Wespenplage

Oberallgäu: Der Kampf um den Zwetschgendatschi

Wespen nerven, sind aberauch sehr nützlich.

Wespen nerven, sind aberauch sehr nützlich.

Bild: : Peer Grimm

Wespen nerven, sind aberauch sehr nützlich.

Bild: : Peer Grimm

Wespen gelten als Nervensägen, die Kaffee und Kuchen im Freien zur Plage werden lassen. Dabei haben sie eine wichtige Funktion, sagt ein Oberallgäuer Experte. Ein Apotheker gibt Tipps, wenn man gestochen wird
29.08.2020 | Stand: 05:30 Uhr

Die schwarz-gelb gestreiften Minimonster bedrohen derzeit so manche Kaffeetafel im Freien. Es ist kaum möglich, einen Zwetschgendatschi sowie Apfelkuchen auf dem Balkon oder auf der Terrasse zu verzehren, ohne von den summenden Nervensägen belästigt und terrorisiert zu werden. Wedeln und Pusten macht die Biester nur noch aggressiver. Dabei haben Wespen eine wichtige Funktion in der Natur, sagt Alfred Karle-Fendt, Insektenkundler aus Sonthofen.

„Wespen spielen eine Schlüsselrolle im Öko-System und sorgen für ein Gleichgewicht in bestimmten Gärten“, sagt Karle-Fendt. Wären sie nicht mehr da, würden sich viele andere Insektenarten vermehren und Pflanzen sowie Gartenblumen fressen. Wespen vertilgen Schädlinge wie Läuse, Raupen, Heuschrecken und Fliegen.

Im Allgäu gibt es sieben Wespenarten, berichtet der Sonthofer Insektenkundler. Am häufigsten komme die Deutsche Wespe vor. Das sei die, die sich auf den Obstkuchen setze oder an der Limo nippt. „Die größte Wespe ist die Hornisse“, erklärt Karle-Fendt. Auch sie sei sehr nützlich, indem sie kleinere Wespen verspeist. Neben der Deutschen Wespe komme noch die Feldwespe am häufigsten in der Region vor. Und zwar dort, wo nicht intensiv gemäht wird. „Sie fällt deshalb auf, weil ihre Hinterbeine beim Fliegen weghängen.“ Die aggressive Deutsche Wespe sei heuer vor allem deshalb lästig, weil sie sich aufgrund des heißen und trockenen Aprils stärker als sonst vermehren konnte.

Aber warum haben gerade Wespen einen solch schlechten Ruf, obwohl doch Bienen auch stechen? Und warum unterschreiben Millionen Unterstützer für Bienen bei Volksbegehren? Bienen haben deshalb einen besseren Ruf als Wespen, „weil sie lange Zeit der einzige Zuckerlieferant waren, bevor es industriell hergestellten Zucker gab“, berichtet Karle-Fendt. Ferner sei die Wespe für den Menschen kein Nutztier wie die Biene, sondern ein lästiges Insekt.

„Die Wespe tritt unangenehm auf, und ihr Stich ist nun mal sehr schmerzhaft“, sagt der Oberallgäuer Insekten-Fachmann. Ihre Gier nach zuckerhaltigen Getränken, süßem Gebäck und Kuchen sei dadurch zu erklären, dass gerade geschlechtsreife Wespen viel Zucker brauchen, um schnell zu Energie zu kommen.

Nur wenige wüssten, dass Wespen auch Blüten bestäuben, auch wenn das eher zufällig geschehe. Wespen fressen rund zehn Insekten am Tag.

Ein Wespenstaat besteht aus rund 5000 bis 8000 Tieren. Sie schwirren so zahlreich herum, dass sie als wichtige Nahrungsquelle für andere Tiere gelten. „Zum Beispiel für den Wespenbussard“, sagt Insektenkenner Karle-Fendt. Der Raubvogel habe sich auf Wespen spezialisiert. Aufgrund seines dichten Gefieders kann er nicht gestochen werden. Im Oberallgäu gebe es zwischen zehn bis 20 Brutpaare. Wespenbussarde ernähren sich von den Larven und Puppen der Feldwespen. Auch einige Reptilien und Amphibien fressen Wespen.

Am besten schützt man sich vor den schwarz-gelben Luftpiraten durch eine sogenannte „Ablenkfütterung“, sagt Karle-Fendt. Er stellt zum Beispiel halbfaule Äpfel ein paar Meter weiter neben den Esstisch auf die Terrasse oder den Balkon, um die summenden Plagegeister fernzuhalten.

Stichstelle mit Eis kühlen

Aber was macht man, wenn das nicht hilft und man gestochen wird? Am besten die Stichstelle mit Eis kühlen“, rät Apotheker Arndt Botzenhardt aus Immenstadt. „Oder eine aufgeschnittene Zwiebel auf die verletzte Haut legen. Die Zwiebel wirkt entzündungshemmend.“ Auch Salben gegen Insektenstiche würden helfen. Falls jemand jedoch über starken Blutdruckabfall und Kreislaufbeschwerden klagt, „sollte man den Notarzt rufen“, sagt der Apotheker. Ein Arztbesuch sei auch dann ratsam, wenn die Einstichstelle stark schwillt, heiß wird und schmerzt. „Das könnten Symptome für eine Entzündung sein“, sagt Botzenhardt.