Tourismus

Venedig verlangt bald Eintritt

Gondeln in der Nähe des Markusplatzes: An Ostern kamen wieder massenhaft Touristinnen und Touristen in die weltbekannte italienische Stadt.

Gondeln in der Nähe des Markusplatzes: An Ostern kamen wieder massenhaft Touristinnen und Touristen in die weltbekannte italienische Stadt.

Bild: Felix Hörhager, dpa

Gondeln in der Nähe des Markusplatzes: An Ostern kamen wieder massenhaft Touristinnen und Touristen in die weltbekannte italienische Stadt.

Bild: Felix Hörhager, dpa

Der Ansturm auf die italienische Lagunenstadt ist nach der Corona-Zwangspause wieder groß. So groß, dass die Stadtverwaltung nun einen höchst umstrittenen Plan umsetzen will.
27.04.2022 | Stand: 16:15 Uhr

Marco Agostini sagt es so: „Es ist ein Delirium, wir sind wieder am Limit.“ Agostini ist Polizeichef von Venedig. Und mit seinen drastischen Worten beschreibt er den Ansturm auf die Lagunenstadt an Ostern. Während der Pandemie waren die Besucherzahlen spürbar zurückgegangen, doch an Ostern waren die Touristinnen und Touristen plötzlich wieder da, und das massenhaft. Fast eine halbe Million Besucherinnen und Besucher wurden über die Feiertage gezählt, allein am Karfreitag sollen es 120.000 gewesen sein.

„Alle Parkplätze waren voll“, berichtet Agostini. „Überall gab es Menschen-Schlangen, Verstopfung.“ Venezianer beschwerten sich überdies über volle Wasserbusse, viel befahrene Kanäle und den einen oder anderen Bootsunfall.

Im Juli soll die Pilotphase beginnen, im Januar 2023 wird es dann ernst

Wie es scheint, ist Venedig nach zwei Jahren Corona-Zwangspause in alte Muster zurückgekehrt. 30 Millionen Besucherinnen und Besucher wurden vor der Pandemie pro Jahr in der Stadt gezählt. Sie zieht Menschen aus aller Welt an, oft nur für wenige Stunden. Kreuzfahrttouristen gehören zu dieser Kategorie, aber auch Tagesausflügler aus Italien, Österreich und Deutschland.

Wegen des Massenandrangs hat die Stadtverwaltung jetzt angekündigt, einen umstrittenen und lange diskutierten Plan umsetzen zu wollen: Wer Venedig künftig besucht, muss dafür bezahlen. Im Juli soll die Pilotphase beginnen, im Januar 2023 wird es dann ernst: Alle Tagesausflügler in der Lagunenstadt sollen bis zu zu zehn Euro Eintritt zahlen. Schon während der seit Samstag und noch bis Ende November laufenden Kunst-Biennale dürfte die Maßnahme damit eine gewisse Wirkung entfalten. Entsprechende Pläne hieß die italienische Regierung bereits im Jahr 2018 gut.

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Zweifellos wird auf diese Weise Geld in die Kassen der Stadt kommen, in der auch eine Übernachtungsgebühr erhoben wird. Offiziell soll der Stadt-Eintritt die Touristenströme nach Venedig regulieren. Venedigs Bürgermeister Luigi Brugnaro weiß um die Bedeutung der Maßnahme: „Wir sind die ersten auf der Welt, die dieses Experiment wagen“, sagte er.

Die Maßnahme gilt nur für Tagesausflügler, nicht jedoch für Gäste, die über Nacht bleiben. Auch die nur noch rund 50.000 Einwohnerinnen und Einwohner Venedigs sowie die Bewohner der Region Veneto sind ausgenommen.

Der Eintrittspreis könnte, je nach Andrang, variieren. Die Rede ist von zwei bis zehn Euro

Tagesausflügler sollen sich künftig auf einem Online-Portal anmelden. Sie erhalten danach einen QR-Code für den Zugang nach Venedig. Die Stadtverwaltung plant, den Eintrittspreis von der Anzahl der Gäste abhängig zu machen. So soll die Buchung des Venedig-Ausflugs erst ab einer Zahl von 40.000 Besuchern in der Stadt obligatorisch sein. Auch der Eintrittspreis könnte, je nach Andrang, variieren. Die Rede ist von zwei bis zehn Euro.

„Das Ziel ist nicht Geld zu verdienen, sondern den Fluss der Besucher zu steuern“, betont Tourismus-Referent Simone Venturini. Eine Venedig-Buchung solle zudem beispielsweise mit ermäßigten Preisen für den teuren ÖPNV oder mit günstigeren Museums-Tickets einhergehen, fügt er hinzu.

Bei Kritikern verfängt das nicht. Giacomo Salerno von der Initiative Ocio Venezia meint: „Das ist nur eine Maßnahme, um Geld zu verdienen. Sie ist aber nicht geeignet, das Problem des Übertourismus in Venedig zu lösen.“ Salerno schlägt vor, die Höchstzahl der Touristen-Betten in Venedig zu begrenzen. Sein Vorschlag stößt allerdings auf den Widerstand der mächtigen Tourismusbranche in der Stadt.

Die Stadtverwaltung muss nun schnell Antworten auf einige Fragen finden

Wie auch immer: Im Juli soll die Testphase starten. Und bis dahin müssen noch einige Probleme gelöst werden. Wie und von wem etwa sollen die Venedig-Tickets kontrolliert werden? Wie bekommen Gäste mit, dass großer Andrang in der Stadt herrscht und ein Eintritts-Ticket notwendig ist? Wird es zur umstrittenen Installation von Drehtüren an den Zugängen zur Stadt kommen? Warum muss man für ganz Venedig Eintritt bezahlen, wenn die überlaufenen Orte der Stadt vor allem der Markusplatz und die Rialto-Brücke sind? Fragen über Fragen, auf die die Stadtverwaltung schnell Antworten zu finden hat.

Tourismus-Referent Simone Venturini wies unterdessen mehrfach darauf hin, dass die Gäste aus dem Ausland doch bitte gewisse Regeln einhalten sollen. Dazu zählt: nicht mit nacktem Oberkörper durch die Stadt flanieren (Strafe: 250 Euro), keine Möwen oder Tauben füttern (Strafe: bis zu 300 Euro). Und: Keine „Liebesschlösser“ an Denkmälern oder Brücken befestigen (Strafe: 100 Euro).