Verhandlung

Gerichtsprozess Kempten: Mit Verkaufsautomaten Guthabenkarte aufgeladen

Mitarbeiter sollen mit einem Trick Verkaufsautomaten manipuliert haben.

Mitarbeiter sollen mit einem Trick Verkaufsautomaten manipuliert haben.

Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Mitarbeiter sollen mit einem Trick Verkaufsautomaten manipuliert haben.

Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Arbeiter manipulieren Automaten. Die Masche macht in einem Unternehmen die Runde. Der Nachweis des Betrugs ist schwierig. Wie die Täter vorgegangen sind.
17.08.2020 | Stand: 14:35 Uhr

Eine Art technischen Goldesel haben Beschäftigte an ihrer Arbeitsstelle entdeckt: Mit einem Trick brachten sie Verpflegungsautomaten dazu, dass die Elektronik Guthaben auf ihre Mitarbeiter-Karten lud. Das System funktionierte offenbar über Jahre. Computerbetrug nennt dies die Staatsanwaltschaft. Mehrere Verfahren sind anhängig, einige Geständnisse liegen vor. Ein Angeklagter legte nun Widerspruch gegen einen Strafbefehl ein - und hatte damit einigen Erfolg.

Kripo ermittelt umfangreich

Umfangreiche Ermittlungen hat die Kripo angestellt, um die Betrugsmasche herauszufinden. Ein Beamter sagte als Zeuge über die Ergebnisse einer Videoüberwachung in dem Unternehmen aus. Demnach waren die von einer Vertriebsfirma aufgestellten Verkaufs-Automaten so programmiert, dass den Kunden bei Zweifelsfällen kein Schaden entstehen sollte.

Wenn nun jemand absichtlich einen Kauf-Vorgang abrupt abbrach, ging das System davon aus, dass zum Nachteil des Nutzers Ware nicht ausgegeben wurde. Den vermeintlichen Schaden glich die Software bei der nächsten Buchung aus, indem sie den Betrag für die nicht ausgegebene Ware auf der Karte gutschrieb. Bargeld gab es dafür an dem Automaten, an dem man sich sein Guthaben auszahlen lassen konnte.

Allein im jetzt verhandelten Fall ging die Kripo von 123 unrechtmäßigen Rückbuchungen innerhalb von gut vier Monaten aus. "Und dabei haben wir Zweifelsfälle gar nicht berücksichtigt." Der Schaden habe sich auf 1291,20 Euro summiert.

Keine Kamera-Daten vorhanden

90 Tagessätze waren ursprünglich verhängt worden. Beim 22-jährigen Arbeiter wären somit 4500 Euro Geldstrafe fällig gewesen. Doch der Nachweis der Taten entpuppte sich trotz aller Bemühungen als schwierig. Neben seiner Mitarbeiterkarte soll der junge Mann eine Karte für Betriebsfremde verwendet haben. Und diese war nicht personalisiert. Die angeklagten Taten geschahen zudem in einem Zeitraum, als es keine Kamera-Überwachung gab. Und die internen Protokoll-Dateien des Automaten-Systems waren wohl nicht lückenlos.

Ganz ohne Folgen sollte die Sache für den Angeklagten dennoch nicht ausgehen, forderte der Staatsanwalt. Eine vorläufige Einstellung des Verfahrens konnte er sich nur gegen eine Geldbuße vorstellen. Die Beratung zwischen dem Verteidiger und seinem Mandanten war in Sekunden erledigt, sie stimmten freudig zu. 500 Euro Geldbuße verhängte daraufhin der Vorsitzende, zahlbar an Ärzte ohne Grenzen.

Ob die erstellten Video-Dateien in anderen Fällen als Beweismittel herangezogen werden, ist wegen des hohen Aufwands fraglich. Wegen komplizierter Vorschriften wäre eine Vielzahl von Beamten tagelang mit der Auswertung beschäftigt, hieß es im Prozess.