Politik

Auf welche Regierung die Allgäuer Direktkandidaten jetzt hoffen

Regina Leenders (Mitte, SPD), Susanne Ferschl (Linke, unten links), Stephan Stracke (CSU, oben links), Daniel Pflügl (Grüne, oben rechts), Kai Fackler (FDP, unten rechts).

Regina Leenders (Mitte, SPD), Susanne Ferschl (Linke, unten links), Stephan Stracke (CSU, oben links), Daniel Pflügl (Grüne, oben rechts), Kai Fackler (FDP, unten rechts).

Bild: Uwe Hirt, Walter Müller, Ralf Lienert, Privat, Martina Diemand

Regina Leenders (Mitte, SPD), Susanne Ferschl (Linke, unten links), Stephan Stracke (CSU, oben links), Daniel Pflügl (Grüne, oben rechts), Kai Fackler (FDP, unten rechts).

Bild: Uwe Hirt, Walter Müller, Ralf Lienert, Privat, Martina Diemand

Welche Koalition wünschen sich die Direktkandidaten des Wahlkreises Ostallgäu? Und was macht ihnen Sorgen? Wir haben mit ihnen gesprochen.
28.09.2021 | Stand: 08:16 Uhr

Zwei aus dem Wahlkreis Ostallgäu sind wieder in Berlin vertreten: Stephan Stracke (CSU) holte mit 38,8 Prozent der Erststimmen das Direktmandat. Obwohl die Linken unter fünf Prozent blieben, werden sie im Bundestag vertreten sein: Für das Allgäu ist es Susanne Ferschl. Wie geht es den Direktkandidaten am Tag danach? Und auf welche Regierungskoalition setzen sie?

  • Stephan Stracke, CSU: Er weiß, dass der Klimaschutz bedeutend ist und bleiben wird. Die CSU müsse in diesem Punkt weiter an ihrem Profil arbeiten. Stracke tritt dafür ein, Ökologie und Ökonomie zu verbinden. Er hofft, dass es für eine Jamaika-Koalition unter der Führung eines Bundeskanzlers Armin Laschet reichen wird. Denn nur wenn die Union mitregiere, könne auch er die Themen für die Region mit voranbringen. Diese hätten nach Strackes Einschätzung wegen der überregionalen Themen im Wahlkampf nicht die große Rolle gespielt.

  • Regina Leenders, SPD: „Wir haben es geschafft als SPD. Wer hätte das noch vor einigen Monaten gedacht?“ Das sagt Regina Leenders am Montagvormittag – nach einer Nacht, in der sie mit Parteigenossen den Wahlerfolg der Sozialdemokraten gefeiert hat. Auch wenn sie es als Direktkandidatin mit 12,3 Prozent der Erststimmen nicht in den Bundestag geschafft hat, ist sie mit dem Ergebnis zufrieden. Mit Spannung werde sie nun von Memmingen aus zuschauen, wie es in Berlin weitergeht. Sie geht davon aus, dass Olaf Scholz Kanzler wird. „Es wird wahrscheinlich so sein, dass wir eine Ampel anstreben müssen.“ Aber da werde sich die FDP auf die SPD zubewegen müssen. Dafür empfiehlt sie den Freien Demokraten, nicht den gleichen Fehler wie nach der Bundestagswahl 2017 zu machen und sich zu überschätzen. Und die Grünen müssten nun ihre Wahlversprechen einlösen, damit sie mit der SPD zusammen regieren könnten. Dazu gehöre zum Beispiel, den Mindestlohn zu erhöhen, höhere Einkommen stärker zu besteuern und Menschen mit kleineren Einkommen zu entlasten. Damit müsse sich die FDP anfreunden, wenn sie mit Rot-Grün regieren wolle. In einer Woche steigt die Schauspielerin Leenders wieder in die Proben ein, dann will sie ihren „Beruf wieder uneingeschränkt ausüben“.

  • Daniel Pflügl, Grüne: Er hat den Einzug in den Bundestag mit 12,2 Prozent Erststimmen nicht geschafft. Aber das sei für ihn in Ordnung. Wer sich auf ein politisches Amt bewerbe, müsse damit rechnen, es nicht zu bekommen. „Da darf man nicht beleidigt sein.“ Mit Blick auf eine Koalition macht er sich große Sorgen. Denn dies sei die letzte deutsche Regierung, die noch Einfluss auf den Klimawandel habe. „Das Dramatischste wäre, wenn es eine Große Koalition aus SPD und Union geben würde.“ Die habe das Problem des Klimawandels in den vergangenen vier Jahren nicht angepackt. „Und ich habe nicht das Vertrauen, dass sie es jetzt machen wird.“ Beruflich steht für den Kriminalhauptkommissar eine Veränderung an: Vom Allgäu wird er nach München gehen und dort bei der Kriminalpolizei arbeiten.

  • Kai Fackler, FDP: „Ich bin müde, ich werde die nächsten Tage Schlaf nachholen.“ Über das Wahlergebnis ist er auch am Tag nach der Wahl froh. Die FDP habe sich in ganz Schwaben verbessert. Und auf Bundesebene auch. So sieht er seine Partei in der Regierung. Doch mit welcher Koalition? Sein Vorschlag: FDP und Grüne sollten zusammen schauen, wo deren Schnittpunkte sind, und dann gemeinsam überlegen, ob sie mit Union oder SPD regieren wollen. Wirtschaftspolitisch habe die FDP mehr Schnittpunkte mit der Union und gesellschaftspolitisch mehr Überschneidungen mit den Grünen. Deshalb wäre ihm eine Jamaika-Koalition lieber. Kai Fackler will sich nun wieder auf sein Studium konzentrieren. Politisch engagiert bleibe er aber. Er ist Mitglied des FDP-Kreisvorstands Memmingen und im Bezirksvorstand der Jungen Liberalen Schwaben. Doch auch größere politische Aufgaben könne er sich nach wie vor vorstellen.
  • Susanne Ferschl, Linke: Sie profitiert davon, dass ihre Partei drei Direktmandate in Deutschland gewann. Damit umgeht die Linke die Fünf-Prozent-Hürde, die sie bundesweit nicht geschafft hat. Bayern schickt vier Linke-Abgeordnete nach Berlin, eine davon ist die Kaufbeurerin. Auch am Tag nach der Wahl ist sie noch sehr enttäuscht vom Abschneiden ihrer Partei, die es bayernweit auf nur 2,8 Prozent brachte. Die Gewerkschafterin möchte dafür kämpfen, dass trotz aller anstehenden Umbrüche im Hinblick auf Klimawandel und Digitalisierung „gute und sichere Arbeitsplätze sowie der Sozialstaat erhalten bleiben“.