Grüntenstafette feiert furioses Comeback

Rekorde und "Rasende Hasen": Der Wahnsinn am Grünten ist zurück

Grüntenstafette 2021

Das Spektakel ist zurück! 188 Teams und damit 1128 Sportler wagten sich beim Comeback nach der Corona-Pause an die 16. Grüntenstafette. Der Sturm auf den Wächter des Allgäus startete traditionell am Flugplatz in Agathazell und führte den Sechskampf einmal auf den Grünten und zurück.

Bild: Dominik Berchtold

Das Spektakel ist zurück! 188 Teams und damit 1128 Sportler wagten sich beim Comeback nach der Corona-Pause an die 16. Grüntenstafette. Der Sturm auf den Wächter des Allgäus startete traditionell am Flugplatz in Agathazell und führte den Sechskampf einmal auf den Grünten und zurück.

Bild: Dominik Berchtold

1128 Starter feiern das Comeback des Spektakels in Burgberg. Völlig überraschend siegt der SV Oberreute mit Streckenrekord. Die Stars loben das Event.
26.09.2021 | Stand: 21:15 Uhr

24 Monate hatte er seine Ruhe – am Samstag kehrte das Spektakel am Wächter des Allgäus zurück. Und wie: Mit 188 Teams und damit 1128 Startern feierte die Internationale Grüntenstafette in ihrer 16. Auflage ein starkes Comeback nach der Corona-Pause im vergangenen Jahr. Dabei gab es beim beliebten Sechskampf des TSV Burgberg zum Abschluss der Ausdauersport-Saison heuer Premieren, Rekorde und „einen Haufen abartig glücklicher Menschen“, wie Triathlon-Legende und Kommentator Hannes Blaschke schwärmte.

Allen voran verblüffte der SV Oberreute mit dem ersten Sieg in der 27-jährigen Stafetten-Geschichte die Konkurrenz. Das junge Team der Westallgäuer pulverisierte in der Zeit von 1:50:58 Stunde zudem den Streckenrekord von „Sport Haschko“ aus dem Jahr 2019, der bei 1:52:33 gelegen hatte. „Der Rekord war nie ein Thema für uns“, sagte DSV-Langläufer und Schlussläufer Jakob Milz. „Wir sind jung, wild, megafit und das Ganze hat eine unglaubliche Dynamik aufgenommen.“ Wie die Stafette auch.

Rydzek, Eisenlauer, Pulfer und Neef am Start

Schon früh am Morgen schien der Grünten bereit für das Spektakel: Keine Wolke, nicht einmal der für die Nordseite und die Jahreszeit übliche Nebel verhüllte den Gipfel am Vormittag. An seinem Fuße kam es am Startgelände am Flugplatz in Agathazell zum Stelldichein des „Who is who“ der Oberallgäuer Sportszene. Schon in der ersten Gruppe waren mit Johannes Rydzek, Sebastian Eisenlauer, Simon Pulfer, Johannes Hillebrand und Sebastian Neef klangvolle Namen vertreten. „Es ist immer wieder cool, bei der Stafette dabei zu sein – ich bin mindestens genauso aufgeregt, wie bei den Weltcups“, sagte Rydzek. „Man kennt schließlich die Konkurrenz nicht, das ist bei uns anders. Man kann niemanden einschätzen, wer hier Vollgas gibt am Anfang.“ Und die Favoriten separierten sich bald vom Rest.

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Comeback der Grüntenstafette in Burgberg

Bis zum ersten Wechsel bei der Zötler Brauerei hatte Luca Hilbert sein Team SV Oberreute nach 21:03 Minuten in Führung gebracht. Dahinter lagen schon zu dem Zeitpunkt überraschend die Masters-Läufer von Sport Reischmann (alle sechs Athleten gemeinsam mindestens 250 Jahre alt) mit 30 Sekunden Rückstand und das Team „endless local“ (+37). Das hocheingeschätzte „Allgäu Outlet Raceteam“ mit Hillebrand lag auf Rang vier (+40).

Große Gala der Westallgäuer vom SV Oberreute

Für den SVO verteidigte Georg Steinhauer den Vorsprung auf dem Rennrad – mit neuem Rekord von 17:09 Minuten – vor dem „Raceteam“ mit Christoph Wachter (+1:33). Doch spätestens der 20-jährige deutsche Meister im Skibergsteigen, David Sambale, sorgte für klare Verhältnisse. Der Immenstädter brachte die Westallgäuer vom SVO auch sicher zum Gipfel und erhöhte den Vorsprung sogar noch auf 2:11 Minuten vor den „Reischmann-Masters“. Erst mit knackigen fünf Minuten Rückstand kam „Outlet-Racer“ Florian Pasztor am Jägerdenkmal an.

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Über den Alpinlauf mit Sebastian Milz und das Mountainbike-Stück mit dem Sieger des Zötler Gold Races von 2019, Franz Schlachter, ging letztlich Jakob Milz mit dem beruhigenden Vorsprung von über vier Minuten in das 5-km-Straßenlauf-Finale. Der 21-jährige Langläufer wurde dem Stafetten-Titel als „Heimläufer“ gerecht und belohnte die jungen Westallgäuer mit dem Fabelrekord und dem Premierensieg. Dahinter landete das Sonthofer „Outlet-Raceteam“ mit 5:42 Minuten Rückstand vor den furiosen Masters von „Sport Reischmann“ (6:12). Bestes Frauenteam wurde „Laufsport Saukel b_faster“ in 2:25:50 vor „Hasen am Rasen“ (+5:07).

Generationswechsel im OK-Team des TSV Burgberg

Dieser sportlichen Wachablösung nach zuletzt fünf Erfolgen von Seriensieger „Sport Haschko“ folgt allmählich auch eine im Orga-Team der Stafette. 27 Jahre nachdem die Gründerväter Max Uhlemayr, Dieter Eisenlauer und Lothar Dethels 1994 erstmals die „Grüntenstafette“ veranstalteten, übernahmen spätestens mit der 2021er Auflage der TSV-Vorsitzende Dirk Studte und sein Stellvertreter Julian Uhlemayr, Neffe des Gründers, das Zepter – unterstützt wird der Verein bekanntlich vom Team „808project“ aus Immenstadt. „Wir hatten heuer einen Mehraufwand durch die 3G-Regeln, die Absperrungen am Gelände und durch den Ansturm beim Eingang“, sagte Studte. „Aber es ist schön zu sehen, wie die Athleten reagieren. Über die Jahre haben die Ansprüche, was Shuttles und Gepäcktransport betrifft, zugenommen. Heuer herrscht viel Demut und enorme Dankbarkeit.“

Und entsprechend machte sich nach dem Zieleinlauf der ersten Sechser-Teams bei allen Beteiligten nach und nach Entspannung breit. „Wir sind alle happy, dass wir dieses Fest wieder feiern dürfen“, sagte Hannes Blaschke. „Sportlich sind wir schon wieder bei 100 Prozent und auch wenn gesellschaftlich noch die Handbremse angezogen ist. Man sieht, wie die Leute alles annehmen und danach lechzen, wieder gemeinsam Dinge erleben zu können.“ Das sah auch ein Mann der ersten Stunde, Dieter Eisenlauer, so: „Wir haben in diesem Jahr früh gespürt, dass das Flair unter den Sportlern wie immer ist. Bisher haben wir immer gedacht, dass die Heldenfeier abends ein Magnet ist – wir sehen aber, dass es den Leuten auch um das Zusammensein geht. Dafür ist die Grüntenstafette so einmalig.“

Kuriose Namen: Spätzle, Bananen und Nacktschneckenerschrecker

Den Fun-Charakter unterstrichen auch im 27. Jahr der Stafette die Meldungen, die zum Schmunzeln bringen. Neben der „Spätzle Connection 2.0“ starteten auch „Untrainiert und überhopft“, das Team „Erster-nach-dem-vor-uns“ und „i ho dè Jägar gseah“. Muskelkaterverbote gab es dabei sicher für die Teams „Ajax Wadenstramm“ mit den Leichtathleten aus Untermaiselstein, der „Stiftung Wadentest“ und die „Nacktschneckenerschrecker“.

Übrigens: Dass ein Ulk-Name allein schon sämtliche Ambitionen ausschließt, widerlegte einmal mehr „Banana Joe“. Die gelben Helden mit Ausnahme-Läufer Simon Pulfer, Berg-Floh David Kögler und APM-Ultra-Sieger Michael Zweigart wurden bei der zehnten Teilnahme Neunter. Über allem allerdings stand an diesem Spätsommertag – darin waren sich Stars, Hobbyläufer und Gründerväter einig – das furiose Comeback des Spektakels. „Wenn ich sehe, was hier los ist, bin ich entspannt“, sagte Max Uhlemayr. „Die Jugend macht’s und macht das gut. Und ich weiß, dass es gut um die Stafette bestellt ist.“