Schwangau

Eine neue Figur für den Gebirgsjägerbrunnen in Schwangau

Auf dieser alten Postkarte ist der Brunnen mit der ursprünglichen Figur der „Zwei Kameraden“ zu sehen.

Auf dieser alten Postkarte ist der Brunnen mit der ursprünglichen Figur der „Zwei Kameraden“ zu sehen.

Bild: Gemeinde Schwangau

Auf dieser alten Postkarte ist der Brunnen mit der ursprünglichen Figur der „Zwei Kameraden“ zu sehen.

Bild: Gemeinde Schwangau

Zum Veteranenjahrtag wird sie gesegnet. Wieso dies der bisher schwierigste Auftrag für Holzbildhauer Adi Schmid gewesen ist.

Auf dieser alten Postkarte ist der Brunnen mit der ursprünglichen Figur der „Zwei Kameraden“ zu sehen.
Von Redaktion Allgäuer Zeitung
04.09.2020 | Stand: 12:15 Uhr

Die Figur „Zwei Kameraden“ am Gebirgsjägerbrunnen in Schwangau ist durch den Holzbildhauer Adi Schmid neu angefertigt worden. Zuletzt war dort eine Nachbildung aus Kunststoff zu sehen gewesen. Am Gedenktag der Veteranen- und Soldatenkameradschaft Schwangau soll die Figur gesegnet werden.

Die Originalfigur aus Holz, die einen Gebirgsjäger mit seinem Maultier zeigt, wurde 1953 von dem Schwangauer Künstler Ludwig Gebler geschnitzt. Am 26. Juli 1959 fand die Weihe des Brunnens im Kröb statt. Die Beteiligung von Vereinen und Bevölkerung war beachtlich. Geistlicher Rat Leonhard Welzmiller, selbst ein Weltkriegsteilnehmer, zelebrierte damals die Feldmesse und hielt die Festrede.

Ein Unikat

Nach rund 60 Jahren beschloss der Veteranenverein unter dem Vorsitzenden Peter Bardzinski, wieder eine handgeschnitzte originalgetreue Holzfigur auf den Brunnen zu setzen. Eine Arbeit, für die viel Feingefühl und höchste Konzentration nötig ist. In diesen Tagen führte Bildhauer Adi Schmid die letzten notwendigen Arbeitsschritte aus. Für ihn ist die Vorlage von Ludwig Gebler ein bildhauerisch sehr gelungenes Werk. „Dabei hat der Künstler enorm viel Wert auf die Details gelegt“, erklärt er. „Vor allem auf die filigranen Gesichtszüge und die diversen Ausrüstungsgegenstände wie eine Gepäck-Kraxe und ein Rucksack, sogar das Zaumzeug und das Edelweiß am Hut des Gebirgsjägers, alles ist sehr fein ausgearbeitet. Es ist ein Unikat.“

Insgesamt rund sechs Wochen hat Schmid täglich gut acht Stunden an der neuen Holzfigur gearbeitet, stets mit dem Blick auf das danebenstehende Original. Begonnen hatte er mit der Herstellung des Grundmaterials, einem quadratischen Holzklotz mit den Maßen 70 mal 70 mal 96 Zentimeter, der aus circa 20 einzelnen Stücken Lindenholz verleimt und zwei Tage lang zusammengepresst wurde, um Spannungsrisse in der Figur zu vermeiden.

Beim sogenannten Carving wurden anhand spezieller Motorsägen dann die Konturen freigelegt. Erste große Späne konnten danach beim „Anhauen“ mit großen Schnitzeisen abgetragen werden, bevor im nächsten Schritt, dem „Anlegen“, bereits die genauen Maße ins Spiel kamen. Sämtliche Bilddetails wurden hierfür genau ausgemessen und berechnet, so dass mithilfe von Knüppel und Schnitzeisen schließlich Gebirgsjäger und Maulesel sichtbar wurden. Aus einem Holzklotz mit etwa 115 Kilo Gewicht sind nun noch gut 90 Kilo übrig. Letzter Schritt beim Schnitzen war das Einfügen der Aufschrift „Zwei Kameraden“ in den Sockel der Figur.

„Das war ohne Zweifel mein bisher schwierigster Auftrag“, sagt Adi Schmid. „Besonders schwer zu schnitzen waren die einzelnen Durchbrüche, die mitten durch das Holz gehen, wie zum Beispiel bei den Beinen des Maultiers.“ Eher ungewöhnlich ist auch, dass die Figur draußen steht, wo sie UV-Strahlung und Wetter ausgesetzt ist. Um sie vor Feuchtigkeit zu schützen, muss sie mehrmals mit einem speziellen Lärchenöl behandelt werden.

Für die nächsten 100 Jahre

Pünktlich zum Gedenktag der Veteranen am Freitag, 11. September, soll die Holzfigur wieder auf dem Brunnen thronen. „Ich hoffe, dass sie dort die nächsten 100 Jahre steht“, sagt der gebürtige Tannheimer, der vor gut eineinhalb Jahren nach Schwangau kam. „Vor allem aber bin ich sehr dankbar und auch etwas stolz, dass ich mich hier in gewisser Weise verewigen durfte. Das ist eine Ehre.“

Der Veteranenjahrtag wird heuer mit begrenzter Teilnehmerzahl von den Mitgliedern der Veteranen- und Soldatenkameradschaft Schwangau sowie einer Ehrenabordnung von 25 Bundeswehrsoldaten begangen. Die Patenkompanie des Gebirgsaufklärungsbataillons 230 wird von Major Sebastian Zank angeführt. Am Freitagabend marschieren sie gemeinsam vom Rathaus zur Pfarrkirche Sankt Maria und Florian. Nach dem Gottesdienst in Waltenhofen wird mit einer Kranzniederlegung am Ehrenmal neben der Kirche an die gefallenen Kameraden der Kriege gedacht. Im Anschluss daran ziehen Veteranen und Soldaten zum Gebirgsjägerbrunnen im Kröb, wo die „Zwei Kameraden“ in neuer Gestalt von Pfarrer Markus Dörre gesegnet werden, teilt die Gemeinde mit.