Krieg in der Ukraine

Deutschland liefert Gepard-Panzer: Ist der Ukraine damit jetzt geholfen?

Ausgemusterte Flugabwehrpanzer vom Typ "Gepard" sollen der Ukraine geliefert werden.

Ausgemusterte Flugabwehrpanzer vom Typ "Gepard" sollen der Ukraine geliefert werden.

Bild: Carsten Rehder, dpa

Ausgemusterte Flugabwehrpanzer vom Typ "Gepard" sollen der Ukraine geliefert werden.

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Bundeskanzler Olaf Scholz hat den immer lauter werdenden Forderungen nachgegeben. Deutschland gibt der Ukraine Panzer. Doch davor stehen noch drei Hindernisse.
26.04.2022 | Stand: 20:41 Uhr

Das stete Drängen der Ukraine hat sich für das belagerte Land ausgezahlt. Auch Deutschland liefert nun direkt Panzer an die ukrainischen Streitkräfte für den Kampf gegen Russland. „Es geht darum, dass es jetzt schnell geht mit der Unterstützung der Ukraine“, sagte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht am Dienstag bei einem Treffen mit Amtskollegen und hohen Militärs aus 40 Staaten in Ramstein.

Die Bundesrepublik wird ausgemusterte Flugabwehrpanzer vom Typ Gepard zur Verfügung stellen, die mit ihren schweren Maschinenkanonen russische Kampfjets, Hubschrauber und Drohnen vom Himmel holen sollen. Laut Lambrecht ist die Entscheidung dafür erst tags zuvor gefallen.

Panzer für die Ukraine: Kanzler Olaf Scholz hat seine Meinung geändert

Noch am Freitag hatte Bundeskanzler Olaf Scholz im Interview mit dem Nachrichtenmagazin Spiegel die Lieferung schwerer Waffen abgelehnt, weil Russland das als Einmischung der Nato bewerten und es in letzter Konsequenz zum Dritten Weltkrieg kommen könnte. Über das Wochenende hatte sich in der Ampel-Koalition jedoch wegen der russischen Offensive in der Ostukraine massiv Druck aufgebaut. Außerdem hatten Frankreich und die Niederlande angekündigt, Haubitzen an die Ukrainer zu liefern. Die Union wollte das Regierungsbündnis bei der Ausrüstung der Ukraine ein weiteres Mal im Bundestag vorführen, wie es ihr bei der Impfpflicht gelungen war.

Scholz beugte sich dem Druck, bezog seine SPD aber nicht recht ein. Generalsekretär Kevin Kühnert hatte noch am Dienstagmorgen im Gespräch mit dem Fernsehsender n-tv die bisherige Haltung der Sozialdemokraten bekräftigt, dass Deutschland keine schweren Waffen liefern werde.

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Die 40 Staaten waren auf Einladung der Vereinigten Staaten am US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in der Nähe von Kaiserslautern zusammengekommen. Es ist eine Allianz für die Ukraine und gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin. „Wir wollen der Ukraine helfen im Kampf gegen die ungerechtfertigte Aggression Russlands“, sagte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin. Er versprach, „Himmel und Erde“ in Bewegung zu setzen, um der Ukraine das nötige Kriegsgerät zu verschaffen. Die Amerikaner sind als westliche Führungsmacht der potenteste Unterstützer des angegriffenen Landes.

Sergej Lawrow droht mit Attacken auf Waffentransporte

Russland droht dem Westen und den Nato-Staaten, dass Waffentransporte ein legitimes Angriffsziel seien und dadurch die Gefahr eines Atomkrieges zwischen Russland und dem Nordatlantikpakt bestehe. Die Nato sei „in einen Krieg mit Russlandüber Stellvertreter“ eingetreten „und bewaffnet diese Stellvertreter“, hatte der russische Außenminister Sergej Lawrow in einem Interview gewarnt.

Die Bundesregierung wird sich wohl schon bald damit beschäftigen müssen, der Ukraine noch mehr Panzer zu schicken. Auf der Wunschliste stehen die Schützenpanzer Marder und Kampfpanzer vom Typ Leopard. „Wir werden über jeden solcher Exportanträge intensiv beraten“, kündigte Lambrecht an. Für Deutschland gelte bei der Militärhilfe, dass es keine Alleingänge geben werde und alles mit der Nato abgestimmt sei.

Bevor die Gepard-Panzer gegen die russische Armee zum Einsatz kommen, müssen noch drei wesentliche Hindernisse überwunden werden. Die ukrainischen Soldaten benötigen erstens eine Ausbildung in der als kompliziert geltenden Radar- und Zielerfassung. Zweitens müssen die tonnenschweren Panzer mit der Eisenbahn Richtung Schlachtfelder im Donbass transportiert werden. Russland könnte deshalb versuchen, die Bahnlinien vorsorglich zu zerstören. Und drittens muss die Nato Munition für die Maschinenkanonen auftreiben. Die 35-Millimeter-Geschosse werden in der Schweiz hergestellt und die dortige Regierung hat die Ausfuhr in die Ukraine verboten.