Babenhausen

Babenhauser demonstrieren

Ute Harjung

Ute Harjung

Bild: Claudia Bader

Ute Harjung

Bild: Claudia Bader

Stolz schwenkt Franz Mutzel den Briefumschlag durch die Luft. Mit der Genehmigung zur friedlichen Demonstration hat ihn am Tag zuvor auch folgende Nachricht vonseiten des Unterallgäuer Landrats Hans-Joachim Weirather erreicht: Im Kreisseniorenwohnheim St. Andreas in Babenhausen werden wieder zwei feste Plätze für die Kurzzeitpflege reserviert (wir berichteten). Mutzels zufriedene Feststellung „Ihr habt schon gewonnen“ quittieren die Bürger aus Babenhausen und Umgebung, die sich zur Demonstration versammelt haben, mit lautem Applaus.

Von clb
14.08.2020 | Stand: 16:43 Uhr

Rund 170 Frauen und Männer aller Altersstufen sind auf den Platz vor dem Theater am Espach gekommen. Einige wurden in Rollstühlen von Pflegerinnen hergeschoben, einzelne haben sich Schilder umgehängt. „Schwarze Zahlen auf Kosten der Bewohner und Mitarbeiter! Nein danke!“ steht dort geschrieben. Die Versammelten wollen sich solidarisch mit den Menschen zeigen, die nicht mehr in der Lage sind, ihre Interessen selbst zu vertreten. Dieses Ziel schreibt sich auch die vorab einberufene Interessengemeinschaft (IG) „Für die Kurzzeitpflege in Babenhausen“ auf die Fahnen. Darüber hinaus will die IG die Situation der Beschäftigten im Kreisseniorenwohnheim verbessern.

Denn trotz der jetzigen Entscheidung: Von einem guten Ende sei die Situation im Heim, konkret die der Pflegekräfte, weit entfernt, findet IG-Sprecherin Ute Harjung. Sie habe recherchiert, dass in der Vergangenheit 15 Beschäftigte nach langjähriger Tätigkeit in der Einrichtung gekündigt haben. „Die Pflegekräfte, die jahrelang einen super Job machten, haben diesen Schritt nicht nur getan, weil sie teilweise nach zehnjähriger Beschäftigung immer noch keine festen Verträge in Händen hielten“, sagt sie. Da die Pflegerinnen innerhalb der begrenzten Arbeitszeit immer mehr zu leisten hätten, habe das bei vielen zu Überlastung, bei manchen fast zum Burn-out geführt. „Wenn das Personal über die Grenzen der Machbarkeit beansprucht wird, ist das weder christlich noch sozial“, sagt die IG-Sprecherin. Sie frage sich, warum die für diese Einrichtung Verantwortlichen, konkret Heimleitung, Landrat, Kreis- und Marktrat, nichts getan hätten. Ihrer Meinung nach sollte weder über Kindergärten noch Krankenhäusern und Pflegeheimen das Damoklesschwert „schwarze Zahlen“ schweben.