Uraufführung von neuer Oper

Festtage in Bregenz: Heiterkeit trotz Hygienevorschriften

Stimmlich und schauspielerisch stark (von links): Terezia Kruliaková, Eva Bodorová und Hagen Matzeit.

Stimmlich und schauspielerisch stark (von links): Terezia Kruliaková, Eva Bodorová und Hagen Matzeit.

Bild: Karl Forster/BF

Stimmlich und schauspielerisch stark (von links): Terezia Kruliaková, Eva Bodorová und Hagen Matzeit.

Bild: Karl Forster/BF

Bregenz biegt sich die Oper „Impressario Dotcom“ für die Coronaregeln zurecht. Das funktioniert prima, die Uraufführung im Festspielhaus ist eine vergnügliche Sache.

21.08.2020 | Stand: 17:51 Uhr

Nur ein einziges Mal berühren sich die fünf Sänger – und schon fallen sie tot um. Eine deutliche Botschaft: Wer sich in Coronazeiten nicht an die (Abstands-)Regeln hält, den bestraft das Virus prompt. Dabei waren die drei Frauen und zwei Männer anfangs noch vorsichtig. Mit Mund-Nasen-Schutz und Desinfektions-Spray trafen sie beim Impressario Dotcom ein, um vorzusingen und eine Opern-Rolle zu ergattern. Doch die Rechnungen gehen nicht auf, so sehr sie sich bemühen, verbiegen, verstellen, verleugnen.

Jeder trägt also noch eine andere Maske mit sich herum. Das wollte die slowakische Komponistin Lubica Cekovská mit ihrer Oper „Impressio Dotcom“ zeigen. So wie ursprünglich geplant kam diese Opera buffa, die ihr eigenes Genre satirisch und vergnüglich beleuchtet, aber nicht auf die Bühne des Bregenzer Festspielhauses. Wegen der Corona-Pandemie musste Regisseurin Elisabeth Stöppler das Werk gemeinsam mit der Komponistin sowie der Librettistin Laura Olivi auf eine 90-minütige, pausenlose „Fassung für Bregenz 2020“ zusammenstreichen und sich von ursprünglichen bildnerischen Ideen verabschieden. Nur so konnte die Oper als Uraufführungs-Produktion für die von Festspiel-Intendantin Elisabeth Sobotka als „künstlerisches Lebenszeichen“ apostrophierten „Festtage im Festspielhaus“ gezeigt werden. Das funktionierte gleichwohl prima.

Das Symphonieorchester Vorarlberg hält im Orchestergraben Abstand

Natürlich lässt es sich Regisseurin Stöppler nicht entgehen, gehörig auf Corona anzuspielen, inklusive grobem Witz und Klamauk. Was völlig in Ordnung ist, weil die farbig-witzige Musik von Cekovská das Satirische sowieso herauskehrt – wunderbar übersetzt vom Symphonieorchester Vorarlberg, das auf 18 Instrumentalisten reduziert im Orchestergraben streng auf Abstand achtete.

Weil es in der Oper um Arbeit suchende Sänger, die von Ruhm und Geld träumen, geht, kann „Impressario Dotcom“ auch als Kommentar zur Pandemie gelesen werden. Inzwischen hat Covid-19 die Musikwelt in eine veritable Krise gestürzt. Was angesichts der existenziellen Herausforderungen niemanden amüsiert. Aber wie so oft bringt Lachen doch ein wenig Erleichterung in ernste Zeiten. Die Bregenzer Inszenierung jedenfalls sorgte für viel Heiterkeit im nach Hygieneregeln besetzten Festspielhaus.

Es war durchaus mutig, die Festtage in Bregenz zu veranstalten

Dabei war es durchaus mutig, die Festtage zu veranstalten. Wären in dem achttägigen Festival, das an diesem Samstag mit einem Konzert der Wiener Symphoniker endet, Mitglieder der Ensembles und Orchester mit dem Coronavirus infiziert worden, wäre aus dem „künstlerischen Lebenszeichen“ schnell ein ganz unkünstlerischer Krankenbericht geworden. Ist es aber nicht.

So zeigen die Festtage, dass man mit größeren Sänger- und Schauspieler-Ensembles vor ein Publikum treten kann, und dass dieses Publikum bei all den Vorsichtsmaßnahmen – vorbehaltlich noch nicht registrierter möglicher Erkrankungen – auf der sicheren Seite ist. Atmosphärisch nicht schön ist es, wenn Menschen wegen der Masken kaum ins Gespräch kommen und in einem Saal mit vielen leeren Sesseln sitzen müssen. Dennoch waren die Festtage in Bregenz ein Zeichen dafür, dass Kultur auch unter Auflagen leben und atmen kann.