Maßnahmen in der Corona-Pandemie

Abkehr von der 50er-Inzidenz - Aber was kommt dann?

Die 50er-Inzidenz als Richtwert ist Geschichte. Doch was kommt stattdessen?

Die 50er-Inzidenz als Richtwert ist Geschichte. Doch was kommt stattdessen?

Bild: Frank Rumpenhorst, dpa (Symbolbild)

Die 50er-Inzidenz als Richtwert ist Geschichte. Doch was kommt stattdessen?

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"200 ist das neue 50", hatte Gesundheitsminister Spahn schon im Juli gesagt. Die Reaktionen sind vor allem positiv - es gibt aber auch Kritik.
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dpa
24.08.2021 | Stand: 17:14 Uhr

Ärzte- und Klinikvertreter haben die geplante Streichung der 50er-Inzidenz als Richtwert für Corona-Maßnahmen und eine stärkere Berücksichtigung der Krankenhausaufnahmen für die Lagebeurteilung begrüßt. Die Ankündigung der Regierung gehe in die richtige Richtung, sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, der "Rheinischen Post". Ähnlich äußerten sich der Deutsche Hausärzteverband und die Deutsche Krankenhausgesellschaft. Intensivmediziner nannten den Schritt zwar ebenfalls richtig, halten den Inzidenzwert generell aber weiterhin für einen wichtigen Wert. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte davor, sich davon ganz zu verabschieden.

Der bisherige Inzidenzwert von 50, der noch im Infektionsschutzgesetz als Richtwert für schärfere Maßnahmen verankert ist, wird nach den Plänen der Bundesregierung gestrichen, weil sich durch die Impfungen die Lage verbessert hat. Künftig soll die Zahl der Krankenhausaufnahmen wegen Covid-19 entscheidend sein. Welche Zahl oder Zahlen hier konkret welche Maßnahmen nach sich ziehen werden, ist aber weiter offen. Darüber laufen nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) derzeit Beratungen zwischen Bund und Ländern.

Mehr Aspekte als nur Inzidenz berücksichtigen

Das Robert Koch-Institut meldete am Dienstag 5.747 Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages in Deutschland. Vor einer Woche hatte der Wert bei 3.912 Ansteckungen gelegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg erneut leicht auf 58. Am Vortag lag der Wert bei 56,4, vor einer Woche bei 37,4. Fast 60 Prozent der Bevölkerung waren Stand Dienstag nach Angaben von Spahn vollständig gegen Corona geimpft.

"Die Bewertung des Infektionsgeschehens müsste längst mehr Aspekte als nur die Inzidenz einbeziehen", sagte der Vorsitzende des Deutsche Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt der Rheinischen Post. Die Berücksichtigung der Hospitalisierungsrate sei deshalb ein richtiger erster Schritt. Es gehe darum, die Belastung des Gesundheitswesens abzubilden.

"Mit steigender Impfquote in Deutschland und der zunehmenden Entkopplung von Inzidenz und Krankheitslast müssen Bund und Länder ihre Corona-Politik neu ausrichten", sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, der Zeitung. Für die Beurteilung der Gefahrenlage sei vor allem die Hospitalisierungsrate auf den Normal- sowie Intensivstationen entscheidend, dann die Test-Positivrate, die Impfquote und die Altersstruktur der Infizierten.

Intensivmediziner begrüßen Abkehr von 50er-Inzidenz

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Die Deutsche Krankenhausgesellschaft sieht sich durch die Pläne der Bundesregierung bestätigt: "Schon seit geraumer Zeit fordern wir, dass neben der Inzidenz andere Indikatoren wie die Hospitalisierung, aber auch die Impfquote berücksichtigt werden", sagte der Vorstandsvorsitzende Gerald Gaß am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Intensivmediziner halten eine Abkehr von der 50er Inzidenz als Richtwert ebenfalls für richtig. Man begrüße das, sagte der Präsident der Intensivmediziner-Vereinigung Divi Gernot Marx im ZDF-"Morgenmagazin". Das heiße aber nicht, dass man die Inzidenz nicht mehr als relevant betrachte. "Sie ist natürlich sehr relevant". Es bestehe nach wie vor ein Zusammenhang zwischen Hospitalisierung und Inzidenz. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bekräftigte seine Warnung, sich vom Inzidenzwert als wichtigem Wert abzuwenden: "Es wäre zu riskant, wenn wir künftig nur auf einen nachgelagerten Warnwert wie den der Krankenhauseinweisungen schauen", sagte er in der "Rheinischen Post".

Was im Infektionsschutzgesetz an die Stelle des 50er-Wertes treten soll ist noch unklar. "Wir haben ja Erfahrungswerte aus dem letzten Winter, etwa aus Dezember, Januar, wo wir eine sehr, sehr starke Belastung in den Kliniken hatten", sagte Spahn am Dienstag im Interview bei "Welt". Gemeinsam mit den Ländern schaue man sich jetzt an, was die richtigen Kennziffern für weiteres Handeln seien. "Wir können sie ableiten aus den letzten zwei Wellen." Schärfere Corona-Maßnahmen, falls diese Kennziffern erreicht werden, dürften dann voraussichtlich vor allem Menschen treffen, die nicht geimpft sind. Geimpfte und Genesene müssen laut Bundesregierung "nach jetzigem Stand" keine gravierenden Einschränkungen mehr befürchten.

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