Schießsport

Nach Absage der Bundesliga-Saison 2020/2021 fehlt den Schützen ein Ziel

Die Kemptener Schützen (im Bild Barbara Fricke) sind enttäuscht. Der Deutsche Schützenbund hat die Saison 2020/2021 in der 1. und 2. Bundesliga abgesagt.

Die Kemptener Schützen (im Bild Barbara Fricke) sind enttäuscht. Der Deutsche Schützenbund hat die Saison 2020/2021 in der 1. und 2. Bundesliga abgesagt.

Bild: Ralf Lienert

Die Kemptener Schützen (im Bild Barbara Fricke) sind enttäuscht. Der Deutsche Schützenbund hat die Saison 2020/2021 in der 1. und 2. Bundesliga abgesagt.

Bild: Ralf Lienert

Zwei Wochen vor dem geplanten Auftakt sagt der Verband die Saison in den beiden höchsten Ligen für Gewehr und Pistole ab. Bei der FSG Kempten löst das Enttäuschung aus.
29.09.2020 | Stand: 14:15 Uhr

Sie standen schon in den Startlöchern. Am 10. Oktober war der Auftakt der Saison in der 2. Bundesliga Süd für die Luftgewehrschützen geplant, eine Woche später für die Pistoleros in Deutschlands zweithöchster Klasse. Doch jetzt stehen die Aktiven der FSG Kempten vor einer ungewissen Zukunft. Seit Montagabend steht fest: Es wird ein Jahr, in dem ihnen das sportliche Ziel abhandengekommen ist. Der Ligaausschuss des Deutschen Schützenbundes (DSB) hat die Bundesligasaison 2020/21 abgesagt. Das 15-köpfige Gremium votierte mehrheitlich (10:5) dafür, die Runde ausfallen zu lassen – wegen der aktuellen Entwicklungen des Corona-Infektionsgeschehens.

"Emotionale und umkämpfte" Abstimmung

Die Abstimmung sei „sehr emotional und umkämpft“ verlaufen, sagt Gernhard Furnier, DSB-Vizepräsident und Ligaausschuss-Vorsitzender. Die Entscheidung sei ein herber Rückschlag für die Bundesliga und den Schießsport in Deutschland allgemein. Sein Vorschlag, die Saison mit Fernwettkämpfen auszutragen, habe keine Mehrheit gefunden. Furnier meint weiter: „Das ist schade. Der DSB als basisdemokratischer Verband akzeptiert aber die Meinung der Vereine.“ Vor allem folgende Aspekte rückten bei der Entscheidung in den Vordergrund: Einige Vereine hatten Bedenken, dass ihre Schützen nach Auswärtsfahrten in eine längere Quarantäne müssten und dies negative Auswirkungen auf den beruflichen Alltag der Sportler haben könnte. Zudem wogen auch Reisebeschränkungen und mögliche Schwierigkeiten auf der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten bei Auswärtswettkämpfen schwer. Dem Ligaausschuss gehören derzeit 15 Schützen an: neben Vizepräsident Furnier, die fünf Ligaleiter der Bundesliga-Staffeln, DSB-Sportdirektor Heiner Gabelmann sowie vier Vereins- und vier Aktivenvertreter.

Ratlosigkeit und Enttäuschung in Kempten

Bei der FSG Kempten, die in der Saison 2020/2021 mit den Gewehr- und Pistolen-Schützen gleich zwei heiße Eisen im Zweitliga-Feuer gehabt hätte, herrscht Ratlosigkeit und Enttäuschung. „Für die FSG Kempten ist das ein harter Schlag. Die Schützinnen und Schützen waren alle in der Endphase ihrer Vorbereitungen“, sagt Doris Schneider. Jetzt fehle erst einmal die Perspektive. Denn auch Meisterschaften gibt es 2020 keine. Die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie hatten das Präsidium des DSB bereits im März dazu veranlasst, alle Titelkämpfe und sportlichen Veranstaltungen auf Bundesebene abzusagen. Schneider meint: „Unsere Schützen fühlen ihren Sport nicht wertgeschätzt, wenn nicht mal Wettkämpfe mit Hygienekonzept, Abstandsregeln und ohne jeglichen Kontakt zum Gegner stattfinden können. Jetzt, wo beim Fußball sogar wieder Zuschauer erlaubt sind.“

Andere Regelungen auf Länderebene?

Laut DSB betrifft die Absage vorerst aber nur die 1. und 2. Bundesliga, die Klassen darunter liegen in der Verantwortung der Landesverbände. Da es aber in den beiden höchsten Ligen keine Auf- und Absteiger gibt, wirke sich das auch auf die Aufstiegsregelung unterhalb aus. Furnier meint: „Die Auf- und Abstiegsregel wird dort ebenfalls ausgesetzt.“ Die Kemptener Schützen sehen nun erst einmal viele Fragezeichen. Wollen die Bundesligisten möglicherweise alle in den Landesligen schießen, wenn diese stattfinden sollten? Was passiert mit einem Team, das über ein Jahr keine Motivation hat? Was geschieht mit dem Nachwuchs, der den „alten Hasen“ in den unteren Klassen bei Wettkämpfen den Vortritt lassen muss? Schneider sagt: „Es sind sehr viele Fragen, die es noch zu klären gibt.“