Salzstraße im Fokus

Mehr Platz für Radfahrer in Kempten

Kempten Salzstraße

Kempten Salzstraße

Bild: Ralf Lienert

Kempten Salzstraße

Bild: Ralf Lienert

Die Stadt will Nord-Süd-Achse umgestalten und arbeitet derzeit an einer Planung, verrät Alexander Buck bei Podiumsdiskussion des Fahrrad-Clubs.
15.09.2020 | Stand: 08:17 Uhr

Mehr Platz für Radfahrer und damit weniger für Autofahrer: Mit diesem Ziel will die Stadt die Nord-Süd-Achse der Salzstraße umgestalten, kündigte Stadtrat Alexander Buck (CSU) bei der Podiumsdiskussion des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) an. Dabei vertrat er OB Thomas Kiechle, der in Berlin war. Das Tiefbauamt arbeite derzeit an der Planung, die im Verkehrsausschuss am 25. März vorgestellt wird. Buck steht hinter diesem „Leuchtturmprojekt“, wie er sagte: „Wir müssen in der Politik Mut zeigen.“

Bei der ADFC-Diskussion vor knapp 150 Zuhörern im Altstadthaus erläuterten neben Buck und Klaus Knoll (Freie Wähler) die OB-Kandidaten Katharina Schrader (SPD), Lajos Fischer (Grüne), Gabriela Büssemaker (FDP) und Franz Josef Natterer-Babych (UB/ÖDP) ihre Ideen, wie sie den Radverkehr in Kempten verbessern wollen. ADFC-Kreisvorsitzender Tobias Heilig konfrontierte sie mit Wünschen, die der Fahrrad-Club hat:

Platz Um die Aufenthaltsqualität für Radler und Fußgänger zu verbessern, müsse die Politik umdenken, sagte Buck. Früher habe man Straßen in der Innenstadt anhand des Platzes geplant, den Autos brauchen. Nun müsse man erst den Platz nehmen, den Radfahrer und Fußgänger brauchen, und dann den Rest für Autos einplanen. So wie aktuell für die Salzstraße, auf der täglich im Schnitt 16 000 Fahrzeuge unterwegs sind. Fischer begrüßte zwar die Pläne der Stadt, nur habe das mit der Realität wenig zu tun: „Seit Jahrzehnten wird in Kempten geplant, die Schubladen sind voll mit Plänen – nur werden sie nicht in die Tat umgesetzt.“ Nun sei es an der Zeit, die Dinge endlich anzupacken. Das Mobilitätskonzept sei beschlossen, müsse aber bis 2030 schrittweise umgesetzt werden, sagte Schrader: „Wir können nicht alle Kreuzungen gleichzeitig aufreißen, sonst gibt’s ein Chaos.“ Vieles werde angepackt, nur manches dauere einfach zu lange. Es könne nicht alles auf einmal gemacht werden, meinte Knoll. Verkehrsplanung brauche einfach Zeit, unterstrich Büssemaker: Wurde an der Salzstraße „mal über einen Kreisverkehr nachgedacht?“ Nur die Gehwege zu verbreitern, die Fahrspur zu verringern und ein paar Bäume hinzusetzen – das sei „nicht das Gelbe vom Ei“. Man könne aber einen Radstreifen in beide Richtungen einbauen. Wird die Salzstraße umgebaut, würde sich Natterer-Babych ein bisschen sicherer fühlen: Dort herrsche Chaos, er meide die Straße sogar mit dem Auto. Wichtig sei neben der Umgestaltung eine gute Verkehrsführung.

30 in der Innenstadt „Eine beschlossene Maßnahme des Mobilitätskonzepts“, sagte Heilig. Wann werde sie umgesetzt? „Wir sind ja nicht mehr weit weg davon“, sagte Knoll. Tempo 30 gebe es bereits auf der Memminger Straße am ehemaligen Krankenhaus oder auf der Salzstraße an der Schule. Aber wer fahre denn sonst auf diesen Straßen untertags schneller als 30?, fragte Knoll – und erntete hämisches Gelächter. Während Natterer-Babych, Schrader und Fischer sich für ein Tempo 30 innerhalb des Rings starkmachen, hat Büssemaker Bedenken: Dies sei nur in Teilen aber nicht überall sinnvoll – auch ökologisch: So verlängere sich die Verweildauer in der Innenstadt. Tempo 30 dürfe eine Kommune nur dort einführen, wo es laut Gesetz zulässig sei: etwa vor Schulen oder Altenheimen, sagte Buck. Darum plane die Verwaltung, in der Salzstraße Tempo 30 einzuführen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer wolle aber das Gesetz lockern. Bis dahin müsse man sich an die Vorgaben halten. Zudem fiele in einer Tempo-30-Zone der Radstreifen weg – dies müssten Radler dann in Kauf nehmen.

Ideen Während Fischer in der Innenstadt für mehr Einbahnstraßen und „Shared Zones“ – verkehrsberuhigte Mischzonen für Fußgänger, Autos und Radler – plädiert, will Büssemaker mehr Park-and-Ride-Parkplätze am Stadtrand schaffen. Natterer-Babych würde große Rad-Abstell-Gitter auf Auto-Stellplätze und „vernünftige Boxen“ am Bahnhof aufstellen sowie einfach die roten Streifen für Radfahrer verlängern. Schrader will das Busfahren billiger machen, als die Parkgebühren sind, und mehr Anwohner-Parkplätze ausweisen. Knoll wünscht sich einen Fahrradverleih am Hauptbahnhof und generell mehr Abstellmöglichkeiten für Räder in der Stadt. Buck kann sich übrigens durchaus vorstellen, „den einen oder anderen Auto-Parkplatz zu opfern“.

Kempten OB Wahl 2020
Kempten OB Wahl 2020
Bild: Ralf Lienert