Oberallgäu

Corona-Entlassungen: Ein Drittel der Arbeitslosen sind Ausländer

Corona-Krise: Was machen Absolventen nach dem Studium

Viele ausländische Mitarbeiter im Gastgewerbe wurden nicht in Kurzarbeit geschickt, sondern entlassen.

Bild: Matthias Becker

Viele ausländische Mitarbeiter im Gastgewerbe wurden nicht in Kurzarbeit geschickt, sondern entlassen.

Bild: Matthias Becker

Viele Menschen im Allgäu verdienen ihr Geld im Gastgewerbe und wurden aufgrund der Corona-Krise entlassen. Die Situation könnte sich bald ändern.
11.05.2020 | Stand: 08:38 Uhr

Ein Drittel aller 4462 Arbeitslosen in Kempten und dem Oberallgäu sind Ausländer. Dieser „auffällig hohe Anteil“ hat nach Einschätzung von Reinhold Huber, Pressesprecher der Arbeitsagentur, bekannte, aber auch überraschende Gründe. Ohne ausländischer Mitarbeiter könnten viele Gastwirte ihren Betrieb längst nicht mehr umtreiben, wegen der Corona-Krise wurden viele aber nicht in Kurzarbeit geschickt, sondern entlassen.

Insgesamt arbeiten in der Region überdimensional viele Ausländer ohne jegliche Berufsausbildung, von denen sich Firmen am ehesten trennen. Nicht zuletzt spielen Ausländer – ohne dass die Öffentlichkeit davon Notiz nimmt – im Arbeitsmarkt branchenübergreifend eine immer größere Rolle: Rumänen, aber wie zu besten Gastarbeiterzeiten auch Türken und Italiener sind am Gesamtanstieg bei den sozialversicherten Arbeitnehmern besonders stark vertreten.

Innerhalb eines Jahres kamen der Arbeitsagentur-Statistik zufolge in Kempten 0,4 Prozent mehr deutsche Arbeitnehmer dazu, im Oberallgäu waren es 1,9 Prozent. Vergleicht man die Zahlen mit denen der Ausländer, erscheinen sie unbedeutend: Bei ihnen ging es jeweils um weit über sechs Prozent nach oben.

„Und wenn die Arbeitslosigkeit jetzt steigt“, sagt Pressesprecher Huber, „greift dieser Personenkreis zwangsläufig stärker auf die Sozialsysteme zu“.

Der bemerkenswerte Trend wird so deutlich spürbar, weil im April im Zuge der Corona-Krise vorrangig die Tourismusbranche sowie das produzierende Gewerbe mit Entlassungen begonnen haben und in beiden Bereichen Ausländer überdurchschnittlich betroffen waren. Zusammengenommen meldeten sich hier mehr als 600 Personen arbeitslos.

Lohnniveau ist ungleich höher

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Wohin die hohe Ausländerarbeitslosikeit führt, kann der Arbeitsagentursprecher nicht einschätzen. In Gesprächen mit den Berufsberatern „sagen Ausländer immer wieder, dass sie vorrangig Geld verdienen möchten. Eine berufliche Qualifizierung hat für eine ganze Reihe dieser Menschen nachrangige Bedeutung.“ Sie würden dabei das Lohnniveau im Herkunftsland mit den Verdienstmöglichkeiten in Deutschland vergleichen. Dies ist hierzulande ungleich höher, selbst wenn sie lediglich als ungelernte Helfer angestellt sind. Zwei Drittel aller arbeitslosen Ausländer haben keine abgeschlossene Berufsausbildung.

Mit den weiteren Lockerungen der pandemiebedingten Einschränkungen geht die Arbeitsagentur davon aus, dass die Gastronomie und Hotellerie auch Ausländer wieder händeringend sucht. Eine Berufsberaterin sagt dazu: „Es wird wieder jede Hand gebraucht.“ Ob allerdings alle, die zuletzt entlassen wurden, wieder in diese Branche zurückkehren, ist nach Worten von Huber keineswegs gesetzt: Es habe zahlreiche Fragen nach Umschulungsmöglichkeiten in Berufe gegeben, „in denen es kein ständiges Hin und Her gibt“.