Magischer Baum

Märchehaftes in Rettenbach: Künstler gibt Elfen ein Zuhause

Der Elfenbaum von Thomas Schöne ist ein Geheimtipp für Wanderer.

Der Elfenbaum von Thomas Schöne ist ein Geheimtipp für Wanderer.

Bild: Mona Boos

Der Elfenbaum von Thomas Schöne ist ein Geheimtipp für Wanderer.

Bild: Mona Boos

Der Künstler Thomas Schöne hat einen besonders knorrigen Baum in Rettenbach in einen Elfenbaum verwandelt. Wie die Idee für das Projekt entstand.
14.10.2020 | Stand: 12:00 Uhr

Der knorrige Baum hat es Thomas Schöne angetan. Er ist nur einer von vielen alten Bäumen in der Allee in Frankau bei Rettenbach am Auerberg, doch in seinem Wuchs sieht der Künstler etwas Magisches. Immer wenn er eine Runde mit seinem Hund geht, kommt er an dem besonderen Baum vorbei. „Und eines Tages sah ich, wie sich Elfen dort aufhielten“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Bei einer Türe blieb es nicht

So kam dem Künstler die Idee, das alte Gehölz in einen Elfenbaum zu verwandeln. Im Frühjahr dieses Jahres begann er, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Eine kleine Elfentüre wollte Schöne zunächst in einem Astloch platzieren. Doch bei der einen Türe blieb es nicht. Er fertigte Fenster, Bänke, Dächer und Lichterketten und brachte sie am Baum an.

„Ich habe kein Konzept“, sagt Schöne. „Der Elfenbaum soll sich zufällig und nach und nach entwickeln.“ Dabei verlässt der Künstler sich auf eigene Ideen, lässt sich aber auch vor der Fantasie seiner Nachbarskinder inspirieren, die ihn regelmäßig besuchen.

Sein Wohnhaus ist ein magischer Ort

Auch sein auffälliges Wohnhaus dient als Inspirationsquelle. Das alte Bauernhaus selbst wirkt mit den verschnörkelten Erkern, dem verfallenen Türmchen im Vorgarten, glitzernden Steinen und der Tropfsteinoptik im Inneren wie aus einem Märchenbuch entsprungen. „Es ist ein magischer Ort für mich.“

Elfenbaum
Mit viel Liebe zum Detail gestaltet Thomas Schöne seinen Elfenbaum.
Bild: Mona Boos

Das Haus ist Wohnort und Arbeitsplatz zugleich. Schöne arbeitet hauptsächlich als Auftragskünstler in seinem Atelier. Skulpturen für Grabanlagen, Illustrationen für Kinderbücher oder Puzzles, moderne und abstrakte Gemälde und vieles mehr entstehen dort. In seiner Freizeit widmet sich der Künstler eigenen kreativen Projekten wie der Gestaltung seines Hauses oder dem Basteln am Elfenbaum. „Das brauche ich, um den Kopf freizubekommen.“ So verbringt er im Durchschnitt 14 Stunden täglich in seinem Atelier. „Die Grenzen zwischen meinem Beruf und meinem Hobby sind fließend.“

So klein die Fenster, Balkone und Türen am Elfenbaum auch sind, die Gestaltung kostet dennoch Zeit. Ein bis zwei Stunden braucht Schöne, um eine der winzigen Türen anzufertigen. Anschließend muss sie am Baum installiert werden, ohne diesen zu verletzen. „Manchmal passt es nicht und ich muss noch etwas daran ändern“, sagt Schöne. Zudem müsse er nach starken Regenfällen oder Stürmen oft Details erneuern oder reparieren.

Er tüftelt weiter

Doch der 59-Jährige tüftelt leidenschaftlich gern an dem Baum. „Jede positive Rückmeldung freut mich ungemein.“ Für Kinder seien die Ausflüge zum Elfenbaum eine schöne Ablenkung in der ernsten Corona-Zeit. Zudem sei der Baum mittlerweile ein Geheimtipp für Wanderer und Radfahrer geworden. „Es ist einfach eine schöne Sache, die sich so ergeben hat.“ Schöne möchte sein magisches Projekt so weiterführen und immer wenn er Zeit hat, daran arbeiten. Zufällig vorbeikommende Wanderer und Radfahrer sollen immer wieder etwas Neues am Baum entdecken und sich von den Elfen überraschen lassen.