Eishockey ESV Kaufbeuren

Dramatik und Leidenschaft pur beim 5:3-Sieg des ESVK

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Unruheherd: Markus Lillich (in Rot) tauchte immer wieder vor dem Tor von Landshuts Keeper Olafr Schmidt auf – und sorgte zweimal für den Anschlusstreffer in dem umkämpften Spiel.

Bild: Mathias Wild

Unruheherd: Markus Lillich (in Rot) tauchte immer wieder vor dem Tor von Landshuts Keeper Olafr Schmidt auf – und sorgte zweimal für den Anschlusstreffer in dem umkämpften Spiel.

Bild: Mathias Wild

In einem spektakulären Spiel zeigt der ESV Kaufbeuren gegen Landshut spielerische Klasse und viel Kämpferherz bis zur letzten Minute. Dadurch belohnen sich die Joker.
03.11.2021 | Stand: 17:42 Uhr

„Das tat weh“, sagte der Trainer des EV Landshut, Leif Carlsson, geknickt auf der Pressekonferenz nach der DEL2-Partie gegen den ESV Kaufbeuren. Und Joker-Coach Tray Tuomie meinte noch am nächsten Tag, er habe kaum schlafen können: „Ich war noch bis 3 Uhr morgens wach.“ Nun sind Eishockeyspiele meist schnell und das Ergebnis wankelmütig, doch der 5:3-Sieg des ESVK vor 1838 Zuschauern war schon ein besonderes Spiel, erklärte Tuomie: „Da war alles dabei: Tore, Überzahl und Unterzahl, Videobeweise und das Ganze offen bis zum Schluss.“

ESVK - Landshut: Überraschung in der Startformation

Der Trainer hatte zunächst eine kleine Überraschung parat: Der EVL-Paradereihe mit Goldhelm Marco Pfleger und dem Ex-Kaufbeurer Thomas Holzmann stellte er Max Oswald, Philipp Krauß und Markus Schweiger zu Spielbeginn entgegen. Er lege nicht so viel Wert darauf, wer startet, aber die Jungs hätten es sich trotzdem verdient. „Die bringen viel Energie rein und sind auch hervorragend in Unterzahl“, erklärte Tuomie. Und die Reihe zahlte es ebenso wie die anderen jungen Spieler mit viel Einsatz gegen Landshut dem Coach zurück. „Das ist ja auch ein Vertrauensbeweis“, meinte Oswald.

Flotter Start und Rückschlag

Der ESVK legte flott los und war im ersten Drittel meist spielbestimmend. Die Niederbayern sahen zwar bieder aus, waren aber unbeeindruckt und gingen eher zufällig durch Pfleger in Führung (4.), die Holzmann direkt von der Strafbank kommend ausbaute (18.). Das Spiel schien zu kippen, aber der ESVK störte erfolgreich vor dem gegnerischen Tor und Markus Lillich traf in dasselbe (20.).

Der ESVK zeigt Moral

Nach der Pause kam dennoch Landshut zu ersten Chancen und Stefan Vajs musste vor allem gegen Pfleger retten. Doch erst eine Überzahlsituation für den EVL und ein abgefälschter Schuss vom Lukas Mühlbauer überwanden den ESVK-Keeper (30.). Aber die Joker zeigten erneut Moral und setzten den EVL unter Druck. Gegen Ende des Drittels nutzten die Joker dann eine Strafzeit von Holzmann zum 2:3 durch Lillich und nur 20 Sekunden später zum 3:3 durch Branden Gracel – und die Zuschauer waren erstmals aus dem Häuschen. „Ich bin zufrieden. Unsere Reihe hat gut gespielt und vier Tore geschossen“, sagte Lillich später.

Doch der Schlussabschnitt bot dann noch mehr Raum für Emotionen. Chancen auf beiden Seiten, wobei die Joker druckvoller waren. Und neben den Stürmern drängte auch Alexander Thiel vor das Tor. „Man kann ja als Verteidiger auch mal stürmen“, sagte der Defensive nach der Partie. Der 30-Jährige wurde aber vor drei Jahren auch erst bei einem personellem Engpass zum Verteidiger umgeschult. „Das habe ich wohl ganz gut gemacht“, meinte Thiel verschmitzt.

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Aber es waren die letzten acht Minuten, die dann das Blut der Zuschauer richtig in Wallung brachten: Strafzeiten hüben und drüben ließen die Fans bangen und die Torhüter glänzen. In der 58. Minute folgten eine turbulente Szene im Landshuter Strafraum und ein Videobeweis – und gefühlt ging nach einer Ewigkeit des Wartens ein Beben durch die Halle, als Schiedsrichter Daniel Kannengießer auf Tor durch Sami Blomqvist entschied. John Lammers brachte anschließend mit einem Empty-Net-Goal die Gefühle endgültig zum Ausbruch.

In der Hitze der Nacht

„Ich habe schon drei Mal die gute Stimmung der Fans erlebt. Aber gestern waren sie einen Tick lauter“, sagte Tuomie. „Die Fans waren am Durchdrehen“, meinte hingegen Max Oswald zu den Bildern kurz vor Schluss, als bis auf die Gästefans fast alle im Stadion standen und klatschten. „Die waren genauso heiß wie wir“, erklärte Lillich. Und für einen Dienstagabend und in Konkurrenz zu anderen Sportarten seien über 1800 Zuschauer auch eine beachtliche Zahl gewesen. „Es war halt ein besonderes Spiel, deshalb haben wir danach auch mit ihnen gefeiert“, erklärte Thiel, denn die Spieler waren nach der Partie noch einmal auf das Eis gekommen.

Special-Teams machen den Unterschied

In der Analyse der Partie waren sich die Trainer einig: „Das Penalty-Killing des ESVK war sehr gut“, sagte Gäste-Coach Carlsson und Tuomie fügte an: „Unsere Special-Teams waren der Unterschied“. Oder, wie es Alexander Thiel erklärte: „Die Landshuter waren gut, aber wir haben sie mit spielerischen Mitteln niedergekämpft und verdient gewonnen.“

Bilanz des Abend

  • Zahl des Abends 150 – das ist die Gesamtsumme der Rückennummern der kürzlich umgestellten zweiten Reihe. Sami Blomqvist (71), Branden Gracel (51) und Markus Lillich (28) sorgten gegen Landshut für vier Tore und fünf Assists.
  • Mann des Abends Mit viel Team- und Kampfgeist sowie Tempo ragte Marcus Lillich zwar nicht allzu sehr aus der niemals aufgebenden Mannschaft des ESV Kaufbeuren heraus. Aber seine beiden Anschlusstreffer zum 1:2 und 2:3 hatten jeweils Signalwirkung. Zudem führt Lillich nun die interne Torwertung der Joker mit acht Treffern an.
  • Zitat des Abends „Es war ein super Spiel und eine super Stimmung. Die Fans sind fast durchgedreht und haben uns gepuscht.“ ESVK-Stürmer Max Oswald.