Tour de France

Nach Stürzen: Ewan widmet Sieg Degenkolb und Co.

Der Australier Caleb Ewan (rechts) vom Team Lotto Soudal überquert die Ziellinie und gewinnt die Etappe.

Der Australier Caleb Ewan (rechts) vom Team Lotto Soudal überquert die Ziellinie und gewinnt die Etappe.

Bild: Benoit Tessier/dpa

Der Australier Caleb Ewan (rechts) vom Team Lotto Soudal überquert die Ziellinie und gewinnt die Etappe.

Bild: Benoit Tessier/dpa

Mit drei Siegen war Ewan 2019 der Sprintstar bei der Tour de France. Ewans Vorgänger Greipel hingegen quält sich ins Ziel.
Der Australier Caleb Ewan (rechts) vom Team Lotto Soudal überquert die Ziellinie und gewinnt die Etappe.
dpa
31.08.2020 | Stand: 19:10 Uhr

Caleb Ewan und Roger Kluge klatschten sich vor der schmucklosen Häuserwand in Sisteron kurz ab, dann galt der erste Gedanke auch Sturzopfer John Degenkolb. "Den Sieg möchte ich den beiden Jungs widmen. Wir hatten so viele Stürze und zwei Fahrer eingebüßt. Aber wir haben den Kopf oben behalten", sagte Ewan, nachdem er unter Mithilfe von Lokomotive Kluge am Montag auf dem dritten Teilstück nach 198 Kilometer von Nizza nach Sisteron den Sieg vor dem Iren Sam Bennett und dem Italiener Giacomo Nizzolo geholt hatte.

Sturzverletzungen im vorangegangenen Rennen

Eine schöne Entschädigung für das Lotto-Soudal-Team, nachdem am ersten Tag Ewans prominente Kollegen Degenkolb und Philippe Gilbert das Rennen nach Sturzverletzungen verlassen hatten. Mit sechs Mann ging die Reise weiter, doch auf Ewan war Verlass - mal wieder. Wie ein Slalom-Fahrer schoss er durch das Feld nach vorne. "Sieg ist Sieg. Er hat es öfter bewiesen, er findet seinen Weg", sagte Kluge, der die Vorarbeit geleistet hatte. "Ein Gläschen Champagner wird es geben, aber morgen warten schon die Berge."

Ewan, der klein gewachsene Mann aus Sydney, hatte 2019 Greipel beim belgischen Rennstall abgelöst. Für den deutschen Altstar ist der Traum vom zwölften Tour-Etappensieg dagegen ganz weit weg. "An Sprinten ist momentan nicht zu denken. Ich muss sehen, dass ich ins Ziel komme", sagte der 38-Jährige, der nach seinem Sturz am Samstag mit vier Stichen genäht worden war und am Montag auf Platz 134 ins Ziel trudelte. Und Kollege Nils Politt fügte hinzu: "Wir hoffen, dass sich sein Knie erholt, damit wir wieder für André sprinten können."

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Julian Alaphilippe trug im Vorjahr das Gelbe Trikot

Die Ovationen am Straßenrand gehörten aber vornehmlich dem französischen Liebling Julian Alaphilippe, der am Sonntag triumphiert hatte und wie im Vorjahr ins Gelbe Trikot geschlüpft war. "Die Fete kann beginnen", schrieb das Tour-Organ "L'Equipe" und rechnete bereits vor, wie lange diesmal die Reise in Gelb andauern könnte. 2019 hatte Alaphilippe 14 Tage lang das Gelbe Trikot getragen, diesmal könnte es zumindest bis zu den Pyrenäen reichen. Auch wenn die Gesamtwertung nicht das Ziel sei, werde er das Gelbe Trikot mit Ehre verteidigen.

Am Montag war sein Spitzenrang - Alaphilippe liegt vier Sekunden vor dem Briten Adam Yates - nicht in Gefahr. Der Franzose erreichte mit dem Hauptfeld das Ziel, genauso wie die Topfavoriten um Vorjahressieger Egan Bernal aus Kolumbien. Auch Emanuel Buchmann konnte für die erste Bergankunft am Dienstag Kräfte sammeln. "Bei 100 Prozent bin ich noch nicht, aber ich bin zufrieden. Von den Schmerzen merke ich fast nichts mehr. Ich bin optimistisch", sagte der Vorjahresvierte, der den vielen Stürzen an den ersten beiden Tagen aus dem Weg gegangen ist.

Regen auf dem Weg nach Sisteron

Diesmal lief alles glatt, auch wenn die Fahrer auf dem Weg nach Sisteron wieder Regen begleitete. Nachdem der letzte Ausreißer Jérôme Cousin 16 Kilometer vor dem Ziel eingeholt war, kam es zum erwarteten Sprint. Dort konnte Greipel, mit 156 Siegen immerhin der erfolgreichste Fahrer im Feld, nicht mitmischen. Sein letzter Tour-Etappensieg liegt inzwischen schon vier Jahre - damals in Paris - zurück. Überhaupt wartet der Mann vom Team Israel Start-Up Nation nun schon seit 19 Monaten auf einen Erfolg.

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Am Dienstag wird es erstmals für die Favoriten richtig ernst, wenn die erste Bergankunft ansteht. Nach 160,5 Kilometern geht es zur 1825 Meter hoch gelegenen Skistation in Orcières-Merlette hinauf. Der Berg der ersten Kategorie weist über 7,1 Kilometer eine durchschnittliche Steigung von 6,7 Prozent auf. Entscheidende Minuten werden die Topstars hier zwar nicht rausholen, aber bei einem schlechten Tag können durchaus die Tour-Träume beendet sein.

Die Ergebnisse der Tour de France-Etappe in Nizza

Dritte Etappe Nizza/Frankreich - Sisteron/Frankreich (198,00 km), 31. August:

1. Caleb Ewan (Australien) - Lotto-Soudal 5:17:42 Std.; 2. Sam Bennett (Irland) - Deceuninck-Quick-Step + 0 Sek.; 3. Giacomo Nizzolo (Italien) - NTT Pro Cycling Team; 4. Hugo Hofstetter (Frankreich) - Israel Start-Up Nation; 5. Peter Sagan (Slowakei) - Bora-hansgrohe; 6. Edward Theuns (Belgien) - Trek - Segafredo; 7. Cees Bol (Niederlande) - Team Sunweb; 8. Matteo Trentin (Italien) - CCC Team; 9. Bryan Coquard (Frankreich) - Vital Concept; 10. Niccolo Bonifazio (Italien) - Total Direct Energie; ... 13. Jonas Koch (Schwäbisch Hall) - CCC Team; 37. Nikias Arndt (Köln) - Team Sunweb; 53. Emanuel Buchmann (Ravensburg) - Bora-hansgrohe; 103. Maximilian Walscheid (Heidelberg) - NTT Pro Cycling Team; 109. Lennard Kämna (Fischerhude) - Bora-hansgrohe; 113. Nils Politt (Hürth) - Israel Start-Up Nation; 123. Maximilian Schachmann (Berlin) - Bora-hansgrohe; 129. Simon Geschke (Freiburg im Breisgau) - CCC Team; 134. André Greipel (Hürth) - Israel Start-Up Nation; 147. Roger Kluge (Berlin) - Lotto-Soudal + 1:11 Min.; 169. Tony Martin (Kreuzlingen/Schweiz) - Team Jumbo + 5:11

Gesamtwertung Einzel, Stand nach der 3. Etappe:

1. Julian Alaphilippe (Frankreich) - Deceuninck-Quick-Step 13:59:17 Std.; 2. Adam Yates (Großbritannien) - Mitchelton-Scott + 4 Sek.; 3. Marc Hirschi (Schweiz) - Team Sunweb + 7; 4. Tadej Pogacar (Slowenien) - UAE Team Emirates + 17; 5. Davide Formolo (Italien) - UAE Team Emirates; 6. Egan Arley Bernal Gomez (Kolumbien) - Ineos Grenadiers; 7. Tom Dumoulin (Niederlande) - Team Jumbo; 8. Sergio Andres Higuita Garcia (Kolumbien) - EF Pro Cycling; 9. Guillaume Martin (Frankreich) - Solutions Credits; 10. Esteban Chaves (Kolumbien) - Mitchelton-Scott; ... 16. Emanuel Buchmann (Ravensburg) - Bora-hansgrohe; 31. Maximilian Schachmann (Berlin) - Bora-hansgrohe; 70. Lennard Kämna (Fischerhude) - Bora-hansgrohe + 10:34 Min.; 82. Jonas Koch (Schwäbisch Hall) - CCC Team + 18:00; 97. Nils Politt (Hürth) - Israel Start-Up Nation; 102. Simon Geschke (Freiburg im Breisgau) - CCC Team + 18:20; 123. Tony Martin (Kreuzlingen/Schweiz) - Team Jumbo + 23:11; 150. Maximilian Walscheid (Heidelberg) - NTT Pro Cycling Team + 29:10; 152. André Greipel (Hürth) - Israel Start-Up Nation; 155. Roger Kluge (Berlin) - Lotto-Soudal + 30:21; 168. Nikias Arndt (Köln) - Team Sunweb + 40:14

Bergwertung, Stand nach der 3. Etappe:

1. Benoit Cosnefroy (Frankreich) - AG2R La Mondiale 21 Pkt.; 2. Michael Gogl (Österreich) - NTT Pro Cycling Team 12; 3. Kasper Asgreen (Dänemark) - Deceuninck-Quick-Step 6; 4. Toms Skujins (Lettland) - Trek - Segafredo 6; 5. Nicolas Roche (Irland) - Team Sunweb 5; 6. Jérome Cousin (Frankreich) - Total Direct Energie 3; 7. Robert Gesink (Niederlande) - Team Jumbo 3; 8. Michael Schär (Schweiz) - CCC Team 2; 9. Fabien Grellier (Frankreich) - Total Direct Energie 2; 10. Lukas Pöstlberger (Österreich) - Bora-hansgrohe 2

Sprintwertung, Stand nach der 3. Etappe:

1. Peter Sagan (Slowakei) - Bora-hansgrohe 79 Pkt.; 2. Alexander Kristoff (Norwegen) - UAE Team Emirates 77; 3. Sam Bennett (Irland) - Deceuninck-Quick-Step 74; 4. Matteo Trentin (Italien) - CCC Team 54; 5. Caleb Ewan (Australien) - Lotto-Soudal 50; 6. Giacomo Nizzolo (Italien) - NTT Pro Cycling Team 46; 7. Bryan Coquard (Frankreich) - Vital Concept 37; 8. Cees Bol (Niederlande) - Team Sunweb 32; 9. Julian Alaphilippe (Frankreich) - Deceuninck-Quick-Step 30; 10. Mads Pedersen (Dänemark) - Trek - Segafredo 30; ... 32. Maximilian Schachmann (Berlin) - Bora-hansgrohe 9; 42. Maximilian Walscheid (Heidelberg) - NTT Pro Cycling Team 6; 47. Jonas Koch (Schwäbisch Hall) - CCC Team 4

Teamwertung, Stand nach der 3. Etappe:

1. Trek - Segafredo (USA) 41:58:42 Std.; 2. EF Pro Cycling (USA) + 0 Sek.; 3. Astana (Kasachstan); 4. Bahrain-McLaren (Bahrain); 5. Ineos Grenadiers (Großbritannien) + 1:02 Min.; 6. Movistar Team (Spanien) + 1:10; 7. Team Jumbo (Niederlande) + 1:14; 8. UAE Team Emirates (Vereinigte Arabische Emirate) + 2:07; 9. Groupama-FDJ (Frankreich); 10. AG2R La Mondiale (Frankreich) + 3:36; ... 13. Bora-hansgrohe (Deutschland) + 10:17; 15. Team Sunweb (Deutschland) + 13:48

(Autor: Von Stefan Tabeling)