Wiggensbach

„Günstigen Wohnraum vernichtet“

Wohnungen  Wiggensbach

Wohnungen Wiggensbach

Bild: Monika Rohlmann

Wohnungen Wiggensbach

Bild: Monika Rohlmann

Engpass Michael Speith (Grüne) prangert in Wiggensbach Abriss und Leerstand von Häusern an. Doch die Situation sei nicht zu ändern, heißt es im Gemeinderat
24.09.2019 | Stand: 16:48 Uhr

„In Wiggensbach wurden in den vergangenen zwei Jahren 600 Quadratmeter günstiger Wohnraum vernichtet.“ Mit diesen Worten prangerte Gemeinderat Michael Speith (Bündnis 90/Die Grünen) während der jüngsten Sitzung des Gemeinderates den Mietwohnungsengpass in Wiggensbach an. Seine Kritik begründete Speith mit dem Abriss des Fallerhauses (160 Quadratmeter, des Engstlerhauses (240 Quadratmeter und demnächst des Gellenhauses (200 Quadratmeter. Doch kurz- und langfristig gebe es keine Verbesserungsmöglichkeiten, hieß es. So musste Speith einsehen, dass momentan an der Wohnsituation nichts zu ändern sei.

Zu kontroverser Diskussion führte im Gemeinderat die Kritik von Speith am Wohnungsengpass. Der Grünen-Gemeinderat engagiert sich für Geflüchtete und hätte zwei von ihnen, die durch den Abriss Gellenhaus dringend eine Wohnung suchen, in der Rohrachstraße 23 gesehen. Dort wurde den Mietern gekündigt, weil das Areal für einen Neubau der Seniorenwohnanlage Kapellengarten benötigt wird. Damit will man 41 Pflegeplätze halten, sagte Gemeinderat Alois Gromer. Eine Zwischenvermietung bis zum Neubau stellte Olaf Küper rechtlich infrage. Ganz abgesehen davon, dass es wohl keine befristete Vermietung gebe. „Wenn so etwas überhaupt gehe“, meinte Bürgermeister Thomas Eigstler, müsse man die Wohnungen allen zur Verfügung stellen.

Doch es seien auch Wohnhäuser mit mehreren Wohneinheiten geplant. So sollen beispielsweise auf dem Engstler-Gelände „sozial verträgliche“ Wohneinheiten entstehen. Auch das geplante Wohn- und Geschäftshaus Rohrachstraße 2 wurde gegen zwei Stimmen genehmigt. Das Wohn- und Geschäftshaus wird von der Ortsentwicklungs GmbH Wiggensbach 2000 gebaut. Ein Mieter steht fest: die Filiale der Raiffeisenbank Kempten-Oberallgäu, bisher Rohrachstraße 6, wird ein paar Meter weiter in die Ortsmitte rücken. Im ersten Obergeschoß und im Dachgeschoß gibt es dann vier Wohnungen.

Geplant ist zudem das Baugebiet „Westenried-Süd“ mit 24 Baufeldern. Eigstler hofft, dass dort spätestens 2021 gebaut wird. Dann, sagte Michael Deuschle, würden ja andere Wohnungen frei. Das letzte Baugebiet der Gemeinde selbst wurde vor sechs Jahren erschlossen. Momentan werde der Flächenverbrauch enger gesehen. Maßvolles Wachstum ist die Devise für die nächsten vier Jahre.

Auf keine Gegenliebe beim Gemeinderat stieß ein weiterer Vorschlag von Michael Speith, nämlich der, dass die Firma Swoboda Werkswohnungen anbieten soll. Der Grünen-Politiker meinte, es gebe eine hohe Zahl an Pendlern, was auch aus ökologischer Sicht nicht gut sei. Von den 1068 Mitarbeitern beispielsweise würden nur 136 in Wiggensbach wohnen. Werkwohnungen könne man nicht vorschreiben, hieß es. Auch einen Mietpreis von weniger als 7,5 Euro kalt pro Quadratmeter könne man jetzt noch nicht für bezahlbare Wohnungen festlegen.

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„Die Ist-Situation lässt sich momentan nicht ändern“, sagte Eigstler. Wohnungsmangel herrsche auch in anderen Gemeinden im Landkreis Oberallgäu. Und so kamen zwei der drei Anträge von Speith erst gar nicht zur Abstimmung, sondern wurden von ihm selbst zurückgezogen.(mor)

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