Medienberichte

Trump plant massiven US-Truppenabbau in Deutschland - Kritik von US-General

Tausende US-Soldaten könnten Deutschland verlassen. Unser Archivbild zeigt Donald Trump auf dem Stützpunkt der US-Luftwaffe in Ramstein.

Tausende US-Soldaten könnten Deutschland verlassen. Unser Archivbild zeigt Donald Trump auf dem Stützpunkt der US-Luftwaffe in Ramstein.

Bild: Andrew Harnik/dpa (Archiv)

Tausende US-Soldaten könnten Deutschland verlassen. Unser Archivbild zeigt Donald Trump auf dem Stützpunkt der US-Luftwaffe in Ramstein.

Bild: Andrew Harnik/dpa (Archiv)

US-Präsident Donald Trump will tausende Soldaten aus Deutschland abziehen. Ein US-General spricht von einem "kolossalen Fehler".

dpa
06.06.2020 | Stand: 16:38 Uhr

US-Präsident Donald Trump plant nach Medienberichten einen drastischen Abbau der US-Truppen in Deutschland. Das «Wall Street Journal» berichtete am Freitag (Ortszeit) unter Bezug auf ungenannte US-Regierungsvertreter, Trump habe das Pentagon angewiesen, die US-Truppenpräsenz in Deutschland von derzeit 34 500 Soldaten um 9500 zu reduzieren. Außerdem solle eine Obergrenze von 25 000 US-Soldaten eingeführt werden, die gleichzeitig in Deutschland anwesend sein könnten. Auch das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» berichtete unter Bezug auf eigene Informationen über eine geplante massive Reduzierung der US-Truppenpräsenz in Deutschland.

Das Weiße Haus bestätigte entsprechende Pläne Trumps nicht. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, John Ullyot, teilte am Freitag (Ortszeit) auf dpa-Anfrage mit, derzeit gebe es dazu keine Ankündigung. Trump überprüfe aber ständig den Einsatz von US-Soldaten im Ausland. «Die Vereinigten Staaten sind weiterhin entschlossen, mit unserem engen Verbündeten Deutschland zusammenzuarbeiten.»

Tausende Soldaten sollen abgezogen werden

«Der Spiegel» berichtete, das Weiße Haus habe Teile des US-Kongresses darüber informiert, dass das Pentagon bis zum Herbst 2020 zwischen 5000 und 15 000 der derzeit rund 35 000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen werde. Dem Vernehmen nach habe die US-Regierung den Nato-Partner Deutschland nicht wie üblich vorab über die Entscheidung informiert, hieß es in dem Bericht weiter. Das Pentagon äußerte sich auf Anfrage nicht zu einem möglichen Truppenabzug.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die USA mit dem Teilabzug ihrer Truppen aus Deutschland gedroht. Der damalige US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, hatte im vergangenen August gesagt: «Es ist wirklich beleidigend zu erwarten, dass der US-Steuerzahler weiter mehr als 50 000 Amerikaner in Deutschland bezahlt, aber die Deutschen ihren Handelsüberschuss für heimische Zwecke verwenden.» Zu den damals rund 35 000 US-Soldaten in Deutschland kamen 17 000 amerikanische und 12 000 deutsche Zivilisten, die von den US-Truppen beschäftigt wurden. Zehntausende weitere Arbeitsplätze in Deutschland hängen von den amerikanischen Streitkräften ab.

Trump kritisiert deutsche Verteidigungsausgaben  

Der US-Präsident fordert seit langem eine gerechtere Lastenteilung innerhalb der Nato und hat wiederholt die aus seiner Sicht mangelnden Verteidigungsausgaben Deutschlands kritisiert. Trump hatte eine Verlegung von Truppen von Deutschland nach Polen bereits im Juni vergangenen Jahres bei einem Besuch des polnischen Präsidenten Andrzej Duda in Washington ins Spiel gebracht.

Die Beziehung zwischen der Bundesregierung und der Trump-Administration sind seit langem angespannt. Das «Wall Street Journal» berichtete unter Berufung auf eine mit der Entscheidung vertraute Quelle, Trumps Truppenabzugspläne hätten nichts mit der Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu tun, wegen der Corona-Pandemie voraussichtlich nicht an einem von Trump angedachten G7-Gipfel im Juni im Weißen Haus teilnehmen zu können.

Scharfe Kritik an den Abzugplänen kommt vom früheren Befehlshaber aller US-Truppen in Europa. "Ich glaube, die Entscheidung durch die US-Regierung von Präsident Trump ist ein kolossaler Fehler", sagte Ben Hodges dem Spiegel. Hodges war Dreisternegeneral und Befehlshaber aller US-Heerestruppen. Er war bis 2017 in Europa. Nach seiner Pensionierung arbeitet er für den Thinktank "Center for European Policy Analysis". Der Abzug sei ein "rein politisches Manöver", zitiert das Magazin den US-General weiter. "Die Entscheidung illustriert, dass der Präsident nicht verstanden hat, wie essenziell die in Deutschland stationierten US-Truppen für die Sicherheit Amerikas sind."