Viele Einsätze am Donnerstag

Oberstdorfer Bergwacht pausenlos im Einsatz: Immer wieder bringen sich Bergwanderer im Allgäu in Gefahr

Bergwacht-Einsatz an der Höfats mit dem Rettungs-Hubschrauber Christoph 17 aus Kempten: Dort hatte sich ein 26-jähriger Bergsteiger am Donnerstag verstiegen.

Bergwacht-Einsatz an der Höfats mit dem Rettungs-Hubschrauber Christoph 17 aus Kempten: Dort hatte sich ein 26-jähriger Bergsteiger am Donnerstag verstiegen.

Bild: Bergwacht Oberstdorf

Bergwacht-Einsatz an der Höfats mit dem Rettungs-Hubschrauber Christoph 17 aus Kempten: Dort hatte sich ein 26-jähriger Bergsteiger am Donnerstag verstiegen.

Bild: Bergwacht Oberstdorf

In den Allgäuer Alpen war die Bergwacht Oberstdorf samt Hubschrauber am Donnerstag ständig im Einsatz - bis in die Nacht. Wie sich Wanderer in Gefahr brachten.

22.08.2020 | Stand: 08:04 Uhr

Immer wieder muss die Bergwacht im Allgäu zu Einsätzen ausrücken, weil Wanderer in den Allgäuer Alpen in gefährliche Situationen geraten. Für die Bergwacht Oberstdorf war der gestrige Donnerstag mit bestem Ausflugswetter ein besonderer Stresstest.

Ab der Mittagszeit bis nach Mitternacht waren die Retter quasi ohne Pause im Einsatz. Mehrfach musste auch der Hubschrauber ausrücken. Ein Überblick, was in den Oberstdorfer Bergen am Donnerstag passiert ist.

Allgäuer Alpen: Bergwacht meldet zahlreiche verstiegene Personen um Oberstdorf

  • Los ging es ab der Mittagszeit mit einem vermeintlichen "Routineeinsatz". Eine junge Frau verletzte sich laut Mitteilung in der Breitachklamm am Sprunggelenk. Eine Mannschaft der Bergwacht transportierte die Frau mit einer Gebirgstrage und Quad bis zur Walser Schanze. Dort wurde sie vom Rettungsdienst erwartet, der sie in ein Krankenhaus transportierte.
  • Dann ging es los mit den Einsätzen im Hochgebirge. Ebenfalls gegen Mittag gingen bei der Bergwacht zwei Meldungen zu verstiegenen Personen an der Höfats und am Zweiländer-Klettersteig an der Kanzelwand ein. Für beide Einsätze forderten die Retter jeweils ein Hubschrauber an.

  • Mit Hilfe des Rettungshubschraubers Christoph 17 aus Kempten wurde ein 26-jähriger Bergsteiger an der Höfats mit dem Bergetau ausgeflogen. Er hatte laut Bergretter im Steilgelände den Weg verloren und kam weder vor noch zurück.

    Rettungs-Hubschrauber Christoph 17 beim Einsatz mit der Bergwacht Oberstdorf an der Höfats.
    Rettungs-Hubschrauber Christoph 17 beim Einsatz mit der Bergwacht Oberstdorf an der Höfats.
    Bild: Bergwacht Oberstdorf
  • In der Zwischenzeit wurden am Zweiländer-Klettersteig zwei Personen mit dem Bergetau des Rettungshubschraubers Gallus 1 aus Zürs auf sicheren Boden zurückgeflogen. Sie waren nach Angaben der Bergwacht in dem schwierigen Klettersteig blockiert.

  • Im weiteren Verlauf des Donnerstags stürzte ein Bergsteiger im Sperrbachtobel unterhalb der Kemptner Hütte ab. Da der Hubschrauber Christoph 17 vom letzten Einsatz noch in Oberstdorf war, konnte er unverzüglich mit einem Einsatzleiter zum Unglücksort starten. Dort versorgten die Bergwachtler den Mann und flogen ihn mit dem Bergetau in eine Klinik. Er wurde glücklicherweise nur leicht verletzt.

    Bergwacht-Einsatz per Helikopter in der Dunkelheit an der Hammerspitze im Allgäu.
    Bergwacht-Einsatz per Helikopter in der Dunkelheit an der Hammerspitze im Allgäu.
    Bild: Hannes Bickel
  • Einsatz Nummer fünf: Mit Einbruch der Dunkelheit erreichte die Retter ein erneuter Hilferuf vom Hammerspitzengrat. Ein junges Pärchen hatte laut Mitteilung das Gelände unterschätzt. In einem gefährliche Bereich kamen sie werder voran noch zurück. Nun musste der nachtflugtauglichen Hubschrauber "Edelweiss 2" der Polizei in München angefordert werden. Mit ihm flogen zwei Bergretter zum Einsatzort. Dort wurden sie mit der Seilwinde zu den beiden Wanderern abgelassen.

  • In zwei Windenaufzügen wurden die jungen Bergsteiger an Bord des Hubschraubers geholt und zur Bergrettungswache nach Oberstdorf geflogen.

Erst gegen Mitternacht war der einsatzreiche Tag für die Bergwacht Oberstdorf beendet. Vor dem kommenden Wochenende appellieren die Bergretter deshalb an Ausflügler, Wanderer und Bergsportler im Allgäu, die nötige Vorsicht walten zu lassen und sich in den Allgäuer Bergen nicht zu überschätzen. Lesen Sie dazu auch unsere 7 lebenswichtigen Tipps für eine Bergtour.

Auf Nachfrage von allgaeuer-zeitung.de wertet man bei der Bergwacht in Oberstdorf das bisherige Jahr trotz der außergewöhnlichen Corona-Situation als "ganz normalen Bergsommer". Schwankungen bei Einsatzzahlen könne es immer geben. Viele Einsätze würden sich in diesem Jahr aber eher "nach unten" verlagern - fänden also nicht im Allgäuer Hochgebirge ab. Einer der Gründe dafür: Wegen Corona geschlossene Hütten und Einschränkungen bei Übernachtungen. Für nicht versierte Wanderer verweist die Bergwacht Oberstdorf vor einer Tour auf ihre "sechs Grundregeln des Bergsteigens".