höhepunkt an.

Teil der Einnahmen geht an den Verein

Auf die Heimspiele des ESC Kempten müssen Fans aber trotzdem nicht verzichten. Denn die Partien werden im Internet-Livestream auf der Plattform Sprade-TV übertragen, für sieben Euro pro Begegnung. Die Einnahmen gehen zum Teil auch an den Verein. „Dadurch bekommen wir wenigstens ein bisschen was davon zurück, was uns durch die fehlenden Eintrittsgelder und den Umsatz im Stadion entgeht“, sagt Marcus Kubena, zweiter Vorsitzender des ESC Kempten.

Hiesiger Dialekt trifft auf allgäu-amerikanischen Slang

Die Technik im Stadion wurde aufgerüstet. Kameras wurden installiert, viele Meter Kabel verlegt. Für den Job am Mikrofon hat der Verein zwei Urgesteine des Kemptener Eishockeys rekrutiert: Stefan Schneider (51) und Joe Hayse (55). Sie haben in den vergangenen Jahrzehnten sämtliche Höhen und Tiefen dieses Sports in der Stadt miterlebt. Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger als Spieler, seitdem in verschiedenen Funktionen im sportlichen und organisatorischen Bereich. „Sie gelten jetzt schon als Kult-Kommentatoren“, meint Kubena. Hiesiger Dialekt trifft auf allgäu-amerikanischen Akzent.

Testlauf in den Play-offs der Vorsaison

Einen Testlauf gab es in den Playoffs der vergangenen Saison, die Rückmeldungen waren überwiegend positiv. Dabei waren die beiden anfangs ziemlich nervös. Denn zu diesem Job sind sie quasi über Nacht gekommen. Schneider erzählt: „Wir saßen in der Stadiongaststätte und Trainer Carsten Gosdeck hat uns das Projekt vorgestellt. Und dann kam der Zusatz: Das erste Spiel ist übrigens schon morgen.“ Aber Schneider und Hayse haben diese Herausforderung gemeistert. So wie ihre Aufgaben damals auf dem Eis. Der eine als Verteidiger, der andere als Torjäger. „Joe glaubt ernsthaft, er könnte da heute noch mitspielen. Ich lasse ihn in diesem Glauben“, sagt Schneider lachend. So oder so: Die Erfahrung aus ihrer Aktivenzeit kommt ihnen jetzt in der Bewertung der Spiele zugute. „Die Rollen sind noch genauso verteilt wie früher. Stefan ist der Defensive, ich der Offensive“, sagt Hayse. Sprich: Schneider versucht, möglichst neutral zu beobachten. Hayse darf seinen Emotionen freien Lauf lassen. Wie ein Fan auf der Tribüne. Das sei völlig okay, findet der 55-Jährige. „Ich bin einfach Joe Hayse. Ich verstelle mich für diese Aufgabe nicht“, sagt er.

Vorarbeit in den Eishockey-Statistikportalen

Was sich bei den Übertragungen locker anhört, bedarf akribischer Vorbereitung. Schneider und Hayse klicken sich vor den Spielen stundenlang durch die einschlägigen Eishockey-Statistikportale im Internet. „Ich habe noch nie so viel über die Bayernliga gelesen wie in den vergangenen Wochen“, meint Hayse. Schwierigkeiten macht den beiden Kommentatoren lediglich mancher Spielername. „Man weiß oft nicht, wie die richtig ausgesprochen werden. Aber darauf legen wir Wert“, sagt Schneider. Ein bisschen Zeit werde wohl auch noch vergehen, bis sie auf die Schnelle alle 15 Kemptener Neuzugänge auf dem Eis erkennen. Schneider: „Es wird ohnehin eine schwierige Saison und auch noch dauern, bis die Sharks richtig in Schwung kommen.“