Prozess im Mordfall Lübcke

Zeuge berichtet in Lübcke-Prozess von rechtsextremen Ansichten

Im Prozess um den Mord an Walter Lübcke hat nun ein Arbeitskollege des Angeklagten ausgesagt.

Im Prozess um den Mord an Walter Lübcke hat nun ein Arbeitskollege des Angeklagten ausgesagt.

Bild: picture alliance/Kai Pfaffenbach/Reuters/Pool/dpa

Im Prozess um den Mord an Walter Lübcke hat nun ein Arbeitskollege des Angeklagten ausgesagt.

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Stephan Ernst soll Walter Lübcke aus rechtsextremistischen Motiven getötet haben. Ein Arbeitskollege erzählt vor Gericht von Vorfällen mit Handgreiflichkeiten.

Im Prozess um den Mord an Walter Lübcke hat nun ein Arbeitskollege des Angeklagten ausgesagt.
dpa
08.09.2020 | Stand: 15:10 Uhr

Im Prozess um den Mordfall Lübcke hat ein Arbeitskollege rechtsextreme Äußerungen des Angeklagten Stephan Ernst geschildert. Ernst habe über Ausländer, die kriminell geworden oder ohne Bleiberecht seien, gesagt, diese müsse man in ein Flugzeug setzen und über dem Mittelmeer herauslassen, sagte der Zeuge am Dienstag vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt am Main.

Lesen Sie hier mehr über das Geständnis des Angeklagten vor Gericht.

Ernst habe sich enttäuscht über die Politik der Bundesregierung geäußert und härteres Durchgreifen verlangt. In seiner polizeilichen Vernehmung hatte der Kollege des Hauptangeklagten noch ausgesagt, Ernst habe auch Gewalt gegen Ausländer und Politiker propagiert, doch nun blieb der Zeuge auf Nachfragen im Ungefähren und berief sich auf Erinnerungslücken.

Zeuge bezeichnet Angeklagten als "Wildtier in Lauerstellung"

Der 55-Jährige berichtete von aggressivem Verhalten Ernsts am Arbeitsplatz. Er wisse von zwei Vorfällen, bei denen es zu Schubsereien mit Kollegen gekommen sei. Der Zeuge bestätigte Angaben aus seiner polizeilichen Vernehmung, bei der er Ernst als "Wildtier in Lauerstellung" und "Pulverfass mit kurzer Lunte" bezeichnet hatte.

Eine Tat wie den Mord an Lübcke habe er ihm damals nicht zugetraut - Ernsts kriminelle Vorgeschichte sei ihm aber auch unbekannt gewesen.

Lübcke war im Juni 2019 vor seinem Haus im Landkreis Kassel erschossen worden. Ernst soll ihn aus rechtsextremistischen Motiven getötet haben. Ernst ist wegen Mordes angeklagt, dem Mitangeklagten Markus H. wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Ernst hat seit seiner Verhaftung drei Geständnisse mit unterschiedlichem Inhalt abgelegt.

Angeklagte hat sich nach Tat zurückgezogen

Seit der Tatnacht habe sich Ernst zurückgezogen, berichtete der Zeuge. Es habe keine gemeinsamen Pausen mehr gegeben. Zuvor habe er mit dem Angeklagten viel über Politik gesprochen, Ernst habe ihm auch eine Handyaufnahme der Bürgerversammlung in Lohfelden gezeigt, die Ausgangspunkt für den späteren Mord gewesen sein soll.

Lübcke verteidigte dort die Aufnahme von Flüchtlingen und sagte: "Da muss man für Werte eintreten, und wer diese Werte nicht vertritt, der kann jederzeit dieses Land verlassen, wenn er nicht einverstanden ist, das ist die Freiheit eines jeden Deutschen."

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Ernst habe dazu gesagt, hier habe die Politik ihre Maske fallen lassen, sagte der Zeuge. Er selbst finde die Äußerung Lübckes "unglücklich gewählt". Der Zeuge berichtete zudem, Ernst habe ihn zu einer Kagida-Demonstration mitgenommen, des Kasseler Ablegers der damaligen Pegida-Bewegung. Dort habe er den Eindruck gewonnen, Ernst habe viele der Anwesenden gekannt.

Auch die Lektüre entsprechend ausgerichteter Zeitungen habe er angeregt. Ernst habe ihm auch erzählt, dass er früher NPD-Mitglied gewesen sei.