TV Immenstadt in der Handball-Landesliga

Auf glühenden Kohlen: TVI-Handballer nehmen Fahrt auf

TV Immenstadt Handball Mannschaftsvorstellung

Mit dieser Mannschaft greifen die Handballer des TV Immenstadt in der Landesliga-Saison 2021/22 an.

Bild: Daniel Kopatsch

Mit dieser Mannschaft greifen die Handballer des TV Immenstadt in der Landesliga-Saison 2021/22 an.

Bild: Daniel Kopatsch

Pausen, Restarts, Stopps und Neubeginne: Der TV Immenstadt hat das Warten satt. Nun nehmen die „Grünen“ Fahrt auf – Samstag geht’s nach Herrsching
15.10.2021 | Stand: 18:10 Uhr

Mihaly More ist ein geduldiger Mann. Das war der Ex-Handball-Profi auf der Platte früher keinesfalls – heute aber ist der 51-Jährige weitaus ruhiger geworden. Allmählich aber hält auch More das Warten nicht mehr aus. „Wir haben so viele Pausen gehabt, dass ich das nicht mehr hören kann“, sagt der Coach des TV Immenstadt. „Es wird endlich Zeit, dass wir anfangen.“

Dabei haben seine Landesliga-Handballer nicht nur – wie der Rest des Amateursports – die zwei entnervenden Pausen während, zwischen und nach den Lockdowns erlebt. Im Herbst, da der Sport wieder an Fahrt aufnimmt, durfte auch der TVI einmal in den Spielbetrieb schnuppern, ging dürftig vorbereitet und noch nicht vollzählig in Dietmannsried mit 20:33 unter – und musste sich „spielplanbedingt“ erneut einen Monat gedulden. Nun aber ist Schluss. Die „Grünen“ nehmen Fahrt auf.

Am Samstag läuft das Team ab 19.30 Uhr auswärts beim TSV Herrsching auf – eine Woche später kommt Würm-Mitte zum ersten Heimspiel. Wir blicken mit More auf die Vorbereitung, auf Schlüssel zur Motivation und auf die Neuen.

Die Suche nach dem Rhythmus

Für More ist vor allem die jüngste, vierwöchige Pause nach nur einem Saisonspiel ein Unding. „Es ist sehr schade, dass wir so einen Spielplan haben, weil wir das Spiel mit Dietmannsried gerne verschoben hätten“, sagt der TVI-Coach. „Das war alles sehr unglücklich. Aber wir haben versucht, diese neue Pause mit einem Testspiel gegen Kempten-Kottern aufzufangen.“

Vorbereitung – ein zähes Ringen

Schon der zweite Restart ist nicht nach Mores Plänen verlaufen. Anfang Juni hat der Ungar die Vorbereitung auf die neue Saison 2021/22 mit seinen Landesligahandballern aufgenommen. Aufgrund privater Verpflichtungen, Impfungen und teilweiser Quarantäne konnte allerdings erst in den vergangenen Wochen mit voller Kapelle trainiert werden. „Das Problem kennen wir aus unseren Ligen – Amateurspieler bekommen unterschiedliche Zeitpunkte für Urlaube und haben unterschiedliche Pläne“, sagt More. „Damit muss man kalkulieren – das haben alle anderen Clubs auch. Ich habe gelernt, damit zu planen.“

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Für die Spieler, die er zur Verfügung hatte, hätten sich die Inhalte der Trainingssteuerung dabei von alleine geklärt, sagt More – an Methodik und Taktik war nicht zu denken. „Wir mussten alle wieder an den Ball gewöhnen, das war die erste Regel“, sagt der Ex-Profi. „Wir hatten zwei Monate Online-Training – deshalb war die Fitness auch nie das Problem. Aber es war wichtig, dass die Jungs wieder mit dem Ball umgehen.“ Körperliche Defizite infolge der Lockdowns habe er nicht festgestellt – „außerdem hatten wir genug Zeit daran zu arbeiten.“

Vier Testspiele haben die „Grünen“ in der Vorbereitung absolviert – dabei gab es gegen die unterklassigen Gegner TV Waltenhofen (zweimal), SG Kaufbeuren/Neugablonz und SG Kempten-Kottern vier Siege. Die Tests habe er genutzt, um Automatismen einzustudieren – aufgrund wechselnder Besetzungen jedoch kein leichtes Unterfangen.

Neue Kraft im Rückraum

Das Positive: Der Kader verzeichnet keine Abgänge. Einzig der Verbleib des Rückraum-Hünen Aleks Italo ist noch offen – der Kroate soll noch im Oktober wieder zum Kader stoßen. Mit dem 24-jährigen Ungarn Tibor Erdelyi verstärkt ein vielversprechender Rückraumspieler (tendenziell halbrechts) das Team. Tim Tschaffon (19, Linksaußen und Rückraum), Torhüter Miguel Pires (19) und Bartol Kurilic (18, Außen) gelten als Talente für die kommenden Jahre und sollen behutsam an die Landesliga herangeführt werden.

Der Mix im Kader stimmt wieder

Nach wie vor mit an Bord sind die Routiniers Benjamin Krämer, Cristian Savlovschi, Darius Apolzan und Torhüter Simon Weigl. Das Bindeglied zwischen Jung und Alt werden die gestandenen Landesliga-Akteure um Sebastian Engl, Jonas Becker, Davor Brtan, Florian Czitron, Tobias Fügenschuh und Franz Holzmann bilden. Einer der „Gewinner“ des Lockdowns – ist Patrick Harris. Das Eigengewächs auf der Außenbahn ist nach seinem überstandenen Kreuzbandriss endgültig zurück.

Keine Frage der Motivation

„Die Jungs geben Vollgas und können es kaum erwarten“, sagt More, der motivationstechnisch nicht allzu viel gegen die „Warteschleife“ arbeiten musste. „Vom Gefühl her ist die Stimmung sehr gut – und das, obwohl wir einen kleinen Kader haben“, sagt More. „Nach dem langen Sofasitzen über Monate musste man die Jungs nur etwas antreiben, dass sie sich wieder an Trainingsstrukturen gewöhnen – nun ist die Motivation aber auf Top-Niveau.“

Halbe Liga kämpft um die Klasse

Und das wird der TVI brauchen – denn die Landesliga-Staffel Südwest hat es in sich. Durch die Neustaffelung steigen drei von neun Teams direkt ab, der Viertletzte spielt Relegation. „Allach und Dietmannsried werden den Titel ausspielen – aber sicher nichts mit dem Abstieg zu tun haben“, sagt More. „Und dahinter sieht man schon, dass kein Platz zum Ausruhen ist. Alle anderen können in Probleme für den Klassenerhalt kommen.“ Entsprechend hält sich der 51-Jährige auch in Sachen Saisonziel zurück. „Jeden Spieler zu entwickeln – Jung und Alt – auf seinem Niveau, das ist mein Ziel“, sagt Mihaly More: „Und ganz ehrlich: In der Liga bleiben wäre ein Traum – das wäre wie der Gewinn der Champions League.“

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