Skispringen

Renndirektor erwartet bei der Vierschanzentournee Rekordquoten

Für die am kommenden Montag in Oberstdorf beginnende Vierschanzentournee rechnet Fis-Renndirektor Sandro Pertile aus Italien mit rekordverdächtigen Einschaltquoten.

Für die am kommenden Montag in Oberstdorf beginnende Vierschanzentournee rechnet Fis-Renndirektor Sandro Pertile aus Italien mit rekordverdächtigen Einschaltquoten.

Bild: Ralf Lienert

Für die am kommenden Montag in Oberstdorf beginnende Vierschanzentournee rechnet Fis-Renndirektor Sandro Pertile aus Italien mit rekordverdächtigen Einschaltquoten.

Bild: Ralf Lienert

Im Interview spricht Sandro Pertile über seine Covid-Erkrankung, seine Erwartungen an den Tournee-Auftakt in Oberstdorf und seine Favoriten auf den Gesamtsieg.
25.12.2020 | Stand: 14:16 Uhr

Am kommenden Montag startet in Oberstdorf wie immer zwischen den Feiertagen die Vierschanzentournee der Skispringer. Doch "wie immer" ist im Corona-Jahr 2020 gar nichts. Wir sprachen mit dem Renndirektor des Internationalen Skiverbandes Fis, Sandro Pertile, aus dem italienischen Predazzo. Der 50-Jährige, früher selbst Skispringer und Kombinierer, löste zur neuen Saison den Österreicher Walter Hofer als Renndirektor ab. (Alle News zur Vierschanzentournee 2020/21 finden Sie hier.)

Sandro Pertile, erst einmal die Frage: Wie geht es Ihnen? Sie selbst hatten sich vor der Skiflug-WM in Planica infiziert und mussten lange in Quarantäne ...

Sandro Pertile: Im Moment geht es gut. Noch nicht hundert Prozent, aber ich bin wieder negativ und es geht Schritt für Schritt in die richtige Richtung. Ich hatte in der ersten Woche gar keine Symptome, in der zweiten hatte ich keinen Appetit und war sehr, sehr müde. Ich habe in einer Woche sechs, sieben Kilo verloren – das ging zu schnell.

Vermutung: Beim Taxifahrer angesteckt

Ihre Infektion kam nur wenige Tage, nachdem Sie in einer Medienrunde erklärt hatten, wie sicher das System bei den Skispringern sei. Sind die Konzepte dann doch nicht so zuverlässig?

Pertile: Ich glaube schon, dass wir uns bestmöglich schützen. Aber sehen Sie, ich habe mich aller Voraussicht nach auf der Fahrt von Jekaterinburg nach Nischni Tagil angesteckt. Beim Taxifahrer. Ich saß rechts neben ihm mit Maske, wir konnten da nicht den Abstand halten. Wenn man durch die Welt reist, kann es immer passieren. Covid ist Teil unseres aktuellen Lebens.

Aber gab es aus Ihrer Sicht nicht zu viele positive Fälle im Skispringen?

Pertile: Wir lernen jedes Wochenende dazu. Nach Planica haben wir beschlossen, bis zum Saisonende nur noch die FFP2-Masken zu tragen. Inzwischen wissen wir auch, dass es die vier Fälle in der österreichischen Mannschaft in Nischni Tagil gab, weil sie jeweils zu zweit auf einem Zimmer übernachtet haben. Da ist das Risiko einfach zu hoch. Dass sich einige kleinere nationale Verbände keine Einzelzimmer leisten können, ist auch klar.

Es machte das Gerücht die Runde, die Österreicher hätten es zu Saisonbeginn mit der Hygiene nicht so streng genommen. Sogar von einem gemeinsamen Kneipenbesuch ist die Rede. Schadet so etwas nicht dem Ruf des Skispringens?

Pertile: So etwas könnten wir nicht akzeptieren und müssten es hart bestrafen. Aber ich höre das erste Mal von diesem Gerücht. Ich glaube, das sind Fake News.

Der Deutsche Skiverband hat die strengsten Regeln

Das deutsche Team um Stefan Horngacher rühmt sich, besonders penibel aufzupassen ...

Pertile: Ich glaube, kein anderer Verband hat so strenge Regeln wie der DSV. Es ist sicher ein gutes System. Wir müssen aber schon realistisch genug sein: Nicht alle können sich das leisten. Ich denke, wir waren immer sehr schnell und haben positiv getestete Sportler schnell aus dem System genommen. Wir werden die ganze Saison mit Covid kämpfen. Wir leben in einer Welt mit vielen Infizierten, wir fahren und fliegen. Wir sind oft in Kontakt mit anderen Leuten. Da wäre es unrealistisch, ohne weitere Positivfälle durchzukommen.

Befürchten Sie, wenn die Tournee nach den Feiertagen nach Oberstdorf kommt, viele weitere Neuinfektionen?

Pertile: Nicht unbedingt. Wir werden alle drei, vier Tage getestet. Gut, dass in Oberstdorf gleich vier Teststraßen aufgebaut werden. Die Flugreisen konnten wir nicht minimieren. Bis auf die Japaner und Amerikaner, die über Weihnachten in Mitteleuropa bleiben, sind alle heimgeflogen. Zurecht. Es war bis jetzt eine harte Saison und alle müssen jetzt ein paar Tage nach Hause zu ihren Familien und sich erholen.

Dann endlich zum Sportlichen: Wer ist Ihr Tournee-Favorit?

Pertile: Die Frage ist, ob der Norweger Granerud auch über die gesamte Tournee hinweg mental so stark bleibt. Das ist schon noch einmal eine andere Belastung. Ich bin sicher, dass die Deutschen mit Markus Eisenbichler und Karl Geiger sehr stark sein werden. Auch die Polen schätze ich stark ein, Kamil Stoch wird sicher hoch motiviert nach Oberstdorf kommen. Und die Österreicher werden nach der Pause auch wieder stärker zurückkommen. Dieser Virus ist stark und sehr aggressiv. Ich habe mit Michael Hayböck und Daniel Huber gesprochen. Die waren zuletzt einfach noch nicht fit. Ich bin sicher, das wird eine sehr, sehr spannende Vierschanzentournee.

Wird Ihnen das Herz bluten, wenn Sie in Oberstdorf im Stadion stehen und auf die leeren Tribünen schauen?

Pertile: Ja, es schmerzt jedes Mal wieder. Aber wir wissen alle, dass diese Saison ganz besonders ist. Und wir wissen: Skispringen ist für die Fernsehzuschauer immer noch sehr interessant. Wir haben viele Stars aus verschiedenen Ländern. Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir da neue Rekorde bei den Zuschauerquoten bekommen. Die Leute können nicht shoppen oder Skifahren gehen. Die Attraktivität der Vierschanzentournee ist sehr, sehr hoch.

Info: Schon 15 Infektionen bei den Skispringern

Das internationale Skispringen ist im Vergleich zu anderen Sportarten verhältnismäßig stark von Covid-19-Fällen betroffen. Angefangen hatte es schon nach dem Auftakt der Weltcup-Saison im polnischen Wisla, wo sich mit Schlierenzauer, Aschenwald, Kraft, Hayböck sowie die Trainer Widhölzl und Treitinger gleich sechs Österreicher infiziert hatten. Auch der Russe Maksimochkin und der bulgarische Trainer Zupan mussten in Quarantäne. Als fehlerhaft erwies sich ein Positivtest beim Tschechen Sakala, der bereits im Sommer an Covid erkrankt war. In Nischni Tagil traf es wieder vier Österreicher (Huber, Lackner, Fettner und Hörl) – und Fis-Renndirektor Sandro Pertile. Die beiden jüngsten Fälle: Der Bulgare Zografski und Karl Geiger aus Oberstdorf mussten zuletzt in Engelberg wegen Covid pausieren.