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Bad Hindelang ist Fairtrade-Gemeinde: Was hinter der Auszeichnung steckt

Bad Hindelang ist Fairtrade-Kommune und setzt auch auf Bio- und Regionalprodukte.

Bad Hindelang ist Fairtrade-Kommune und setzt auch auf Bio- und Regionalprodukte.

Bild: Markus Scholz, dpa (Symbolbild)

Bad Hindelang ist Fairtrade-Kommune und setzt auch auf Bio- und Regionalprodukte.

Bild: Markus Scholz, dpa (Symbolbild)

Bad Hindelang wurde als Fairtrade-Gemeinde ausgezeichnet. Wie kommt es dazu? Und bringt der Kauf von Fairtrade-Produkten uns wirklich einer besseren Welt näher?
11.12.2020 | Stand: 05:30 Uhr

Bad Hindelang ist nach Oberstdorf, Sonthofen, Immenstadt und Durach die fünfte Fairtrade-Kommune im Oberallgäu. Die Anerkennung sollte in einem Festakt im Kurhaus gefeiert werden. Aber Corona machte der Gemeinde einen Strich durch die Rechnung. Ebenso wurde die geplante Ausstellung über die Grundsätze des fairen Handels auf unbestimmte Zeit verschoben. Allerdings: 150 Kindergartenkinder haben einen Nikolaus aus fair gehandelter Schokolade anlässlich der Anerkennung bekommen.

Bad Hindelang ist 740. Fairtrade-Town in Deutschland

„Wir freuen uns sehr. Eine lange Zeit haben wir darum gekämpft“, sagt Karin Agerer von der Fairtrade-Steuerungsgruppe Bad Hindelang. 2019 hatte sie mit ihrer Mitstreiterin Michaela Bentele den Plan im Gemeinderat vorgestellt, jetzt ist es soweit. Bad Hindelang ist 740. Fairtrade-Kommune in Deutschland und gehört „zu den über 2.000 Städten und Gemeinden in der Welt, die sich aktiv für den fairen Handel auf unserem Planeten einsetzen“, sagt Bürgermeisterin Dr. Sabine Rödel. Sie fügt an: „Die Auszeichnung macht uns sehr stolz, ist aber zugleich eine Verpflichtung.“

So gelte es, nicht nachzulassen, damit die Unterstützung des fairen Handels bei immer mehr Menschen in Bad Hindelang „zur Herzenssache wird“. Besonders wichtig sei die Vorbildwirkung. Kinder sollten „ganz selbstverständlich mit dem Wissen um die Bedeutung des fairen Handels aufwachsen, damit die Welt von morgen eine gerechtere wird“.

Agerer, Bentele und die anderen aktiven Gruppenmitglieder (Angie Kaufmann, Bärbel Witt und Gemeinderat Reinhard Pargent) setzen sich dafür ein, dass im Hindelanger Einzelhandel und in der Gastronomie mehr fair gehandelte Produkte Einzug halten. „Wir haben uns bio, regional und fair auf die Fahnen geschrieben“, sagt Agerer.

"Das macht kleinbäuerliche Betriebe kaputt"

Sie ist Bio-Bäuerin, im Gentechnik Arbeitskreis „GENial“ (für ein Allgäu ohne grüne Gentechnik) und sie setzt sich für kleinbäuerliche Betriebe ein. Das ist bei uns wichtig, „ist es aber in der Dritten Welt umso mehr“. Agerer kritisiert, dass in Europa zuviel produzierte Milch als Milchpulver verarbeitet in der Dritten Welt landet. „Das macht dort die kleinbäuerlichen Betriebe kaputt.“

Diese kleinen Höfe, meist von Frauen geführt, seien aber wichtig, um die Ernährung in vielen Teilen Afrikas zu sichern. Agerer: „Eine Kooperation über Fairtrade kann eine Stärkung der Frauen in der Dritten Welt bewirken.“ Es gehe darum, „globale Solidarität zu leben“.

Faire Frühstücksvormittage beim Bio-Bauernmarkt

Zwei Jahre lang gelte nun die Auszeichnung als Fairtrade-Gemeinde. Dann gehe es darum, sich zu beweisen und die Re-Zertifizierung zu erlangen. In Bad Hindelang sei schon einiges erreicht worden, unter anderem gibt es „faire Frühstücksvormittage“ beim Bio-Bauernmarkt, außerdem wurde die Sophie-Scholl-Schule in Oberjoch 2019 als Fairtrade-Schule ausgezeichnet.

Die Bürgermeisterin sagt: „Bad Hindelang kann sich glücklich schätzen, noch 63 landwirtschafltiche Betriebe zu haben, zudem noch Metzgereien und Bäckereien, die handwerklich hochwertige Produkte herstellen.“ Der Gemeinderat entschied 2019 unter anderem, dass die Gemeinde (einschließlich Schule) Wurst, Fleisch, Milch, Käse und Butter soweit möglich regional und in Bioqualität verwendet. In Bad Hindelang gibt es viele Bio-Bauern, alle Landwirte verzichten im Rahmen einer Vereinbarung mit der Gemeinde (Bad Hindelang – Natur und Kultur) auf Kunstdünger.

Viehfutter ohne Gentechnik

90 Prozent des benötigten Futters werden innerhalb des Gemeindegebietes erzeugt – ohne Gentechnik. Ziel der Gruppe um Agerer ist es, nun eine Zertifizierung als „bio-regional-faire Gemeinde“ zu erlangen: „Mit jedem Kauf eines fair gehandelten Produkts machen wir die Welt ein Stückchen besser und unterstützen die Arbeit der Bauern im globalen Süden.“ Um noch mehr Mitstreiter zu gewinnen, soll bald regelmäßig ein Fairtrade-Stammtisch stattfinden.

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