Italien

Venedig kämpft mit Wasserpistolen und Knoblauch gegen Möwenplage

Diese Möwe steigt 2019 aus den Hochwasserfluten Venedigs. Das Hochwasser ist verschwunden – aber die Möwen sind nach wie vor da. Und es werden immer mehr.

Diese Möwe steigt 2019 aus den Hochwasserfluten Venedigs. Das Hochwasser ist verschwunden – aber die Möwen sind nach wie vor da. Und es werden immer mehr.

Bild: Claudio Furlan, dpa

Diese Möwe steigt 2019 aus den Hochwasserfluten Venedigs. Das Hochwasser ist verschwunden – aber die Möwen sind nach wie vor da. Und es werden immer mehr.

Bild: Claudio Furlan, dpa

Venedigs geschützte Möwen entreißen den Menschen nicht nur Panini und Eistüten. Hotel- und Restaurantbetreiber greifen darum zu ungewöhnlichen Methoden.
05.04.2022 | Stand: 08:03 Uhr

Eine Pause auf dem Markusplatz in Venedig. Entspannung, vielleicht ein kleiner Snack. Herrlich? Schnell kann dieses Idyll umschlagen in eine eher unangenehme Erfahrung. Überall auf den Dächern lauern Interessenten für alles Essbare, was unten auf dem Platz verzehrt wird. Nicht selten ist ein Tourist sein Panino oder seine Eistüte schneller als gedacht wieder los. Möwen stürzen sich im Sturzflug auf alles Essbare und reißen es den Menschen aus den Händen. „Opportunistisch, intelligent, skrupellos“, so beschreibt die Zeitung La Repubblica das Treiben der Möwen in Venedig. Während der Pandemie schien die Präsenz der Vögel in der Lagunenstadt zurückgegangen zu sein. Doch dem war nicht so.„Mit der Wiederaufnahme sind sie zurückgekehrt, hungriger und zahlreicher als je zuvor“, schreibt das Blatt.

Vögel stürzen sich auf das Essen

Abgesehen vom Schrecken für die Eigner der Nahrungsmittel sind die Mittelmeermöwen in Venedig ein geschäftsschädigender Faktor für den Fremdenverkehr. Die Möwen verschrecken die Touristen. Wenn ein Gast auf der Lokal-Terrasse etwa zum Buffet geht, stürzen sich die Vögel auf das Essen und nehmen es mit. Venedigs nervöse Kellner müssen immer auch ein Auge auf das Umfeld haben und jederzeit mit einem Sturzflug rechnen. Sie müssen häufig verschmutzte Tischtücher, Teller oder zerbrochene Gläser wechseln. „Manche Kunden lachen darüber, andere sind sauer“, heißt es aus der Branche.

Der Hotelbesitzerverband AVA hat deshalb ein Seminar veranstaltet, in dem über zielgerichtetes Vorgehen gegen die Vögel informiert wurde. Die kuriosesten Methoden: Wasserpistolen und Knoblauch. „Die große Anzahl der Möwen ist nicht nur aggressiv und lästig für die Menschen, sie stellt auch ein Problem für die Gesundheit und die Hygiene dar“, sagt Francesco Boemo vom Hotelverband AVA. Venedigs Hotelbesitzer greifen zu unkonventionellen Methoden. „Die Mittelmeermöwen sind eine geschützte Art und können nicht einfach beseitigt werden wie etwa Mäuse“, sagt Bonomo. Im Jahr 2005 wurden nur 24 Möwen-Paare in Venedig gezählt, inzwischen sind es 500. Offenbar vermehrten sich die Vögel auch während der Pandemie, weil sie ungestört brüten konnten, vermuten Umweltforscher. Die Einführung der Mülltrennung in Venedig soll den Tieren die Nahrungsbeschaffung erschwert haben.

Unpraktisches Laserlicht gegen Vögel

Länger schon greifen Venedigs Hoteliers auf die Hilfe von Falknern zurück. „Wir haben zweimal pro Woche einen Falkner, das funktioniert ganz gut“, sagte Paolo Lorenzoni vom Hotel Gritti Palace. Bis zu 30.000 Euro pro Jahr kostet der Service aber, das ist vielen zu teuer. Auch akustische Störsender wurden ausprobiert. Enrico Mazzocco, Manager des Hotels Monaco & Grand Canal schwört auf Sprinkleranlagen. „Wir benutzen Sprinkler, wie sie für die Gartenpflege verwendet werden, wobei das eher gegen Tauben hilft“, sagt er und rät dazu, vor allem morgens ein Auge auf die Frühstückscroissants zu haben, auf die es die hungrigen Möwen besonders abgesehen hätten.

Im Trend liegen geruchsverströmende Elemente mit der Note Knoblauch. Der Haken dabei ist allerdings, dass auch die Menschen diesem intensiven Duft ausgesetzt sind. Laserstrahler wurden gegen die Möwen bereits eingesetzt. „Das Problem ist, dass ein Kellner in einem Lokal keine Zeit dafür hat, den Laser auf die Vögel zu richten“, sagt Carlo Mazzer von der SGD-Group, der das Seminar leitete.

Möwen scheinen die Farbe Orange zu fürchten

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Weil keine Maßnahme gänzlich überzeugt, verteilen einige Hotels inzwischen Wasserpistolen an ihre Gäste. Wichtig ist dabei, dass die Spielzeugwaffen orangefarben sind. „Man braucht sie meist gar nicht zu benutzen“, sagt Paolo Lorenzini vom Gritti Palace. „Sobald die Möwen sie sehen, fliegen sie weg.“ Offenbar haben die Tiere Angst vor der Farbe Orange.

Der Inhaber der Bar Todaro am Markusplatz stattete seine Gäste früher auch schon mit Wasserpistolen aus. Er stellte den Spaß bald ein. „Die Kinder haben angefangen, damit zu spielen, sind zwischen den Tischen herumgerannt und haben sich bespritzt“, erzählt Claudio Vernier. Das habe nicht allen Gästen gefallen. Wie es aussieht, wird Venedig also noch eine Weile vorliebnehmen müssen mit seinen Möwen.