Kurze Abkühlung am Samstag

Rettungskräfte im Dauereinsatz, niedrige Pegelstände und Autopannen: So wirkt sich die Hitze im Allgäu aus

Wandern in den Bergen kann bei hohen Temperaturen gefährlich werden. Die Bergwacht empfiehlt, möglichst früh loszulaufen.

Wandern in den Bergen kann bei hohen Temperaturen gefährlich werden. Die Bergwacht empfiehlt, möglichst früh loszulaufen.

Bild: Ralf Lienert

Wandern in den Bergen kann bei hohen Temperaturen gefährlich werden. Die Bergwacht empfiehlt, möglichst früh loszulaufen.

Bild: Ralf Lienert

Tagelang liegen die Temperaturen im Allgäu über 30 Grad. Warum die Bergwacht deshalb teils zehn Mal täglich ausrückt und warum weniger Strom erzeugt wird.
06.08.2022 | Stand: 07:21 Uhr

Schwitzen war für viele Allgäuerinnen und Allgäuer in den vergangenen Tagen und Wochen an der Tagesordnung. Jetzt gibt es eine kleine Abkühlung: Eine schwache Kaltfront zieht am Wochenende über die Region und gönnt dem erhitzten Gebiet eine kurze Pause, sagt Lothar Bock vom Deutschen Wetterdienst.

Im Laufe der kommenden Woche steige die Temperatur aber wieder auf ein hochsommerliches Niveau. In der Meteorologie spricht man laut Bock von einem heißen Tag, wenn die Höchsttemperatur 30 Grad und mehr erreicht. Jüngst war das beispielsweise in Memmingen (32 Grad) und Kempten (30,3 Grad) der Fall. Doch wie wirkte sich die Hitze auf die Region aus?

  • Bergwacht: „In den vergangenen Tagen hat es viele Einsätze in den Allgäuer Bergen gegeben“, sagt Peter Haberstock, Geschäftsstellenleiter der Bergwacht Allgäu. Bis zu zehn Mal am Tag mussten die Bergretter ausrücken – häufig wegen Herz-Kreislauf-Beschwerden. Wegen der hohen Temperaturen empfiehlt Haberstock Wanderern, möglichst früh loszulaufen. „Wenn es geht, sollte man auf der Nord- oder Westseite aufsteigen, wo man zumindest zeitweise vor der prallen Sonne geschützt ist“, sagt der Geschäftsstellenleiter. Außerdem sollte man auf Gewitter achten und „mehr zum Trinken mitnehmen als man Durst hat“.

Hitze im Allgäu: Rettungskräfte sind im Dauereinsatz

  • Seen: Hitze bedeute für die Rettungskräfte Dauereinsatz, heißt es seitens der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Immer wieder komme es zu Kreislaufversagen nach Sonnenstichen oder Hitzeerschöpfung, berichtet die DLRG Bayern. Die Retter warnen: „Die Seen haben jetzt einen niedrigen Wasserstand. Deshalb nicht in den See springen wie gewohnt – das kann zu lebensgefährlichen Verletzungen führen!“ Am Forggensee, einem der größten Gewässer Bayerns, verlief die Hitzeperiode laut Wasserwacht Füssen bislang glimpflich. Auch hier sei wichtig: Sonne meiden und viel trinken.
Immer wieder betonen Retungsdienste und Wasserwachten: Sonne meiden und viel trinken!
Immer wieder betonen Retungsdienste und Wasserwachten: Sonne meiden und viel trinken!
Bild: Matthias Becker (Symbolbild)
  • Pflegeeinrichtungen: Je wärmer es ist, desto stärker wird das Herz-Kreislauf-System beansprucht, um die Hitze auszugleichen. Gerade für ältere Menschen können heiße Tage eine Belastung darstellen. „Zur Zeit bleiben viele Senioren lieber in ihren kühlen Zimmern, anstatt an Veranstaltungen teilzunehmen“, sagt Andrea Steffen, stellvertretende Einrichtungsleiterin des Seniorenzentrum Durach (Oberallgäu). Dennoch versuche man, ihnen die Tage so angenehmen wie möglich zu gestalten: „Es ist wichtig, dass viel Wasser getrunken wird, außerdem haben wir schöne Plätze im Schatten gestaltet und ein Becken zum Kneippen gibt es auch. Eiskaffee ist gerade ein Dauerbrenner.“ Für die Zukunft denke man über bauliche Veränderungen nach. „Wir schauen zum Beispiel, wo und wie Klimaanlagen nachgerüstet werden können“, sagt Steffen.

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Erika Arndt beim Kneippen: So kühlt sich die 101-jährigen Erika Arndt im Seniorenzentrum Durach ab.
Erika Arndt beim Kneippen: So kühlt sich die 101-jährigen Erika Arndt im Seniorenzentrum Durach ab.

Auch Autos leiden unter der Hitze: Der ADAC rückt deutlich öfter aus

  • Verkehr: Die Pannenhelfer des ADAC müssen bei Hitze deutlich öfter ausrücken. „Im Allgäu haben wir durchschnittlich 85 Einsätze pro Tag“, erklärt ADAC-Südbayern-Sprecher Alexander Kreipl. In der Sommerzeit von Juni bis September gebe es Tage, an denen sich dieser Wert auf 140 erhöhen könne, vor allem an Wochenenden. Ursachen seien oft schlappmachende Batterien oder fehlende Kühlflüssigkeit. Stauberater, die auf dem Motorrad unterwegs sind und Reisende mit Informationen und notfalls Getränken versorgen, hat der ADAC jedoch nur auf der A8, der A9 und der A99 im Einsatz. Doch auch im Allgäu gibt es solche Helfer. „Unsere Motorradstreife ist am Wochenende und feiertags unterwegs und übernimmt zum Beispiel auf der A7 die Staubetreuung und kann Menschen bei Bedarf Wasser bringen“, erklärt Alexander Schwägerl, Oberallgäuer Kreisgeschäftsführer des Roten Kreuzes.
Ein Schwimmer ist am Mittwochvormittag beim Baden im Forggensee bei Füssen. Die niedrigen Pegelstände könnten für die Schiffahrt zum Problem werden.
Ein Schwimmer ist am Mittwochvormittag beim Baden im Forggensee bei Füssen. Die niedrigen Pegelstände könnten für die Schiffahrt zum Problem werden.
Bild: Benedikt Siegert
  • Schifffahrt: Der heiße Sommer wirkt sich auf die Schifffahrt auf dem Bodensee aus. So wird derzeit die Anlegestelle in Bad Schachen zwischen Lindau und Wasserburg von den Ausflugsschiffen nicht angefahren, weil dort der Wasserstand zu niedrig ist beziehungsweise das gefahrlose Einsteigen gerade für Menschen mit Behinderung nicht mehr gewährleistet sei, sagt Christopher Pape von den Bodensee-Schiffsbetrieben. Die Schiffe der Städtischen Forggenseeschifffahrt können derweil uneingeschränkt fahren, sagt Füssens Stadtsprecher Felix Blersch. „Wir gehen auch für die nächsten Tage nicht davon aus, dass es durch die Hitze zu Einschränkungen kommt.“

Hitze und niedrige Pegelstände im Allgäu: Auch Fischen bereiten die Temperaturen Probleme

  • Wasserkraft: 20 bis 30 Prozent – um diesen Wert liegt man beim Allgäuer Überlandwerk (AÜW) in diesem Juli unter der Prognose für die Stromerzeugung, sagt Sprecher Stefan Nitschke. Denn Hitze und Trockenheit wirken sich auf die Pegelstände aus, „ein Abendgewitter bringt uns hier nicht viel“. Sorgen mache man sich deshalb jedoch noch nicht. „Das ist nicht unüblich, wir haben das zum Beispiel auch, wenn der August trocken ist oder im April nur wenig Schnee schmilzt.“
  • Fische: Auch Fischen bereitet die Hitze Probleme. „Sie ziehen sich soweit sie können in die kälteren Oberläufe der Flüsse zurück, oft stehen dabei aber Wehre im Weg“, erklärt Thomas Funke vom Landesfischereiverband Bayern. Aktuell könne man davon ausgehen, dass in Regionen wie dem Allgäu „mehr Fische als üblich da sind“. Große Fischsterben gebe es derzeit nicht, beispielsweise im Lech verendeten jedoch einzelne Huchen. „Deren Bestand ist so gering, dass das ins Gewicht fällt“, warnt Funke.

Wie das Wetter in den kommenden Tagen wird lesen Sie hier in unserer 7-Tage-Vorschau.

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