CSU Allgäu

CSU: Thomas Kreuzer will 2023 nicht mehr kandidieren - erste Reaktionen aus Kempten

Thomas Kreuzer aus Kempten sitzt seit 1994 für die CSU im Bayerischen Landtag.

Thomas Kreuzer aus Kempten sitzt seit 1994 für die CSU im Bayerischen Landtag.

Bild: Ralf Lienert

Thomas Kreuzer aus Kempten sitzt seit 1994 für die CSU im Bayerischen Landtag.

Bild: Ralf Lienert

Thomas Kreuzer, Kemptener Landtagsabgeordneter und Fraktionsvorsitzender der CSU im Landtag, hat angekündigt 2023 nicht mehr kandidieren zu wollen.
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Von Allgäuer Zeitung
25.10.2022 | Stand: 21:34 Uhr

Der langjährige Kemptener Landtagsabgeordnete und Fraktionsvorsitzende der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag, Thomas Kreuzer, hat angekündigt 2023 nicht erneut zu kandidieren. Als Motivation für die Entscheidung nennt der Kemptener persönliche Gründe.

Thomas Kreuzer ist seit 1994 direkt gewählter Abgeordneter des Stimmkreises Kempten-Oberallgäu. Bei seinem Ausscheiden war er also 29 Jahre als Abgeordneter tätig.

Kemptener CSU-Größe Thomas Kreuzer kandidiert 2023 nicht mehr

Er war Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Staatsminister in der Bayerischen Staatskanzlei und übt nun seit neun Jahren das Amt des Fraktionsvorsitzenden aus. Er hat erklärt, sein Mandat mit voller Kraft bis zum Ende der Landtagswahlperiode 2023 auszuüben.

Die Überraschung in Kempten ist groß: Dass Thomas Kreuzer bei der Landtagswahl 2023 nicht mehr kandidiert, haben auch langjährige CSU-Weggefährten nicht für möglich gehalten. „Ich hätte nie damit gerechnet, dass er nicht noch einmal kandidiert“, sagt zum Beispiel CSU-Stadtrat Peter Wagenbrenner. „Ich bin schon ein bisschen geplättet.“

(Lesen Sie hier einen Kommentar zum Thema: Nur eine Frage des Alters?)

Peter Wagenbrenner: "Über eine Nachfolge haben wir noch nicht gesprochen"

Wagenbrenner ist seit 2003 einer der Stellvertreter Kreuzers als Kreisvorsitzender der CSU Kempten – und damit der dienstälteste. Trotz seiner Überraschung äußert er Verständnis für den Schritt Kreuzers. Schließlich wäre dieser bei der Wahl 64 gewesen, am Ende der Legislaturperiode fast 70. „Thomas Kreuzer ist ein verdienter Politiker, er hat viel für die Region gemacht“, sagt Wagenbrenner und nennt als Beispiel die Erweiterung der Hochschule Kempten.

Peter Wagenbrenner
Peter Wagenbrenner

Und wie geht es nun weiter? „Über eine Kandidaten-Nachfolge haben wir noch nicht gesprochen“, sagt Wagenbrenner. Es sei nun Aufgabe Kreuzers als Kreisvorsitzender, einen geeigneten Kandidat oder eine Kandidatin zu suchen. „Vielleicht ist dieses Mal eine Frau an der Reihe?“

Silvia Schäfer: "Es herrschte betretenes Schweigen"

Die Gesichter in der „Alten Schmiede“ sprachen Bände, beschreibt auch CSU-Stadträtin Silvia Schäfer die Überraschung in Kempten: „Als Thomas Kreuzer erklärt hatte, dass er nicht mehr für den Landtag kandidiere, herrschte betretenes Schweigen.“ Auch sie selbst hatte „zu 99 Prozent damit gerechnet, dass er noch eine Runde macht“. Sie respektiere den Schritt, bedauere ihn gleichzeitig. Kreuzer habe immer als Motor gewirkt, durchgesetzt, was er konnte, und sich um einzelne mit Rat und Tat gekümmert. Für seine Nachfolge sieht Schäfer zurzeit keinen Favoriten – „es wurde auch niemand herangezogen“. Frauen hätten zuletzt nicht in die erste Reihe gedrängt. Sie selbst hege mit 61 Jahren keine Ambitionen mehr. „Vor zehn Jahren hätt’s mich vielleicht gereizt.“

Silvia Schäfer
Silvia Schäfer
Bild: CSU Kempten

Helmut Berchtold: „Die Kandidatur muss mit einer gewissen Verjüngung einhergehen“

Als sehr emotional beschreibt Helmut Berchtold, CSU-Fraktionschef im Stadtrat, die CSU-Sitzung. Er zollt Kreuzers Entscheidung „allen Respekt“, aber auch dem, was der Abgeordnete für die Stadt über die vielen Jahre hin geleistet habe: „Ein Anruf und er hat sich gestreckt“, um zu tun, was möglich ist. Die Frage, was jetzt passiert, habe ihn die halbe Nacht bewegt, sagt Berchtold. Für eine Nachfolge hat er noch keinen Vorschlag, ist aber der Ansicht, dass die Kandidatur mit einer gewissen Verjüngung einhergehen müsse.

Helmut Berchtold (stellv. Vorsitz) Helmut Berchtold (stellv. Vorsitz)
MONA – die Mobilitätsgesellschaft für den Nahverkehr im Allgäu - wurde 2014 von den Mitgliedern der Verkehrsgemeinschaft Kempten gegründet.
Das Ziel der MONA GmbH ist die Verbesserung der Mobilität in der Region Allgäu durch Stärkung des regionalen ÖPNV. Die Aufgaben sind unter anderen Kooperationen mit den Allgäuer Verkehrsbetrieben, Landkreisen und Städten, Bereitstellung einer zentralen Informationsplattform für die Fahrgäs
Helmut Berchtold (stellv. Vorsitz) Helmut Berchtold (stellv. Vorsitz) MONA – die Mobilitätsgesellschaft für den Nahverkehr im Allgäu - wurde 2014 von den Mitgliedern der Verkehrsgemeinschaft Kempten gegründet. Das Ziel der MONA GmbH ist die Verbesserung der Mobilität in der Region Allgäu durch Stärkung des regionalen ÖPNV. Die Aufgaben sind unter anderen Kooperationen mit den Allgäuer Verkehrsbetrieben, Landkreisen und Städten, Bereitstellung einer zentralen Informationsplattform für die Fahrgäs
Bild: Ralf Lienert

Thomas Kiechle: „Ich bin sehr gern OB und habe auch nicht vor, das zu ändern.“

Auch Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle hat „großen Respekt“ vor der Entscheidung, die man im besten Fall – wie Thomas Kreuzer – selbstbestimmt treffe. Natürlich habe ihn der Kandidaturverzicht überrascht, aber er könne die Überlegungen nachvollziehen. „Es geht nicht um zwei Jahre längeres Engagement, man muss die ganze Wahlperiode im Blick haben.“ Und man müsse sehen, was Kreuzer dann beerits über fast drei Jahrzehnte lang geleistet habe. Bei der Frage um die Nachfolge tritt Kiechle Gerüchten entgegen, die seine eigene Person ins Spiel bringen: „Ich bin sehr gern OB und habe auch nicht vor, das zu ändern.“ Zuerst werde es die nächsten Wochen intensive Gespräche in der CSU geben – auch mit den Oberallgäuern, denn idealerweise einige man sich auf einen Kandidaten im Konsens. Für Kiechle müsste der neue Kandidat oder die neue Kandidatin nicht aus Kempten kommen, aber Stadt und Landkreis gut kennen.

Thomas Kiechle
Thomas Kiechle
Bild: Ralf Lienert

Tim Berchtold: "Ich begreif's immer noch nicht richtig"

„Ich begreif’s immer noch nicht richtig“, sagt Tim Berchtold, Stadtrat der Jungen Union. Möglicherweise sei Kreuzers Entschluss auch erst vor Kurzem in ihm herangereift. Berchtold ist Jahrgang 97, kennt also in seinem Leben gar keine Zeit ohne den MdL Kreuzer. Gleichzeitig freut ihn, dass nicht wie in anderen Kreisverbänden erst die Fetzen fliegen vor einem Übergang zu Jüngeren. Bis Weihnachten werde die Nachfolgedebatte sicher andauern, schätzt er. „Einen Schnellschuss wollen wir nicht, andererseits dauert es auch nicht mehr allzu lang bis zum Wahlkampf.“

Tim Berchtold
Tim Berchtold
Bild: Ralf Lienert

Zu möglichen Kandidaten habe er bisher keinerlei Idee. Ein gewisses Ansehen in und um Kempten müsse die Persönlichkeit mitbringen. Die Gedankenspiele dazu seien aber in jeder Richtung völlig offen.

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