Herr Wurz, Sie übernehmen jetzt die Egerländer Musikanten von Ernst Hutter. Wie fühlt sich das an?
WURZ: Ich trete in sehr große Fußstapfen. Und natürlich habe ich großen Respekt vor dieser Aufgabe. Aber ich versuche, zukunftsorientiert zu denken. Ich schaue lieber nach vorn und fühle sehr viel Vorfreude und Energie.
Welches Verhältnis haben Sie zu Ernst Hutter?
WURZ: Seit 2010 bin ich bei den Egerländern dabei und spiele als 1. Tenorhornist die gleiche Stimme wie Ernst Hutter. Er hat in den vergangenen Jahren eine junge Generation ins Orchester geholt und so dafür gesorgt, dass es eine Zukunft hat. Zugleich bin ich mit Ernst Hutter und seiner Blaskapelle musikalisch groß geworden. Im Musikverein meines Heimatortes Hügelsheim haben wir viele Stücke von den Egerländern gespielt. Die Musik hat mich sehr inspiriert.
Haben Sie schon von Anfang an Tenorhorn gespielt?
WURZ: Nein, ich habe mit Schlagzeug begonnen. Später kam dann der Wunsch, ein Melodieinstrument zu spielen. So kam ich zum Tenorhorn.
Was werden Sie als musikalischer Chef der Egerländer anders machen als ihr Vorgänger Ernst Hutter?
WURZ: Es wird sich einiges ändern. Wir befinden uns in einer Staffelübergabe im vollen Lauf. Noch im Herbst gehen wir ins Studio, um eine CD für unsere Jubiläumstournee anlässlich 70 Jahre Egerländer Musikanten aufzunehmen. Die beginnt am 7. November mit einem Konzert im Circus Krone in München, bei dem es eine offizielle Stabübergabe gibt. Die eigentliche Jubiläumstournee startet kurz nach Weihnachten. Aber natürlich hat jeder Dirigent andere musikalische Auffassungen und Ideen. Also wird es Veränderungen geben.
Verraten Sie uns, wie die aussehen?
WURZ: Es wird künftig eine zweite Trompete und ein zweites Schlagzeug geben; damit wird der Klang etwas dichter und stärker. In der Folge ändert sich auch die Aufstellung: Das Schlagzeug rückt nach hinten, die Flügelhörner, die die Melodien spielen, kommen nach vorn. Außerdem möchte ich die Bühnen-Performance ändern. Ganze Register werden bei solistischen Passagen nach vorn Richtung Publikum gehen und auswendig spielen. Es gibt mehr Bewegung auf der Bühne. Zudem werde ich – neben Katharina Praher und Nick Loris – singen, womit der Gesang flexibler wird. Künftig bringen wir auch Stücke mit zwei Männerstimmen – wie einst bei Ernst Mosch, der zusammen mit Flügelhornist Franz Bummerl sang. Vermutlich werden wir auch mal a cappella singen, ohne Begleitung durch Instrumente. Es wird also einiges Neues hörbar und sehbar sein.
Ändert sich auch das Repertoire?
WURZ: Wir haben eine große Schatzkiste von 900 bis 1000 Stücken. Und es kommen laufend neue hinzu, weil es etliche Komponisten in unseren Reihen gibt. Wir werden auch künftig eine Mischung aus Klassikern und neuen Stücken spielen.
Sie werden also die Tradition pflegen?
WURZ: Ja, wir bleiben dabei. Die Egerländer Musik ist böhmische Blasmusik, die sich zum Tanzen eignet. Ernst Mosch, der Jazz- und Tanzmusiker war, brachte auch den Swing des Jazz in die Blasmusik ein. Das ist das Erfolgsgeheimnis. Die Musik ist so mitreißend, dass die Zuhörer mitwippen und mitklatschen.
Was gibt Ihnen persönlich, dem 39-jährigen Musiker aus Baden, die böhmische Blasmusik?
WURZ: Ich bin früh damit in Berührung gekommen, mache sie also mein musikalisches Leben lang schon. Da hängt viel Herzblut drin, viel Emotion. Das Schöne daran ist: Man kann mit dieser Musik seine Seele baumeln lassen. Mir macht es mehr Spaß, eine emotionale Melodie zu gestalten, als technisch-virtuos zu glänzen.
Wie werden Sie die Egerländer leiten, mit oder ohne ein Instrument spielend?
WURZ: Ernst Mosch war ein charismatischer Dirigent, Ernst Hutter hat die Egerländer vom Tenorhorn und von der Posaune aus geleitet. Ich werde beides tun, dirigieren und spielen. Aber weil das Rhythmus gebende Schlagzeug nach hinten rückt, bin ich vermutlich gezwungen, mehr zu dirigieren.
Die Egerländer Musikanten sind bisher eine reine Männerdomäne. Werden Sie künftig Frauen in die Kapelle aufnehmen?
WURZ: Das ist eine spannende Frage. Ich stehe der Idee positiv gegenüber und denke über eine Öffnung des Orchesters für Frauen nach, aber noch nicht gleich jetzt. Zugleich stellt sich die Frage, ob überhaupt Frauen da sind, die gern bei uns mitspielen. Denn in den deutschen Orchestern gibt es auf den Instrumenten Tuba, Trompete, Flügelhorn, Tenorhorn, Posaune nicht viele Frauen. Das A und O wird aber immer die musikalische Leistungsfähigkeit sein. Qualität steht an oberster Stelle.
Zur Person: Alexander Wurz
- Der Tenorhornist, Dirigent und Komponist Alexander Wurz wurde im September 1985 geboren.
- Er wuchs in Hügelsheim bei Rastatt am Rhein auf, wo er schon als Siebenjähriger zum Musikverein stieß.
- Er lernte Schlagzeug und Tenorhorn und erwies sich bald als musikalisches Talent.
- Nach der Schule studierte er an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf Posaune, Tenorhorn/Bariton und Euphonium sowie Klavier.
- Schon während des Studiums spielte er bei „Michael Klostermann und seine Musikanten“ mit.
- Nach dem Studium war er Tenorhornist beim Luftwaffenmusikkorps 2 in Karlsruhe und bei vielen weiteren Orchestern.
- 2010 stieß er zu Ernst Hutters Egerländer Musikanten, wo er neben dem Leiter die erste Tenorhornstimme übernahm und als Solist glänzte. Außerdem ist er Mitglied der achtkköpfigen „Kleinen Egerländer Besetzung“, die von Hutter-Sohn Martin geleitet wird.
- Dirigier-Erfahrung sammelte Wurz als Leiter verschiedener Blasorchester. Außerdem arbeitet er als Dozent, unter anderem an der Schumann-Hochschule in Düsseldorf.
- Alexander Wurz lebt mit seiner Familie (Frau und zwei Söhne) in Hügelsheim.
- Ab 1. September 2025 leitet er die „Original Egerländer Musikanten“. Ende des Jahres 2025 startet er mit der Blaskapelle die Jubiläumstournee „70 Jahre Egerländer“.
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