Kriminalität im Allgäu

Falschgeld in die Jacke eingenäht: Ein Prozess voller Widersprüche

Während einer Kontrolle eines Reisebusses war der Mann aufgefallen. Die Polizisten fanden 40 gefälschte 100-Euro-Scheine, die in das Futter der Jacke eingenäht waren. Nun stand der Mann in Kempten vor Gericht.

Während einer Kontrolle eines Reisebusses war der Mann aufgefallen. Die Polizisten fanden 40 gefälschte 100-Euro-Scheine, die in das Futter der Jacke eingenäht waren. Nun stand der Mann in Kempten vor Gericht.

Bild: Britta Pedersen/dpa (Symbolbild)

Während einer Kontrolle eines Reisebusses war der Mann aufgefallen. Die Polizisten fanden 40 gefälschte 100-Euro-Scheine, die in das Futter der Jacke eingenäht waren. Nun stand der Mann in Kempten vor Gericht.

Bild: Britta Pedersen/dpa (Symbolbild)

Bundespolizisten haben 40 gefälschte 100-Euro-Scheine bei einem Buspassagier gefunden. Der Angeklagte behauptet, dass ihm die Jacke gar nicht gehört.

10.08.2020 | Stand: 13:22 Uhr

Vor dem Amtsgericht Kempten hat gestern der Prozess gegen einen 27 Jahre alten Mann begonnen, bei dem am 26. Januar dieses Jahres 40 gefälschte 100-Euro-Scheine gefunden worden waren. Nachdem der Angeklagte bis zum gestrigen Prozessauftakt zu den Vorwürfen geschwiegen hatte, beteuerte er gestern nach anfänglichem Schweigen vor Gericht: Die Jacke habe nicht ihm gehört, sondern einem Kumpel. Er habe sie sich übergezogen, da es bei der nächtlichen Grenzkontrolle kalt war. Neben Geldfälschung wird dem 27-Jährigen auch der Besitz falscher Papiere vorgeworfen.

Oft sitzen in den Flixbussen Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung

Es ist der frühe Morgen des 26. Januar: Gegen 4 Uhr halten Bundespolizisten der Kemptener Inspektion am Grenzübergang Lindau/Hörbranz auf der A96 einen Flixbus an – ein Routinefall. Was ebenfalls häufig vorkommt: Dass in den kontrollierten Fernreisebussen Menschen sitzen, die keine Aufenthaltsgenehmigung haben oder mit deren Papieren sonst etwas nicht stimmt.

So auch an diesem Morgen: Zwei Männer haben keinen gültigen Aufenthaltstitel. Darunter ist der jetzt Angeklagte. Der aus Kamerun stammende Mann lebte zuletzt in Paris und war im Januar gemeinsam mit zwei Freunden im Auto von der französischen Landeshauptstadt nach Italien gefahren. Jetzt sitzt er mit einem Bekannten in dem Reisebus, der im norditalienischen Turin gestartet war und der nach München fährt.

Bei der Kontrolle wird der Mann nervös

Da seine Papiere den Bundespolizisten verdächtig vorkommen, muss der Mann aus dem Bus steigen. Er wird durchsucht. Als sich ein Polizist für seinen Parka interessiert und in die Taschen schauen will, reagiert der Mann nervös. Er hält dem Polizisten andere Kleidungsstücke hin – um eine weitere Untersuchung seiner Jacke zu verhindern. Zu spät: Mit geschultem Blick entdeckt der Polizist, dass im unteren Rückenteil des Parkas etwas eingenäht ist. Der Beamte, der im gestrigen Prozess als Zeuge auftrat, trennt das Futter vorsichtig auf und wird fündig: 40 Euro-Geldscheine sind in dem Parka eingenäht.

Polizei findet überraschende Fotos und Videos auf dem Handy des Mannes

Dass es sich um Falschgeld handelt, wird dem Beamten rasch klar. Er sagt aber auch: „Wenn man damit beim Bäcker bezahlen würde, könnte es vielleicht klappen.“ Im weiteren Verlauf finden die Beamten bei dem 27-Jährigen auch ein Portemonnaie mit gefälschten Papieren und einer Tankkarte. Überraschende Bilder und Videos finden die Ermittler auf einem ebenfalls sichergestellten Handy. Zu sehen sind Männer, die sich gegenseitig mit Geldscheinen bewerfen und die mit Banknoten posen. Handelt es sich um eine Bande von Falschgeld-Herstellern oder -händlern? Und wo ist die Werkstatt, in der die Blüten hergestellt wurden?

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An diesem Morgen macht der Mann keine Angaben, er wird in Untersuchungshaft genommen. Auch bei weiteren Vernehmungen schweigt er.

Erst will sich der Angeklagte während des Prozesses in Kempten nicht äußern

Sogar zu Beginn des gestrigen Prozesses ließ er über seinen Verteidiger erklären, dass er zur Anklage nichts sagen werde. Das änderte sich, nachdem ihn sein Anwalt in einer eigens anberaumten Verhandlungspause ins Gewissen geredet hatte.

Nun tischte der 27-Jährige dem Gericht eine andere Version auf, wobei er sich in Widersprüche verwickelte: Er sagte, ein Freund habe ihm die Jacke gereicht, dann behauptete er im selben Zusammenhang: Polizeibeamte hätten ihn aufgefordert, den fremden Parka anzuziehen. Der Geldbeutel mit den falschen Papieren habe nicht ihm gehört. Sein Freund habe das Portemonnaie in einem Gebrauchtwagen gefunden, den er gekauft hatte. Und das Handy mit seltsamen Fotos und Videos von Geldbergen? Das hatte der Angeklagte nach eigenen Angaben von einem Freund geliehen.

Der Prozess wird fortgesetzt.