Alle Arbeitsplätze bereits ausgebucht

Nicht nur Kühe und Käse: Ölturm von Allgäu Digital soll zeigen, dass das Allgäu auch digital ist

Der frühere Ölturm der Weberei Kempten bietet nun Gründern im Allgäu Digital Platz zur Entfaltung.

Der frühere Ölturm der Weberei Kempten bietet nun Gründern im Allgäu Digital Platz zur Entfaltung.

Bild: Martina Diemand

Der frühere Ölturm der Weberei Kempten bietet nun Gründern im Allgäu Digital Platz zur Entfaltung.

Bild: Martina Diemand

Allgäu Digital eröffnet in Kempten den Ölturm. Damit soll nicht nur der Standort, sondern auch das Bild der ganzen Region erweitert werden.
23.07.2021 | Stand: 06:30 Uhr

Kühe und Käse: Das verbinden viele Menschen mit dem Allgäu. „Wir wollten dieses Bild erweitern“, sagte Klaus Fischer, Geschäftsführer der Allgäu GmbH, während der Eröffnung des Ölturms beim Gründerzentrum Allgäu Digital in Kempten. „Wir müssen zeigen, dass wir auch digital sind.“ Das denkmalgeschützte Gebäude, das die Sozialbau Kempten für 800 000 Euro sanierte, bietet 20 weitere Arbeitsplätze. Schon jetzt sind alle ausgebucht.

Mit der Fertigstellung des Ölturms werde die Hochschulstadt Kempten als ein Mittelpunkt der Gründerszene gestärkt, sagte Oberbürgermeister Thomas Kiechle. „Wir haben etwas davon, die beteiligten Einrichtungen, die ganze Region.“ 2017, als Allgäu Digital auf dem Areal der ehemaligen Spinnerei und Weberei Kempten startete, hatten Stadt, Allgäu GmbH und die Hochschule Kempten einen Kooperationsvertrag geschlossen.

Viele der angehenden Gründer im Allgäu Digital kommen von Hochschule Kempten

Dieser sei anlässlich der Ölturm-Eröffnung erneuert worden, sagt Michaela Waldmann vom Wirtschaftsamt. Die Stadt mietet die Räume von der Sozialbau an, die Allgäu GmbH stellt das Personal. Viele der angehenden Gründer, die die Arbeitsplätze nutzen, kommen von der Hochschule, etwa über Stipendien, die Start-ups fördern. Aktuell nutzen die frisch renovierten Räume im Ölturm „Numbat“ – eine Firma, die das Allgäu mit Schnellladesäulen für E-Fahrzeuge versorgen will – und „Dynamic Video“. Deren Gründer David Knöbl habe schon bei Allgäu Digital angeklopft, als er sein Abitur machte, erzählte Antonia Widmer, Leiterin des Gründerzentrums. Inzwischen sei das Team des Software-Herstellers für Video-Marketing auf 14 Mitglieder angewachsen: „Eine fantastische Geschichte.“

Der Ölturm sei für Start-ups gedacht, die bereits Geld verdienen und für den Ausbau am Markt Platz benötigen, erläutert Widmer. Am bisherigen Standort mit 16 Coworking-Spaces – also Arbeitsplätzen, die sich mehrere Gründer teilen – und einer Veranstaltungsbühne sei das nicht möglich gewesen.

Wände von Ölturm auf Gelände von Allgäu Digital in Kempten waren mit Öl verseucht

Zehn Monate habe die Sozialbau an der Sanierung gearbeitet, sagte Geschäftsführer Herbert Singer. „Eine für unsere Verhältnisse kleine, aber besondere Aufgabe.“ Drei Öltanks waren einst im Turm untergebracht, um die Maschinen der Spinnerei schmieren zu können, erläuterte Sozialbau-Architekt Stephan Bartzak, der mit Architekt Robert Stachel für das Projekt verantwortlich war. „Wer das Gebäude betreten hat, musste sofort wieder raus, wegen des Ölgestanks“, erinnerte sich Bartzak. Die Wände seien mit Öl verseucht gewesen. Schließlich habe man eine Firma gefunden, die sich mithilfe eines speziellen Verfahrens der Reinigung annahm. Seines Wissens nach die einzige in Deutschland, die das in dieser Größenordnung anbietet.

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Die Abstimmung mit dem Denkmalamt war offenbar nicht immer einfach. Singer sprach von Wärme, die durch Reibung entstanden sei. So habe etwa die Treppe in den oberen Stockwerken erhalten werden können, sagte Bartzak. Weil aber die Geländer nicht den Vorschriften entsprachen, mussten sie abgeändert werden. Der Aufwand in derartigen Fällen sei wirtschaftlich nicht leicht darstellbar, sagte Singer. Er wünsche sich ein „kooperativeres, konstruktiveres Vorankommen“, bemerkte er in Richtung des Denkmalamtes.