Künstler-Porträt

Künstler Matthias Buchenberg: Ein Wanderer zwischen den Welten

Endlich wieder arbeiten: Matthias Buchenberg fertigt eine Holzskulptur.

Endlich wieder arbeiten: Matthias Buchenberg fertigt eine Holzskulptur.

Bild: Matthias Becker

Endlich wieder arbeiten: Matthias Buchenberg fertigt eine Holzskulptur.

Bild: Matthias Becker

Matthias Buchenberg arbeitet mit Metall, Holz und Stein. Der 56-Jährige ist Künstler, aber auch Handwerker. Mehrfach wurde er ausgezeichnet – zuletzt mit dem Kollegenpreis des Berufsverbandes.
19.12.2020 | Stand: 13:05 Uhr

Endlich kann er sich wieder der Kunst widmen. Matthias Buchenberg hat zwei Jahre lang einen Teil des elterlichen Bauernhauses mitten im Vorderburger Ortsteil Großdorf in Wohnungen verwandelt; deshalb musste das künstlerische Schaffen pausieren. Jetzt steht er wieder regelmäßig in seiner Werkstatt. Eine neue Skulptur entsteht in dem lichtdurchfluteten Raum: eine Frau aus dem Holz eines Kirschbaumes. Ihr unbekleideter Oberkörper ist schon genau geformt, aber am Hals oder an den Beinen gibt es noch einiges zu tun für das Schnitzmesser in Buchenbergs Hand. „Langsam komme ich wieder in Schwung“, sagt Buchenberg.

Parallel zum Neustart hat der 56-jährige Oberallgäuer gerade den „Kollegenpreis“ des Berufsverbandes Bildender Künstler Allgäu/Schwaben-Süd (BBK) erhalten. Damit ehrt der Verband Mitglieder für besonderen ehrenamtlichen Einsatz. Was bei Buchenberg in mehrfacher Weise zutrifft: Zwölf Jahre hat er im Vorstand mitgearbeitet, jurierte bei Ausstellung mit, half bei Hängungen. Verbunden mit dem Kollegenpreis ist normalerweise eine Präsentation von Werken im Rahmen der BBK-Jahresausstellung. Aber normal ist derzeit nichts: Wegen der Pandemie ist nun alles im Internet zu sehen.

Matthias Buchenberg macht auch aus Steinen Kunst

Nach der Baupause ist Matthias Buchenberg mit Holz wiedereingestiegen, also dem Material, mit dem er einst anfing. Aufmerksamkeit in der Allgäuer Kunstszene erregte er allerdings mit seinen Metallobjekten. In vielen Gruppenausstellungen sind seine oft filigranen, grafisch anmutenden Gebilde aus Eisen zu sehen. Er hat dafür inzwischen etliche Preise erhalten. Doch er besitzt noch ein weiteres künstlerisches Standbein. Neben Holz und Metall macht er auch aus Steinen Kunst. Am Eingang seines Hauses, gegenüber der Dorfkapelle, stehen und hängen diese Arbeiten. Und was bevorzugt er? „Gefühlsmäßig zieht es mich mehr zu hartem Material“, sagt er.

Das wundert ein wenig. Schließlich startete Buchenberg, der schon mit 14 Jahren die erste Hobelbank geschenkt bekam, als Schreinerlehrling ins Berufsleben. Doch bald spürte er: Das reicht nicht bis zur Rente, da ist noch mehr Potenzial da. Als 19-Jähriger ging er deshalb nach Elbigenalp im Lechtal, ließ sich dort zum Holz- und Steinbildhauer ausbilden. Das war 1983. Drei Jahre später war er fertig und entschied sich für das Leben eines freiberuflichen Bildhauers. „Meine Welt ist das Dreidimensionale“, sagt Buchenberg. Die Lust am Handwerklichen ist geblieben, das spürt man in den Werken, egal aus welchem Material sie bestehen, egal ob sie figürlich oder abstrakt gehalten sind.

Derzeit arbeitet Buchenberg auch an einer Eisenplastik

Finanziell geht sich das aus, zumal seine Frau, eine Ärztin, zum Einkommen der fünfköpfigen Familie beiträgt. Buchenberg arbeitet nicht nur nach Lust und Laune, sondern erledigt regelmäßig Aufträge. Als Handwerker ist er ein gefragter Restaurator und fertigt auch mal Grabsteine; als Künstler schafft er Werke für den öffentlichen Raum, vorzugsweise für Kirchen und sakrale Bauten. Gerade schweißt und flext er an einem von der Gotik inspirierten „Gnadenstuhl“ für einen Marktoberdorfer Auftraggeber. Diese Plastik entsteht in einem kleinen, kalten Raum, der ein vollkommen anderes Flair versprüht als die Holzwerkstatt. Hier steht ein Schweißgerät, am Arbeitstisch ist ein Schraubstock befestigt, die Flex liegt griffbereit da.

Sowohl bei den Auftragsarbeiten, aber mehr noch, wenn er frei schaffen kann, liebt er das Suchen und Entdecken. Er könnte niemals immer wieder Ähnliches fertigen wie mancher Künstlerkollege, sagt Buchenberg. Dieser Weg ist zwar mühsamer, aber die Ideen scheinen ihm nicht auszugehen. Ist eine Plastik fertig, sei sie oft Geburtshelferin für die nächste. Bei der Suche nach immer neuen Formen lässt er sich gern von Eindrücken jeglicher Art inspirieren. Aus einem Stapel Papier zieht er ausgerissene Seiten und Artikel unserer Zeitung hervor, zeigt auf das Foto eines Kindes, das Islamisten zum jugendlichen Kämpfer ausbilden. Das berührt ihn, daraus möchte er was machen. Im Schaffensprozess gibt er gleichwohl dem Zufall, dem Ungeplanten, Raum. So nimmt er es beim Schweißen der Metallplättchen, die zu Plastiken wachsen, nicht ganz genau. Die Betrachter sollen nicht nur die Form sehen, sondern auch das Material sowie die Spuren und Strukturen des Entstehungsprozesses.