3,9 Millionen investiert

Mehr Wasserkraft im Kraftwerk von Hinterstein

Das neue Konrad-Zuse-Kraftwerk in Hinterstein: 500.000 Kilowattstunden im Jahr werden dort erzeugt. Das Besondere daran: Zwei Wasserschnecken, Röhren, die links in das Gebäude ragen. Dort können Wasserlebewesen wie Fische auf- und abschwimmen.

Das neue Konrad-Zuse-Kraftwerk in Hinterstein: 500.000 Kilowattstunden im Jahr werden dort erzeugt. Das Besondere daran: Zwei Wasserschnecken, Röhren, die links in das Gebäude ragen. Dort können Wasserlebewesen wie Fische auf- und abschwimmen.

Bild: Felix Weise

Das neue Konrad-Zuse-Kraftwerk in Hinterstein: 500.000 Kilowattstunden im Jahr werden dort erzeugt. Das Besondere daran: Zwei Wasserschnecken, Röhren, die links in das Gebäude ragen. Dort können Wasserlebewesen wie Fische auf- und abschwimmen.

Bild: Felix Weise

Der 3,9-Millionen-Euro-Bau ist nach gut einem Jahr beendet. Ein zusätzliches Werk in Hinterstein erzeugt 500.000 Kilowattstunden Strom mehr im Jahr.
10.08.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Die Allgäuer Kraftwerke GmbH hat die Bauarbeiten für die energetische und ökologische Sanierung der Wehranlage am Wasserkraftwerk in Hinterstein vor Kurzem fertiggestellt. Bei dem Projekt wurde die im Jahre 1897 erbaute Wehranlage vollständig saniert. Damit entstand eine neue und innovative Technik mit zwei Wasserkraftschnecken: eine größere für den Fischabstieg und zur Erzeugung elektrischer Energie (115 kW) und eine kleinere Schnecke für den Fischaufstieg. Die Schnecken ermöglichen Wasserlebewesen wie Fischen ein Durchkommen.

Das Kraftwerk Hinterstein ist das älteste Wasserkraftwerk der Allgäuer Kraftwerke, es wurde 1897 in Betrieb genommen und im Jahr 2000 modernisiert. Bei einer jährlichen Stromerzeugung von 1,5 Millionen Kilowattstunden ist das genug, um ungefähr 500 Haushalte mit Energie zu versorgen. Jetzt kommen 500 000 Kilowattstunden im Jahr dazu durch das neue, ungefähr 500 Meter bachaufwärtsgelegene Krafthaus. Die Gesellschaft investierte 3,9 Millionen Euro in Sanierung und Neubau.

"Regionaler Beitrag zur Energiewende"

Ziel war dort der Ausbau der Wasserkraft unter Berücksichtigung energetischer und ökologischer Aspekte, „um damit einen regionalen Beitrag zur Energiewende zu leisten“, sagt Karlheinz Loitz, Prokurist der Allgäuer Kraftwerke GmbH. „Mit den Wasserkraftschnecken nutzen wir das festgelegte Restwasser, das dafür sorgt, dass die Ostrach im Kraftwerksabschnitt immer Wasser führt und erzeugen regenerativen Strom“, sagt Loitz. Neben der Energieerzeugung werde das Gewässer als Lebensraum gestärkt, unter anderem durch die Durchgängigkeit für Wasserlebewesen in beide Richtungen.

Anders als bei der Verbrennung von Energieträgern wie zum Beispiel Kohle, arbeite die Wasserkraftschnecke nachhaltig, ohne Schäden für die nächste Generation anzurichten. Sie wirke auch mit geringer Beeinträchtigung der Fischpopulation und der Wasserfauna. „Bis zum Spätherbst des nächsten Jahres läuft noch ein unabhängiges ökologisches Monitoring, um die Funktionalität der entstandenen Wasserkraftanlage entsprechend zu überprüfen“, sagt Loitz.

Konstante Stromgewinnung - Wasser der Ostrach fließt fast immer

Die Wasserkraft ist für die Stromversorgung neben der Wind- und Sonnenenergienutzung eine bewährte regenerative Energiequelle in Deutschland. Die Wasserkraft erzeugt über 20 Prozent des Stroms der erneuerbaren Energien. Ein Vorteil dieser Energiequelle besteht in der zeitlich recht konstanten Bereitstellung von Energie. Kurzum: Das Wasser der Ostrach fließt fast immer. Somit kann am Wehr auch immer Strom erzeugt werden.

Die Anlage bei Hinterstein ist, neben einer Versuchsanlage des Herstellers, die erste ihrer Art zur kommerziellen Nutzung in Deutschland. „Wir leisten mit unserem neuen Wasserkraftwerk einen wichtigen Beitrag für Umwelt, Klima und Energiewende“, sagt Dr.Hubert Lechner, Geschäftsführer der Allgäuer Kraftwerke GmbH. Energieerzeugung und Ökologie müssten sich nicht zwangsläufig ausschließen.

Das neue Kraftwerk an der Wehranlage hat den Namen „Konrad-Zuse-Kraftwerk“, in Erinnerung an den deutschen Bauingenieur Konrad Zuse (1910-1995) der 1941 die „Z3“ vorgeführt hat, den ersten frei programmierbaren Rechner der Welt. Konrad Zuse wohnte unter anderem eine Zeitlang in Hinterstein. Bald soll es an der Wehranlage mit dem neuen Wasserkraftwerk einen Tag der offenen Tür geben.

Der Schrecksee im Allgäu bei Hinterstein ist ein beliebtes Ziel für eine Wanderung. Was Sie auf keinen Fall an dem Bergsee oberhalb von Hinterstein tun sollten.