Landrat wird auch aus den eigenen Reihen kritisiert

"Populistisch", "schürt Ängste" - Kritik an Landrat Eder nach Facebook-Post

Landrat Alex Eder aus dem Unterallgäu (Freie Wähler) hat mehrfach mit Beiträgen zur Corona-Politik für Diskussionen gesorgt. Jetzt erntet er unter anderem Widerspruch vom Memminger FW-Fraktionsvorsitzenden Gottfried Voigt.

Landrat Alex Eder aus dem Unterallgäu (Freie Wähler) hat mehrfach mit Beiträgen zur Corona-Politik für Diskussionen gesorgt. Jetzt erntet er unter anderem Widerspruch vom Memminger FW-Fraktionsvorsitzenden Gottfried Voigt.

Bild: Ulrich Wagner

Landrat Alex Eder aus dem Unterallgäu (Freie Wähler) hat mehrfach mit Beiträgen zur Corona-Politik für Diskussionen gesorgt. Jetzt erntet er unter anderem Widerspruch vom Memminger FW-Fraktionsvorsitzenden Gottfried Voigt.

Bild: Ulrich Wagner

Der Unterallgäuer Landrat Alex Eder polarisiert in der Corona-Pandemie erneut mit einem Facebook-Post. Nun gibt es Widerspruch aus den eigenen Reihen.
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Von Allgäuer Zeitung
14.04.2021 | Stand: 16:11 Uhr

Landrat Alex Eder aus dem Unterallgäu hat erneut mit einem Facebook-Post zu den Corona-Regeln für Wirbel gesorgt. In einem Beitrag vom vergangenen Sonntag prangerte der Politiker der Freien Wähler die Testpflicht an Schulen in Bayern an. Wie berichtet, müssen sich Schüler und Lehrer in Klassen, in denen Präsenzunterricht stattfindet, seit Ende der Osterferien zweimal wöchentlich auf das Corona-Virus testen lassen. Eder fürchtet deshalb um das Kindswohl und fordert, dass die Tests zuhause stattfinden sollten.

"Stell dir vor, du bist ein Schulkind. Du fährst morgens mit dem Bus in die Schule und musst dich in der ersten Stunde mit allen anderen gemeinsam vor allen anderen Augen testen lassen. ... Stell dir vor, dein Test ist trotzdem positiv ... Niemand nähert sich dir mehr und du weinst bitterlich, weil du nicht weißt, was das jetzt bedeutet." - Nachdem bereits der Unterallgäuer Schulamtsdirektor Bertram Hörtensteiner diese Sätze aus Eders Beitrag als "Horrorszenarien aus dem Reich der Fantasie" abgetan hatte, kommt nun weiterer Gegenwind - sogar aus den eigenen Reihen.

Gottfried Voigt, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Memminger Stadtrat, stellt auf Nachfrage unserer Redaktion klar: "Wir teilen die Befürchtungen von Landrat Eder nicht und sehen Vorteile, wenn die Tests an den Schulen stattfinden." Wie Hörtensteiner ist auch Voigt der Meinung, dass Lehrkräfte in der Lage seien, mit den Tests sensibel umzugehen. "Wenn die Tests in den Schulen durchgeführt werden, dann finden sie kontrolliert und unter Aufsicht statt. Den Lehrern trauen wir in diesem Zusammenhang viel zu. Sie sind schließlich pädagogisch ausgebildet", sagte Voigt.

Auch wenn die Tests an Schulen nach Voigts Meinung "kein Allerheilmittel" seien, könnten sie doch dabei helfen, "Infektionen zu entdecken und das Virus in den Griff zu bekommen".

Facebook-Wirbel von Alex Eder: Das sagt Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder

Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder will Landrat Eder nicht kritisieren, aber er ist der Meinung, dass Eder mit seinem Facebook-Post „eher Ängste schürt“.

Schilder schlägt vor, dass die Eltern ihre Kinder zuhause auf die Tests in der Schule vorbereiten, um ihnen so etwaige Sorgen zu nehmen. Gleichzeitig hat Schilder großes Vertrauen in die Lehrer: „Sie haben sicherlich das nötige Einfühlungsvermögen, um die Test in der Schule entspannt und sicher durchführen zu können.“

Andererseits kann Schilder ein Stück weit das Argument nachvollziehen, dass es besser wäre, die Kinder bereits vor der Schule zuhause zu testen. Denn so müssten die Kinder nicht „ungetestet“ im Schulbus zusammensitzen. Allerdings seien die Tests in der Schule „belastbarer“. Denn es könne nicht nachvollzogen werden, ob alle Eltern ihrer Kinder dann auch tatsächlich testen.

Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder fürchtet, dass Landrat Eder mit seinem Facebook-Post "eher Ängste schürt".
Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder fürchtet, dass Landrat Eder mit seinem Facebook-Post "eher Ängste schürt".
Bild: Matthias Becker (Archiv)

Alex Eder: Grüne sehen typisches Merkmal für die sogenannte "Querdenken"-Bewegung

Zuvor hatte sich bereits die Kreistagsfraktion der Grünen „entschieden“ von der Haltung des Unterallgäuer Landrats zur Testpflicht an Schulen distanziert. Im Facebook-Post des Landrats würden „in unsachlicher, emotionalisierender und populistischer Weise angebliche psychische Gefahren für Kinder durch eine Testung in der Schule heraufbeschworen“. Mit wenigen Sätzen werde pauschal allen Lehrerinnen und Lehrern die pädagogische Kompetenz und den Eltern die Fähigkeit, ihre Kinder auf eine solche Situation angemessen vorzubereiten, abgesprochen.

Diese Art der Argumentation, die nicht auf Wissenschaft, Fakten und Sachlichkeit setze, gilt laut Grünen als typisches Merkmal für die sogenannte „Querdenken“-Bewegung. Nur mit regelmäßigen Testungen sowie geimpftem Schulpersonal – zusätzlich zu den Hygienekonzepten – könne in Pandemiezeiten Präsenzunterricht sicherer gestalten und damit Kindern und Jugendlichen ihr soziales Umfeld zurückgeben werden, heißt es vonseiten der Grünen.

Landrat Alex Eder hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach mit Gegenpositionen zur aktuellen Corona-Politik für Diskussionen gesorgt. Zu Beginn des Jahres hatte er in den sozialen Medien ein Video geteilt, in dem Unternehmer mit Nähe zu „Klardenken Schwaben“ und „Querdenken“ ihre Sorgen wegen der Corona-Einschränkungen deutlich machten.

Als das Unterallgäu inmitten der zweiten Welle der Corona-Pandemie den höchsten Inzidenzwert in der Region aufwies, forderte er in einem Schreiben an die Regierung von Schwaben, die Grundschulen im Landkreis zu öffnen. Gegenwind bekam der vergangenes Jahr als Nachfolger von Hans-Joachim Weirather neu gewählte Landrat schon damals, teils auch aus den Reihen der Freien Wähler.

So kontrovers diskutieren die Facebook-Nutzer der Allgäuer Zeitung

Auch auf Facebook wird der neuerliche Vorstoß Eders kontrovers diskutiert. Auf der Facebookseite von allgaeuer-zeitung.de wurde ein entsprechender Beitrag bis Mittwochnachmittag (15 Uhr) mehr als 30 mal geteilt, fast 120 Kommentare fanden sich darunter. Die Reaktionen fielen dabei durchaus gemischt aus:

  • "Ich kenne einige, die ihn gewählt haben, aufgrund seiner wissenschaftsresistenten Haltung aber schwer enttäuscht sind" - Kommentar zu Alex Eder auf https://www.facebook.com/allgaeuerzeitung.de (13.4.2021)
  • "Ich als Lehrer wäre auch für Tests zuhause, aber aus anderen Gründen wie Herr Eder. Was seine Gründe angeht... wer seine Kinder so erzogen hat, dass sie wegen dieser Tests ein Trauma bekommen, der hat komplett versagt. Dazu stehe ich!" (13.4.2021)
  • Er sollte sich anschauen, wie reibungslos die Tests funktionieren und wie gut die Kinder mitmachen. Danach kann er ja auf die übernervösen Eltern einwirken und sich auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren. (13.4.2021)

  • "Danke Herr Eder, wir bräuchten mehr Menschen mit Herz in der Politik" (13.4.2021)
  • "Das wäre alles nicht nötig mit den Tests wenn man Lüftungsanlagen in den Schulen verbaut hätte. Aber die Schulen halten diese Maßnahme ja auch nicht für nötig, wie ich an unseren Schulen feststellen musste..." (13.4.2021)
  • "Lieber die Erwachsenen in der Industrie testen, statt die kleinen Kinder". (13.4.2021)

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Corona im Allgäu: Eine Chronologie der Krise in Bildern