Ostallgäu

IG Bau zu Heizkostenexplosion: „Jetzt nicht auch noch die Mietkeule!“

Die Gewerkschaft IG Bau warnt vor einer Lähmungsphase beim Wohnungsbau und vor der "Mietkeule" - auch im Ostallgäu.

Die Gewerkschaft IG Bau warnt vor einer Lähmungsphase beim Wohnungsbau und vor der "Mietkeule" - auch im Ostallgäu.

Bild: Tobias Seifert

Die Gewerkschaft IG Bau warnt vor einer Lähmungsphase beim Wohnungsbau und vor der "Mietkeule" - auch im Ostallgäu.

Bild: Tobias Seifert

Die IG Bau warnt auch im Ostallgäu davor, die Mieten zu erhöhen. Vorsitzender Jäger fordert Flexibilität – auch was den Bau von neuem Wohnraum betrifft.
23.09.2022 | Stand: 05:30 Uhr

Die Wohnfläche der Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Ostallgäu erstreckt sich insgesamt auf etwa 7,5 Millionen Quadratmetern. Diese verteilen sich im Landkreis auf 69.210 Wohnungen. Diese Zahlen teilt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt mit. Die IG Bau beruft sich dabei auf aktuelle Daten zum Wohnungsbestand vom Statistischen Bundesamt, die vom Pestel-Institut in Hannover für die IG Bau analysiert wurden. (Lesen Sie auch: Immer mehr Allgäuer verzweifeln wegen hoher Energiekosten - hier bekommen sie Hilfe.)

"Wer im Ostallgäu noch die Miete erhöht, heizt die Inflation zusätzlich an!" Heizkosten zwinge Mieter ohnehin finanziell in die Knie

Demnach haben rund 13.400 Wohnungen im Kreis Ostallgäu sieben oder sogar mehr Räume. „Wer so eine große Wohnung hat, die ihm auch noch gehört, hat eine Sorge nicht: die Angst vor steigenden Mieten“, sagt Michael Jäger. Der Vorsitzende der IG Bau Schwaben warnt die Immobilienwirtschaft davor, die Mietenspirale weiter nach oben zu drehen und damit die Inflation zusätzlich anzuheizen. Jäger fordert Privatvermieter wie Wohnungsgesellschaften auf, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen. Dies bedeute, bei den Mieten Maß zu halten und auf Steigerungen weitgehend zu verzichten.

„Gerade jetzt geht es darum, eines für den Wohnungsmarkt klar auszusprechen: Es ist ungehörig, die Zitrone weiter auszupressen. Ein Großteil der Haushalte wird durch die Kostenexplosion bei den Heizkosten ohnehin schon finanziell in die Knie gezwungen. Da darf nicht auch noch die Mietenkeule hinterherkommen“, sagt Jäger. Darüber hinaus warnt die IG Bau vor einer „Lähmungsphase beim Wohnungsbau“.

"Die Schaffung von neuem Wohnraum muss weitergehen"

Angesichts der aktuell schwierigeren Neubaubedingungen – hier vor allem Materialengpässe, steigende Materialpreise, hohe Baulandpreise und anziehende Bauzinsen – sei es dringend nötig, nach alternativen Wegen zu suchen. „Was wir jetzt brauchen, ist Flexibilität: Die Schaffung von neuem Wohnraum muss der Situation angepasst werden“, sagt der IG Bau-Bezirksvorsitzende Jäger.

Vor allem Wohnungsbaugesellschaften seien jetzt gefordert, Bauvorhaben umzudenken: „Wenn der Neubau nicht realisierbar erscheint, bietet gerade das Umbauen von vorhandenen Nicht-Wohngebäuden zu Wohnungen große Chancen. Der Umbau braucht deutlich weniger Material – und ist schon deshalb der passende Weg zu mehr Wohnungen in der Krise“, sagt der IG Bau-Vorsitzende. Allein durch den Umbau von Büros, die durch das Etablieren vom Homeoffice nicht mehr gebraucht werden, können viele neue Wohnungen entstehen. „Und das deutlich kostengünstiger als im Neubau.“

Industriegewerkschaft IG Bau sieht in der Dachaufstockung von Häusern ein sehr großes Potenzial

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Darüber hinaus biete die Dachaufstockung bei Wohnhäusern, die in der Nachkriegszeit bis zum Ende der 90er-Jahre gebaut wurden, ein enormes Potenzial: „Viele neue Wohnungen sind allein hier durch On-Top-Etagen möglich – und ebenfalls günstiger als jeder Neubau“, sagt Michael Jäger. Es lohne sich, eine „Dachaufstockungs- und Umbau-Offensive“ zu starten.