Missbrauchsfall Bergisch Gladbach

Die meisten Durchsuchungen gab es in Bayern

Der Angeklagte betritt, von Justizbeamten begleitet, in Handschellen den Gerichtssaal des Landgerichts und verbirgt sein Gesicht.

Der Angeklagte betritt, von Justizbeamten begleitet, in Handschellen den Gerichtssaal des Landgerichts und verbirgt sein Gesicht.

Bild: Sascha Steinbach

Der Angeklagte betritt, von Justizbeamten begleitet, in Handschellen den Gerichtssaal des Landgerichts und verbirgt sein Gesicht.

Bild: Sascha Steinbach

Bei der jüngsten bundesweiten Razzia im Zusammenhang mit dem Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach liefen die meisten Durchsuchungen in Bayern.

dpa
02.09.2020 | Stand: 12:56 Uhr

Bei der jüngsten bundesweiten Razzia im Zusammenhang mit dem Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach hat die Polizei mehr als 2000 Beweismittel sichergestellt. Dabei handele es sich vor allem um Datenträger, sagte Ermittlungsleiter Michael Esser am Mittwoch in Köln.

Die Auswertung werde sehr viel Zeit einnehmen. Auch zwei Tresore seien beschlagnahmt worden. An der Durchsuchung in zwölf Bundesländern seien am Dienstag mehr als 1000 Polizisten beteiligt gewesen. Verhaftungen habe es nicht gegeben.

Bei den Razzien hatten die Ermittler 50 Tatverdächtige - 48 Männer und 2 Frauen - im Visier. Ihnen werde der Besitz und die Verbreitung kinderpornografischen Materials vorgeworfen. Es gebe keine Hinweise darauf, dass die Beschuldigten selbst Kinder missbraucht hätten, sagte Esser.

Die Aktion vom Dienstag sei die bisher größte der Ermittlungskommission "Berg" gewesen. Die Beamten - darunter auch Spezialkräfte - hätten 60 Objekte durchsucht, die meisten davon in Bayern. Dort sei die Polizei an 15 Orten gegen 13 Tatverdächtige vorgegangen.

Insgesamt gibt es in dem Missbrauchsfall, der im vergangenen Oktober in Bergisch Gladbach seinen Ausgang nahm, deutschlandweit inzwischen mehr als 200 namentlich bekannte Beschuldigte.

Die Ermittler hatten wiederholt von einem "Schneeball-System" gesprochen: Mit jedem Verdächtigen werden sie auf weitere Täter aufmerksam. "Wir reden von 30 000 unbekannten Tatverdächtigen", sagte Markus Hartmann, Leiter der ZAC NRW, der Deutschen Presse-Agentur.

Ins Rollen gebracht wurde dies alles durch eine Durchsuchung im Oktober 2019 bei einem Familienvater in Bergisch Gladbach bei Köln. Bei ihm fand die Polizei Tausende Bilder und Videos. Es ging um riesige Datenmengen - inklusive Spuren zu Chatpartnern. Davon ausgehend kamen die Polizisten nach und nach immer mehr Verdächtigen auf die Spur. Und ein Ende ist nicht abzusehen.