Sitzung in Straßburg

Trotz Corona: Fast 180 EU-Abgeordnete reisen quer durch Europa

Das Europäische Parlament hat seinen Sitz in Straßburg.

Das Europäische Parlament hat seinen Sitz in Straßburg.

Bild: Philipp von Ditfurth, dpa

Das Europäische Parlament hat seinen Sitz in Straßburg.

Bild: Philipp von Ditfurth, dpa

Die Mitglieder des Parlaments kommen aus ihrem Heimatländern nach Straßburg. Trotz Corona. Die Empörung ist groß.
18.11.2021 | Stand: 21:23 Uhr

Absurder könnte es kaum erscheinen. In Belgien gilt aufgrund der Corona-Infektionszahlen ab Montag wieder eine Homeoffice-Pflicht, das heißt, wer kann, muss vier Tage pro Woche zu Hause arbeiten. Einerseits. Andererseits reisen am Montag hunderte Europaabgeordnete plus Mitarbeiter nach Straßburg zur Plenarsitzung, weil Parlamentspräsident David Sassoli den Wanderzirkus fordert. Es gibt weder die Möglichkeit, virtuell teilzunehmen noch online abzustimmen. Dementsprechend groß sind Entsetzen und Ärger unter den Abgeordneten, die vor einem „Superspreader-Event“ warnen.

Als wahlweise „völlig unverantwortlich“ oder „wahnsinnig“ wurde Sassolis Anweisung kritisiert. Fast 180 Parlamentarier haben einen Brief unterzeichnet, in dem sie ihn auffordern, von dem Vorhaben abzurücken. Die vierte Welle schlägt auf dem Kontinent mit voller Wucht ein. Rumänien, Bulgarien und Lettland baten schon die EU um Hilfe.

EU-Politiker setzt sich für Drittimpfungen ein

„Die Lage ist dramatisch“, sagte Peter Liese (CDU), gesundheitspolitischer Sprecher der EVP-Fraktion. Und sie sei besonders schlimm da, wo die Impfquote sehr niedrig ist. Doch selbst in Ländern wie Belgien, wo sich ein hoher Anteil der Bevölkerung immunisiert hat, sorgen die Zahlen für Alarmstimmung. „Der Impfschutz lässt schneller nach, als viele erwartet haben“, sagt der Arzt Liese. Zudem hätten sich viele nach ihrer Impfung verhalten, als wäre die Pandemie vorbei.

Umso wichtiger seien nun die Drittimpfungen. Man müsse „eine Riesen-Impfaktion in ganz Europa aus dem Boden stampfen“. Gleichwohl fordert Liese, auch das EU-Zertifikat anzupassen, indem man nur mit einem dritten Piks als vollständig geimpft gilt.

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Derweil hofft man in Brüssel auf eine baldige Zulassung des Biontech/Pfizer-Mittels für Kinder von fünf bis elf Jahren. Das Thema sei „sensibel“, weshalb die europäische Arzneimittelbehörde EMA das „sehr genau prüfen“ müsse, so Liese. Aber: „Es muss auch zügig gehen.“ Für Kinder, die zur Gruppe der Risikopatienten gehören, etwa jene mit Down-Syndrom oder mit Lungen- oder Herzerkrankungen, wäre der Impfstoff „ein Segen“.

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