Energiekrise

Das Gas soll wieder fließen: Warum sich Bayern trotzdem Sorgen macht

Die Ostseepipeline Nord Stream 1 war tagelang stillgelegt und soll am Donnerstag wieder Gas transportieren.

Die Ostseepipeline Nord Stream 1 war tagelang stillgelegt und soll am Donnerstag wieder Gas transportieren.

Bild: Jens Büttner, dpa

Die Ostseepipeline Nord Stream 1 war tagelang stillgelegt und soll am Donnerstag wieder Gas transportieren.

Bild: Jens Büttner, dpa

Russland kündigt Lieferungen ab Donnerstag an, doch Europa stellt sich auf weitere Probleme ein. Bayern ist besonders alarmiert.
20.07.2022 | Stand: 21:42 Uhr

Die Routinewartung der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 1 ist offenbar ohne größere Probleme verlaufen. Trotzdem richten sich an diesem Donnerstag alle Augen auf die Röhre: Wird wieder Gas fließen und wenn ja, wie viel? „Gazprom erfüllt seine Verpflichtungen, hat sie stets erfüllt und ist gewillt, weiterhin alle seine Verpflichtungen zu erfüllen“, zitiert die russische Agentur Interfax den russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Doch die Unsicherheit bleibt. Auch, weil der Kreml-Chef eine weitere Reduzierung der Mengen ankündigte, sollte man eine in Kanada reparierte Turbine nicht zurückerhalten. Schon vor Beginn der wartungsbedingten Stilllegung von Nord Stream 1 vor eineinhalb Wochen hatte der russische Staatskonzern Gazprom die Lieferungen durch die Pipeline auf 40 Prozent gedrosselt.

EU-Kommission will Mitgliedsstaaten notfalls zum Energiesparen zwingen

Die EU stellt sich auf ein weiteres Katz-und-Maus-Spiel mit Russland ein. Im Fall eines Gasnotstands sollen EU-Staaten nach dem Willen der Europäischen Kommission sogar zum Gassparen gezwungen werden können. Konkret schlug die Brüsseler Behörde vor, dass es verbindliche Reduktionsziele geben könnte, sollte nicht genug gespart werden.

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In Bayern beobachtet man die Entwicklung ganz besonders genau. Weil der Ausbau der Windkraft hier in den vergangenen Jahren ausgebremst wurde und es immer noch keine Trassen gibt, die Windstrom aus dem Norden Richtung Süden leiten könnten, ist der Freistaat besonders abhängig vom russischen Gas als Energieträger. Dementsprechend eindringlich warnt Ministerpräsident Markus Söder seit Wochen vor Versorgungsengpässen im Winter, wenn auch noch die Sonne viel weniger Energie liefert.

CSU-Klausur in Kloster Banz steht ganz im Zeichen der Energiekrise

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Über der Klausur der CSU-Bundestagsabgeordneten im oberfränkischen Kloster Banz hing das Thema wie ein Schatten. „Dieser Winter dürfte der härteste Winter werden, den Deutschland seit Jahrzehnten erlebt hat“, mahnte Söder und warf der Bundesregierung schlechtes Krisenmanagement vor. „Wo ist das Ersatzgas? Die zentrale Aufgabe ist, dass weder der Osten noch der Süden abgehängt wird. Das droht jedenfalls im Moment“, sagte der CSU-Chef. Ein mögliches Herunterfahren der Gasversorgung nur in bestimmten Teilen Deutschlands hält er für verfassungswidrig.

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Landesgruppenchef Alexander Dobrindt bezeichnete solche Überlegungen als vollkommen abwegig. „Wer den industriellen Süden Deutschlands vom Gas abtrennt“, werde über die Lieferketten Rückwirkungen auf ganz Deutschland und Europa haben. In welchen Gebieten es im Winter besonders eng werden könnte, ist schwer abzusehen. Der CSU-Abgeordnete Hansjörg Durz bekam auf eine entsprechende Anfrage an die Bundesregierung noch keine Antwort. Er forderte im Gespräch mit unserer Redaktion mehr Transparenz: „Die Ampel muss den Menschen klar sagen, was auf sie zukommt.“

Wirtschaftsweise Veronika Grimm will Atomkraftwerke noch fünf Jahre laufen lassen

Söder erneuerte seine Forderung, die Atomkraftwerke länger am Netz zu lassen – und bekam Unterstützung von der Wirtschaftsweisen Veronika Grimm, die sich in Kloster Banz mit den CSU-Parlamentariern über Wege aus der Energiekrise unterhielt. Sie sprach sich nicht nur dafür aus, lieber Kohle als Gas zu nutzen, um Strom zu erzeugen, sondern auch dafür, die Kernkraftwerke „noch ungefähr fünf Jahre laufen zu lassen, weil uns das Spielräume verschafft“. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt nutzte diese Vorlage und forderte: „Wir müssen bei der Energiedebatte endlich weg von der Moralenergie und hin zur Vernunftenergie.“

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